Eine echte Katastrophe

Katrin Woitsch und Katrin Martin: „Trotz Einser- Examen keine Stelle“; Bayern 16. Januar

Vor sieben Jahren händeringend gesucht – jetzt stehen die Junglehrer auf der Straße? Seit drei Jahren bin ich ehrenamtliche Lesepatin an einer Grundschule in München. Ich lese mit den Kindern, versuche spielerisch die deutsche Sprache und Kultur verständlich zu machen. Ich unterstütze bei den Hausaufgaben, weil zu Hause keiner helfen kann. Laienhafte schulische Hilfe für Kinder mit schlechten oder geringen Deutschkenntnissen! Sobald die Kinder zu Hause sind, wird mit der Familie die nichtdeutsche Muttersprache gesprochen. Das führt dazu, dass eine Grundschulklasse wiederholt werden muss, die Kinder dem Unterricht meist durch alle Klassen nicht ausreichend folgen können. Für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache können nach der Grundschulordnung Übergangsklassen eingerichtet oder Deutschfördermaßnahmen angeboten werden. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, engagierte Nachwuchslehrer verstärkt einzusetzen. Das kostet mehr Geld? Besser jetzt Geld in eine gute Bildung investieren, als später über mangelhafte Deutschkenntnisse jammern.

Renate Blaß-Denk München

Da brodelt es auch in uns Eltern und nicht nur in den Junglehrern, die keine Stelle bekommen! Da fallen wochenlang Englischstunden aus, weil einfach kein Lehrer da ist, dann kommt Einer, der muss sich erst mal weiterbilden, dann werden Schulaufgaben so geschrieben, als hätte regulärer Unterricht stattgefunden und dann schreien wieder alle, wie schlecht Deutschland bei Vergleichen mit anderen ( z.B. skandinavischen) Ländern abschneidet. Und junge, super ausgebildete (Englisch)lehrer bekommen keine Stelle? Die meisten der jungen Lehrer kommen sehr gut bei den Schülern an und es gehört eigentlich jeder belohnt, der freiwillig in der heutigen Zeit Lehrer wird oder werden möchte, wenn man sich die Zustände in den Schulen mal anschaut. Was es da jeden Tag für Stundenausfälle gibt, weil kein Lehrer da ist, das schreit zum Himmel! Und die , die wollen , dürfen nicht und die Schüler bleiben mal wieder auf der Strecke. Da fragt beim Abitur keiner, ob in der 7. Klasse mal ein halbes Jahr kein Englisch war!!! Lehrer auszubilden und dann nicht einzusetzen kostet wohl kein Geld? Und gleich daneben ist wieder mal ein Paradebeispiel für ein bundeseinheitliches Abitur: Wenn man in 6 Bundesländern gleichzeitig die gleiche Klausur schreibt, muss man doch vorher klären, welche Hilfsmittel erlaubt sind? Sonst könnte man doch gleich beim alten Muster bleiben. Oh Deutschland, deine Bildungspolitik ist eine echte Katastrophe!

Ute Hoffmann München

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