Nach Zugunglück von Bad Aibling: Politik muss durchgreifen

Von Dominik Göttler: Zwischen Trauer und Zorn; Bayern 9. Februar

Die Überschrift „Zwischen Trauer und Zorn“ könnte den Hintergrund der finanziellen Aufarbeitung dieser schrecklichen Katastrophe vor einem Jahr in Bad Aibling nicht besser treffen. Es ist beschämend, wie Versicherungen und die Bahn sich verhalten und gegenseitig die juristischen Bälle zuspielen, von den Betroffenen ein Gutachten nach dem anderen einfordern und als Gipfel der Pietätlosigkeit sogar noch die Dauer des Todeskampfes als Bemessungsgrundlage der Entschädigung nachweisen lassen wollen! Schuldfrage hin oder her – eines dürfte wohl unumstritten klar sein: Die zwölf Todesopfer und die 89 Verletzten trifft nicht die geringste Schuld – nur dass sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

Hier ist die Politik gefragt, endlich mal „auf den Tisch zu hauen“ und die Versicherungen in die Schranken zu weisen – regional, bundesweit als auch europaweit, am besten weltweit – dass bei solchen Katastrophen eine schnelle, unbürokratische und großzügige finanzielle Entschädigung den Opfern zukommt. Anschließend können sich die Versicherungen und die Verantwortlichen meinetwegen Jahrzehnte darüber streiten, wer letztlich den finanziellen Schaden trägt. Eines ist klar – die Betroffenen können es nicht sein und haben auch nicht die Kraft und die finanziellen Möglichkeiten, einen Kampf David gegen Goliath anzutreten. Mit Geld ist so ein Leid ohnehin nicht zu bemessen, aber es kann den Überlebenden eine leichtere Eingliederung ins (Berufs-)Leben ermöglichen.

Europa meint, alles vermeintlich Wichtige regeln zu müssen – hier hat Europa versagt! Ein Beispiel sind Flugzeugkatastrophen, Hochwasserkatastrophen usw., bei denen die Angehörigen nach über zehn Jahren noch kein Geld gesehen haben. Wenn das die Politik nicht schnellstens in den Griff bekommt, dann können sich Politiker die „Rundflüge“ über Katastrophengebiete und vollmundige, werbewirksame Versprechen künftig sparen.

Erhard Pohl
Miesbach

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