Todesstoß für unsere Artenvielfalt

Dominik Göttler: Giftige Pestizid-Debatte; Bayern 15. November Nach den Insekten sterben die Vögel; Weltspiegel 20. Oktober

Der Antrag der bayerischen grünen Abgeordneten Gisela Sengl, bis 2030 die Ackergifte in Bayern um die Hälfte zu reduzieren und langfristig abzuschaffen, ist ein wichtiger und meiner Meinung nach noch sehr moderater Schritt in die richtige Richtung. Erschreckend sind für mich die Reaktionen der Herren Brunner und Arnold. Es geht hier nicht darum, wie Landwirtschaftsminister Brunner es darstellt und damit die wirkliche Problemstellung verschleiert, die Bauern als die Bösewichte zu verteufeln. Es geht auch nicht nur darum, das Insekten- und Vogelsterben aufzuhalten, was vielleicht manchem unserer Zeitgenossen nicht so nahegeht, wie es sollte. Denn dieses große Artensterben ist das erste Anzeichen für einen schleichenden Ökozid (jawohl, so nennen es inzwischen ernstzunehmenden Wissenschaftler), der durch Ackergifte wie Glyphosat verursacht wird. Herr Arnold braucht nicht auf neue Forschungsergebnisse warten, diese liegen in großer Zahl vor und wurden beim „Tribunal gegen Monsanto“ vorgestellt. Monsanto ist der führende Hersteller solcher Ackergifte und hat auch im Vietnamkrieg damals die amerikanische Armee mit dem berüchtigten Entlaubungsmittel „Agent Orange“ beliefert. Vor Kurzem berichtete 3-Sat über das Tribunal, man kann auch alles ganz einfach im Internet nachlesen, was ich Herrn Brunner und Herrn Arnold sehr empfehlen würde. Demnach tötet Glyphosat nicht einfach nur das lästige Unkraut ab, sondern vernichtet weitgehend das gesamte Bodenleben. Es liegen Studien vor, die darauf hindeuten, dass Glyphosat Missbildungen bei Nutztieren hervorruft und beim Menschen besonders die gesunde Darmflora und das Immunsystem schwächt. Ich frage mich, ob die vielen heftigen Norovirus-Epidemien in den letzten Jahren vielleicht auch damit zu tun haben könnten. Wer schon einmal an einem frisch mit „Round-up“ (=Glyphosat) behandelten Feld vorbeigegangen ist, der sieht: Hier rührt sich gar nichts mehr. Auch den ekligen Chemiegeruch, den die Erde ausströmt, hat man noch lange in der Nase. Wenn der Boden über Jahre hinweg so vergiftet wird, wächst am Ende nur noch eins: genmanipuliertes und glyphosatresistentes Saatgut, hergestellt natürlich ebenfalls von Monsanto & Co., von deren Monopolstellung dann im Endeffekt die Landwirte völlig abhängig sind. Diese Entwicklung kann niemand von uns wollen, vor allem nicht in Hinblick auf unsere Verantwortung für die nächsten Generationen. Es gibt eine ganze Reihe von Plattformen im Internet, bei denen man seine Stimme einbringen kann.

 Sybille Zeeb Starnberg 

Kürzlich habe ich bei einem Spaziergang in der Nähe von Sachsenkam diese Situation angetroffen: Da ziehen Menschen in die Natur, wohnen in einem kleinen Häuschen mit großem Grundstück. Sie hegen und pflegen ihre Wiese und versuchen aus den natürlichen Wiesen mit großer Pflanzenzahl, Blümchen und Moosen, einen englischen Rasen zu gestalten, der sorgsam und regelmäßig kurz geschoren wird. „Unkraut“ hat hier natürlich nichts zu suchen und wird samt Wurzel entfernt. Rasenränder werden getrimmt, Laub aufgesaugt. Weil diese Menschen so naturnah leben wollen und etwas Gutes für die Natur tun wollen, stellen Sie mehrere Bienenkästen auf. Dies ist wirklich sehr löblich. Jeder Bienenkasten ist ein Gewinn. Statt sich über eine Artenvielfalt zu freuen, wird direkt neben den Bienenkästen eine Insektenfalle aufgehängt. Hier würde ich bitten diese Insektenfallen sofort zu entfernen und dem Summen und Brummen, der Vielzahl der Insektenwelt zu lauschen. Das ist Naturliebe. Was sollen diese Insektenfallen? Allen dürfte inzwischen bekannt sein, dass auch andere Insekten bei der Bestäubung von großem Nutzen sind. Fällt diese aus, können wir auch unsere Nahrungskette nicht weiter aufrecht erhalten. Wem zu viel Natur unheimlich ist, der kann ja gerne in eine Asphalt- und Hochhaussiedlung ziehen, wo alles zubetoniert ist. Die Behandlung der Rasenflächen mit Unkrautvernichter sicherstellt, dass kein Insekt überlebt. Jeden Tag sterben etwa 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Dies bedeutet den Verlust dieser Arten ein für alle Mal. Sie sind für immer verschwunden. Solange wir Menschen zwischen: Für uns nützliche, gewinnbringende und für uns unerwünschte Tier- und Pflanzenarten trennen, wird der Todesstoß für unsere Artenvielfalt unvermindert weitergehen. Hier sind wir alle zum Handeln aufgerufen. Wir müssen es schaffen den Wahnsinn zu beenden und die Biodiversität zu schützen. 

Marco Paulo Bad Tölz

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