Typisch deutsche Eigenschaften

Versöhnung und Frieden: Versprochen!; Bayern, Sankt Luther; Leserforum 2. November

Zum Reformationsgedenken unterstrich Kanzlerin Merkel bei einem Festakt in Wittenberg die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Toleranz sei „die Seele Europas“ und das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft“. Auch mit Blick auf die zahlreichen innereuropäischen Konflikte, die Luthers Thesenanschlag einst mit sich brachte, sagte sie: „Wer die Vielfalt bejaht, muß Toleranz üben - das ist die historische Erfahrung unseres Kontinents. Entschieden nein zu Ihrer Darstellung von „Vielfalt und Toleranz“, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin. Ich war und bin weder dem diktatorischen Nationalsozialismus noch dem diktatorischen Marxismus gegenüber tolerant. Beides haben wir Deutschen im 20sten Jahrhundert ertragen müssen. Wer kann uns denn schon so ganz genau erklären warum die Nazis uns Deutschen ein so unvorstellbares Verbrechen aufgenötigt haben. Danach haben wir jedenfalls die verschiedensten und undurchsichtigsten Machteinflüsse wahrgenommen, die wir mit einer empfundenen, überdehnten Toleranz erdulden mussten. Unsere kulturelle Identität ist auch dadurch schleichend erkrankt. Wer das gut heißt und es politisch gewollt mit „Vielfalt und Toleranz“ darstellt, nimmt das Chaos bewusst inkauf. Die dazugehörige Chaostheorie bildet sich ein, der Wahrhaftigkeit christlichen Glaubens gleichgestellt zu sein. Der in diesem Sinne Ausgesperrte Deutsche hat nur eine Chance: „Seinen christlich orientierten Gefühlen und Geboten nachzuspüren.“ Dort ist niemand, der die Tür hinter ihm zur Freiheit zuschlägt.“ Das christliche Abendland hat göttlichen Bezug, dem die Handlanger der Politik - und dies’ ganz besonders in Deutschland - als Basis zu betrachten haben. 

Horst Lüeße Kirchheim-Heimstetten

Martin Luther heiligsprechen, eine tolle Idee. Diesen Mann, der im Laufe seines Lebens eine erstaunliche Entwicklung machte. Vom fanatisch religiösen Augustinermönch, bis hin zu einem Menschen der an seinem eigenen Anspruch, heilig zu sein, scheiterte, und schließlich alle seine Gelübde brach. Laut offizieller Geschichtsschreibung legte nicht zuletzt Martin Luther den Grundstein zum Übergang von Mittelalter in die moderne Neuzeit. Besonders interessant hierzu sind seine Ansichten über Frauen allgemein, die nur zur Haushaltsführung und zum Gebären da sind („lass sie sich nur tottragen, sie sind drum da.“) und über Hexen im Speziellen („...sie sollen getötet werden, weil sie schaden und Umgang mit dem Satan haben“). Aber auch über die Juden, „Blutmänner“ deren Synagogen man niederbrennen muss und die er, wenn er könnte, „ niederstrecken und in seinem Zorn mit dem Schwert durchbohren“ wollte. Zitat: „So man die Straßenräuber und Mörder rädert und köpft, wie viel mehr sollte man alle Wucherer rädern und ädern und alle Geizhälse verjagen, verfluchen und köpfen.“ Der Mann gab der christlichen Botschaft wirklich ein Gesicht. Na ja, wenn schon nicht wegen seiner Ansichten und seiner persönlichen Lebensführung, so könnte man ihn doch für seine Auswirkung auf die Nachwelt heilig sprechen. Immerhin schaffte er es die Kirche zu spalten, den Menschen die Aussicht auf Freiheit vorzugaukeln und sie aufzuhetzen. Beginnend mit den Bauernaufständen, die 100 000 Menschen das Leben kosteten bis hin zum 30-jährigen Krieg, bei dem fast ein Drittel der Bevölkerung des Reiches sein Leben ließ, brachte seine Reformation den Menschen das Seelenheil. Da ist seine Heiligsprechung doch ein naheliegender Gedanke. Das Geheimnis seines Erfolges lag wahrscheinlich in seinen typisch deutschen Eigenschaften: besserwisserisch, spalterisch, intolerant, fanatisch und redegewandt. Das liebten die Deutschen schon im Mittelalter. 

Christian Tuscher Murnau am Staffelsee

Dieses Gedenkjahr zur Reformation treibt seltsame Blüten. Die lächerlichste dürfte allerdings sein, den dezidierten Judenhasser Luther heiligzusprechen! Als zu Beginn des Jahres an den 150. Geburtstag von Ludwig Thoma erinnert wurde, war weniger vom bedeutenden literarischen Werk dieses bayerischen Schriftstellers die Rede, sondern man wurde nicht müde, auf dessen wenige Hasstiraden gegen die Juden in seinen letzten Lebensjahren hinzuweisen. Alle möglichen und unmöglichen Leute äußerten sich dahingehend, dass sie deshalb die Werke dieses bedeutenden Literaten nicht mehr lesen wollten. Es wurde sogar diskutiert, ob man die Aufführung seiner Werke nicht verbieten sollte. Dabei dürfte die Breitenwirkung von Thoma wesentlich geringer gewesen sein, als diejenige von Martin Luther. Aus dessen zahlreichen Hetzschriften gegen Juden, will ich nur zwei aus Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung zitieren, deren Anweisung 455 Jahre nach der Geburt Luthers wohl kaum zufällig in der Nacht zu seinem Geburtstag in der sogenannten „Reichskristallnacht“ genauestens befolgt wurde: „Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien“ “Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“. Auf welch (un)fruchtbaren Boden diese Aufrufe gefallen sind, zeigt die Reaktion des evangelisch-lutherischen Landesbischofs von Thüringen, Martin Sasse, auf die „Reichskristallnacht“: Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden. (Der evangelisch-lutherische Landesbischof von Thüringen, Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden – Weg mit ihnen!", Freiburg 1938.)

 Dr. Hans Tyroller M.A. Eichenau

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