Land-, nicht Energiewirte

Claudia Möllers: „Gemeinsam gegen Flächenfraß“; Bayern 29. Juni

Die Absichtserklärungen des neuen Bauernpräsidenten sind ja löblich und hört man gerne: gegen die rasante Versiegelung der Landschaft, denn Grund ist nicht vermehrbar. Nur zwei Punkte sollte er dringend beachten: Baugrund wird überwiegend von Bauern verkauft, keiner zwingt sie dazu. Der größte Unfug sind die sogenannten Ausgleichsflächen. Wie sollen versiegelte Flächen ausgeglichen werden? Die Ernährung der Bevölkerung können die Landwirte mit dem Anbau von Biomasse für Biogasanlagen kaum sicherstellen. Es wäre schön, wenn sich Bauern wieder mehr als Landwirte und nicht als Energiewirte betätigen würden. Dann noch vernünftige Tierhaltung, und der Bauernstand erfüllt wieder voll seine Aufgabe, die Verbraucher werden es danken.

Ernst C. Steinhilber Landsham

Der Bauernverband demonstriert gegen Flächenfraß - beklagt den täglichen Verlust von 87 Hektar Grund. Das schmerzt auch die Seele von Umweltminister Altmaier (CDU). So kann das auf Dauer nicht weiter gehen! Und Ilse Aigner (CSU) hat auch schon eine Lösung parat: „Intelligentes Flächenmanagement“ nennt sie die Abschaffung von Öko-Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte. Löst das den täglichen Flächenverbrauch oder klingt es nach in Generationen denkender, verantwortlicher Politik? Wohl eher nicht! Doch es geht dem neuen Bauernpräsidenten um mehr! Er möchte von Deutschland aus die Weltbevölkerung ernähren und das Klima retten. Wie sein Vorgänger, will auch Rukwied sich für den freien Markt einsetzen und sich bei der Energiewende nicht billig abspeisen lassen. Es wird so bleiben wie es ist: Brandrodungen und vertriebene Kleinbauern in Südamerika sicher mit meist genverändertem Soja als Futtermittel unsere Massentierhaltung - das zu viel produzierte Fleisch geht in den Export und bekämpft eben nicht den Hunger in diesen Ländern, sondern geht zu lasten der lokalen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern. Auch das Höfesterben - während der Ära Sonnleitner gab die Hälfte der bayerischen Landwirte ihre Höfe auf - wird sich fortsetzen, wenn sich nach Rukwied weiterhin Subventionen an der Betriebsgröße orientieren und mit der Gießkanne verteilt werden. Gerade die kleingliedrige bayerische Landwirtschaft ist dadurch massiv bedroht! Interessant ist, dass es zwei kleinere Bauernverbände gibt, die für eine andere Agrarpolitik stehen. Im Agrarbündnis Bayern machen sich der BDM und die AbL gemeinsam mit Umweltverbänden stark für mehr Umweltschutz, den Erhalt der Kulturlandschaft und einer sozial gerechten Förderpolitik. Das breite gesellschaftliche Bündnis vertritt weit mehr Mitglieder als der Bauernverband und ist mehr als eine einseitige Interessensvertretung. Hier klappt was Altmaier und Aigner sich wünschen: Verbraucher und Erzeuger sind Verbündete. Das unterstütze ich als Verbraucher auch mit meinem Kaufverhalten gerne.

Rainer Forster Kirchberg

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