Beliebtes Bauern-Bashing

Aglaja Adam: Fliegende Rehkitz-Retter; Bayern 1. Juni

Und wieder ein Beispiel für das beliebte Bauern-Bashing, das momentan ganz modern zu sein scheint: Die rücksichtslosen Bauern töten absichtlich die süßen Babyrehe, die die Mama im Gras gelassen hat! Übrigens mit seinem riesigen Mähdrescher. Als Landwirtin (mit erfolgreich absolvierter Jägerprüfung) muss ich dagegen protestieren: Nein, so ist das nicht! Wir Landwirte nehmen unsere Verantwortung, dem Tierwohl zu dienen, sehr ernst und arbeiten seit Jahren mit den ansässigen Jägern bei der Rettung von Wildtieren vor der Mahd erfolgreich zusammen. Wir kommen der Verpflichtung, vor der Grünland-ernte die Wildtiere von den Wiesen fern zu halten, gerne und frühzeitig nach: Kein Landwirt zermäht mutwillig ein Rehkitz oder einen Hasen. Auch würden wir uns keinen Gefallen tun, denn in der Folge schadet ein durch Aas verseuchtes Futter unseren eigenen Tieren: Ein totes Tier (egal ob Maus oder Rehkitz) oder auch Hundekot im Heu- oder Siloballen kann schwere, tödliche Erkrankungen bei unseren Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen erzeugen. Schade, dass in dem Artikel nicht die bereits erfolgreiche Vorgehensweise in der Praxis angesprochen wurde: Vor Grünlandernte sprechen Landwirte sich rechtzeitig mit den zuständigen Jägern ab. Nur wenn alle gemeinsam arbeiten, können wir eine gute und wildtierschonende Mahd erzielen! Bereits am Tag vor der Mahd werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, sodass sich die Wildtiere bereits vorher aus dem betroffenen Grünland zurückziehen können: So sind das Absuchen mit Mensch und Hund, das Aufstellen von Stinkbomben und Radios in der Wiese oder der Einsatz von Kitzrettern, einem speziell für die Vertreibung von Rehwild entwickeltes technisches Gerät, das insbesondere der BJV bereits im Pilotversuch erfolgreich getestet hat, durchaus wirksame Maßnahmen zur Kitz- und Wildtierrettung. Alle diese Maßnahmen verhindern einen Wildschaden während der Mahd erfolgreich, trotz der technischen Veränderungen in der Landwirtschaft, in der die Mähwerke heute größer und landwirtschaftliche Maschinen schneller geworden sind. Der Einsatz von Drohnen zur Kitzrettung ist nur eine zusätzliche Methode, die in Verbindung mit den bewährten Maßnahmen in der Wildtierrettung während der Mahd zum Einsatz kommen kann, um die Sicherheit für die Wildtiere noch weiter zu erhöhen. Sie sollte nicht die einzige bleiben. 

Dagmar Wagner Diplom-Agraingenieurin, Bäuerin Kreuzholzhausen

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