Leserbriefe

Bauern und Umwelt

Annemarie Biechl: Vergesst die Bauern nicht!; Gastkommentar Bayern 26. Februar

Sehr geehrte Frau Bichl, Ihren Kommentar finde ich überaus treffend - Sie haben mir aus der Seele gesprochen! In Bäuerinnen- und Bauernversammlungen haben wir Ihr Fachwissen für Landwirtschaft, Ökologie und Familie stets bewundert. Nicht allein die Bauern sind zu verurteilen, wenn man sieht, wie unbedarft Kleingärtner in rauen Mengen Spritzmittel ausbringen nach dem Motto viel hilft viel. Bei den Landwirten werden diese Gaben sehr genau berechnet, denn niemand könnte es sich leisten, mehr als nötig auszubringen. Die Preise für beste landwirtschaftliche Produkte sind einfach zu niedrig - wenn man für 1 Ztr. Weizen nur eine Mass Bier bekommt, ist das nicht nachvollziehbar. In puncto Umweltverschmutzung sollte man eher an den Flugverkehr denken, da müsste sich jeder an der Nase nehmen und fragen, ob es sinnvoll ist, den Junggesellenabschied auf Mallorca zu feiern oder ob es nicht besser wäre, die nächste Konferenz über Skype abzuwickeln, statt mal kurz nach Tokio zu fliegen!

Margot Heckmair

Garching

Woher kommt es, dass jetzt eine Ökologisierung der Landwirtschaft nötig ist? In früheren Zeiten war sie weitgehend ökologiegerecht; da gab es Blumenwiesen, die nicht zu Fettgras-Monokulturen zugedüngt waren, wildtierfreundliche Felder-Vielfalt statt großflächiger Vermaisung der Landschaft, Leben auf landwirtschaftlichen Flächen statt totgespritzter Ödnis. Seit aber die Landwirtschaft der Industrialisierung (die vermisse ich in Frau Biechls Aufzählung!) ausgeliefert wurde, ist das entscheidend anders. Besonders an den Bestandszahlen der Insekten und Vögel ist das abzulesen. Und nun meint Frau Biechl, der Text zum Volksbegehren sei irreführend, weil es der Honigbiene gut geht. Da muss sie sich sagen lassen, dass es in Bayern rund 500 Wildbienenarten (Hummeln gehören auch dazu) gibt, die durch fortschreitenden Denaturierung, besonders auch in der Agrar-Industrie mit tödlichen Ackergiften wie Glyphosat und Neonikotinoide und Überdüngung großenteils vom Aussterben bedroht sind. Ach ja, mit der Landwirtschaft wurde im Vorfeld des Volksbegehrens nicht gesprochen? Hat die vorher mit Artenschützern über die Vergiftung der Landschaft gesprochen? Deren Absicht war es zu keiner Zeit, der Billig-billig-Mentalität zu genügen. Die verbrauchende Welt hat eben ihre Grenzen überschritten. Dafür macht kein Artenschützer die Landwirtschaft allein verantwortlich, aber sie hat einen großen, für alle spürbaren Anteil an der ökologischen Misere. An der Schwierigkeit für Hoferben sollte dafür Frau Biechl nicht die Artenschützer verantwortlich machen. Deren Schuld ist es nicht, dass besonders die Metallindustrie mit dem Angebot an angenehmen und lukrativen Arbeitsplätzen junge Menschen vom Land weglockt. Die Schwierigkeiten für die Erben von Naturgärten übersieht sie hingegen völlig. Naturgärten besitzen eine wichtige Trittsteinfunktion für viele kleine Wildtiere besonders in Ballungsgebieten, in denen sie sonst keine Überlebensmöglichkeit hätten. Aber gerade dort hat die Politik durch Überfüllung die Bodenpreise in so astronomische Höhen getrieben, dass die Freigrenzen sogar bei Vererbung an die Kinder sofort weit überschritten sind, wenn der Naturgarten nicht nur Handtuchgröße hat. Auch wenn ihn die Kinder weiterhin naturgemäß erhalten wollten, bleibt deswegen oft nur der Verkauf. Dem letzten Absatz in Frau Biechls Kommentar stimme ich vorbehaltlos zu. Die gesamte Gesellschaft muss umlernen. Gärten dürfen keine Steinwüsten mehr sein, und Naturgarten-Erhalter dürfen ebenso wenig wie Hoferben bestraft werden. Wenn Fleisch teurer wird, brauchen es Fleischesser auch endlich nicht mehr täglich; das tut ohnehin der Gesundheit gut. Das Zuklotzen lebendigen Bodens muss aufhören. Der Maßnahmenkatalog ist lang, den wir alle miteinander bewältigen müssen. Und die Politik muss endlich Nägel mit Köpfen machen, statt nur Ankündigungen von sich zu geben.

Prof. Dr. Dietrich Schwägerl

Ottobrunn

Biobauern sichern die Artenvielfalt: Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ geht in die richtige Richtung. Wenn bereits 75 % der Arten der Insekten und sonstigen Tieren wie Lerchen, Grillen, Rebhuhn, Hasen, Muscheln, Krebse fast ausgerottet sind, ist höchste Zeit zu handeln. Als ich vor fast siebzig Jahren zur Schule ging, hörte man am Morgen die Lerchen trillern, in den Bächen fingen wir nach der Schule mit der Hand Forellen und Krebse und Muschelschalen waren zum Spielen sehr begehrt. Im Frühjahr sahen wir massenhaft junge Hasen durch die Felder huschen, im Sommer krochen die Fasanen und Rebhuhn Küken durch die Getreidefelder in denen noch ausreichend Samen der Kräuter für eine gesunde Ernährung sorgten. In den noch intakten Wiesen mit einer Vielfalt von Blumen und Kleearten summten Bienen, Hummeln und flogen viele Schmetterlingsarten, an den Feldrainen zirpten die Grillen um die Wette, Mehlschwalben und Mauersegler flogen um die Wette, abends flatterten die Fledermäuse durch die Flure, Frösche quakten im Dorfweiher und der Uhu jagte uns durch seine Schreie Angst ein. Wenn ich heute mit offenen Augen durch die Flure gehe, stelle ich fest, dass es dieses nicht mehr gibt, nur noch einzelne Arten fristen ein kümmerliches Dasein, viele sind schon ausgestorben, Wissenschaftler, Statistiker und Biologen bestätigen das. Was ist passiert, auf Verzicht der mechanischen Entfernung der Wildkräuter und dafür Einsatz von immer ausgeklügelten Pestiziden auf den Ackerflächen, Umwandlung der Wiesen in Ackerflächen, früher war bei einem bäuerlichen Familienbetrieb ca. 30 % Wiesen und 70 % Ackerflächen, wurde unsere bayerische Kulturlandschaft umgekrempelt. Feldhecken, Bewuchs an den Bachrändern, Feldraine wurden durch geschickt geführte angebliche Pflegemaßnahmen entfernt. Durch die falsche Förderpolitik verschwanden unsere bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe, Großbetriebe mit Massentierhaltung bestimmen heute das Landschaftsbild, immer ausgeklügelte Pestizide verdrängten die mechanische Bodenbearbeitung, die Wildkräuter verschwanden und damit die Nahrungsgrundlage für alle Arten. Die Vögel brüten weniger oder werden durch die Pestizide unfruchtbar. Zu meiner Jugendzeit gab es für die Landwirte nur die Dieselbeihilfe, heute fließen Milliarden Steuermittel in die Landwirtschaft, die Überproduktion ist gestiegen, die Preise gefallen, der Umweltstandard verschlechtert. Französische, schwedische und weitere Bauern beschweren sich, das unser Billigfleisch ihre Landwirtschaft kaputt machen, da sie oft strengere Auflagen haben. In Afrika wird die bäuerliche Struktur zerstört, da unser billiges Hühnerfleisch, billiger Joghurt, Trockenmilch ihre Preise kaputt machen und aufgeben müssen, die Flüchtlinge kommen zu uns. Agrarkonzerne kaufen mit Unterstützung von EU Geldern dort Ländereien und vertreiben die einheimischen Bewohner. Landwirtschaftliche Großbetriebe und Massentierhaltung sind gewerbliche Betriebe und bedürfen keiner Förderung durch Steuermittel, Gelder aus dem Fördertöpfen bekommen nur noch ökologisch wirtschaftende Betriebe mit bodengebundener Tierhaltung. Die Politiker sind da gefordert oder wollen wir weiter die Vernichtung der Artenvielfalt mit Steuermitteln unterstützen. Das es den Landwirten finanziell nicht schlecht geht, kann ich an einem Beispielbetrieb aufzählen: früher ca. 35 ha, ca. 20 Milchkühe, um die 50 Schweine, gutes Auskommen, heute über 2.000 Mastschweine, in den letzten Jahren zwei Kleinbetriebe mit ca 15 ha dazu gekauft und weitere Waldflächen, Aufwand incl. weiterer Bauten dafür knapp einer Million Euro. Wer jetzt noch nicht verstanden hat, das wir umdenken müssen, dem empfehle ich das Buch von Maja Lunde - die Geschichte der Bienen. Dann klettern wir auf die Bäume und bestäuben wie bereits in China die Blüten. Da schon der Bio Lehrer in der Schule gesagt, die Pestizide erzeugen bösartiges Wachstum bei dem Unkraut, kaufe ich seit über 37 Jahren bei Tagwerk ein, gesunder Boden, gesunde Nahrungsmittel und unterstütze die Bio Landwirtschaft, die in meinen Augen wahre Bauern und Idealisten sind. Auch Bäckerei Pfister macht es vor, das es auch anders geht und ökologische Produkte marktfähig sind. Es reicht nicht aus, plakativ Blühstreifen an den Bundestrassen anzulegen, da diese sogar schlecht für die Insekten sind, da diese unter die Räder kommen und die Blühpflanzen mit Pestiziden aus dem Boden belastet sind, so, Arno Bruder, Fachberater für Bienenzucht dies wissenschaftlich fundiert erklärte. Und bei der Fernsehsendung Landfrauenküche Bio Höfe zu zeigen finde ich schön, aber leider ist das eine Minderheit der Betriebe, welche so wirtschaften. Und ohne uns Imker gäbe es heute auch keine Bienen mehr. Verbraucher sind gefordert, mehr Bioprodukte zu kaufen, damit der Markt für den Absatz da ist. Packens wir gemeinsam an. Gerne würde ich meinen Enkelkindern noch Lerche, Hase, Rebhuhn usw.noch in der freien Natur und nicht aus Schulbüchern zeigen.

Johann Bauer

Erding

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