Politik gegen den Lehrernachwuchs

Teresa Pancritius: „Das lange Warten aufs Referendariat“; Bayern 8. Februar

Das ist doch schon lange überfällig. In zwölf anderen Bundesländern ist dies bereits gängige Praxis. Lieber wartet man vor dem Referendariat und hat dann freie Fahrt als anders herum. Es gibt nichts Schlimmeres als nach dem 2. Staatsexamen im Nachrückverfahren zu landen und nicht zu wissen, ob und wann man einen befristeten Vertrag erhält! Da kann einem alles blühen: Hartz IV, Versetzung in einen anderen Regierungsbezirk oder man unterrichtet als Gymnasiallehrer an einer Mittelschule uvm. Was auch schon lange fällig ist: Die Notengrenze (bei der Einstellung) hat Bayern als einziges Bundesland auch exklusiv. Da sollte sich das Kultusministerium auch an den anderen Bundesländern in Deutschland orientieren! Wenn ich nun lesen muss, dass Studenten im ersten Semester über so eine Entscheidung weinen, dann mache ich mir wirklich ernsthafte Sorgen über die psychische Belastungsgrenze dieser jungen Damen und Herren. Spätestens im Referendariat ist der existenzielle Druck in Kombination mit heterogenen Lerngruppen (bis hin zu Inklusion) psychisch zu meistern.

Andreas Bauer Isen

Dass der Freistaat Bayern sein Alleinstellungsmerkmal in der Lehrerbildung für die Gymnasien aufgeben würde, hätte ich mir vor einem Monat noch nicht vorstellen können. Nun haben am Salvatorplatz auf Weisung der Staatskanzlei also die Zentralisten im Apparat die Oberhand: Jungen Kollegen wird mit der Wartezeit für den Eintritt in die vorgeschriebene Praxisausbildung eine Phase der Rechtlosigkeit und ein Zustand sozialer Unsicherheit zugemutet, für die jedes Verständnis fehlt. Wer in Bayern als künftige Lehrkraft sein Fachstudium (1. Phase) mit Erfolg abgeschlossen hat, ist darauf angewiesen, einen Arbeitsplatz als Studienreferendar zugewiesen zu bekommen, um seine Ausbildung mit einem unterrichtspraktischen 2. Staatsexamen vollwertig als Bewerber für eine Planstelle im Staatsdienst abrunden zu können. Ohne diesen Nachweis gibt es keine Platzziffer, ohne beide Staatsexamina, deren Gesamtergebnis durch eine Rechenformel steuerbar ist, stehen die Lehramtsanwärter ohne soziale Absicherung auf der Straße. In einer Zeit, wo wir täglich vom hohen Bedarf qualifizierter Nachwuchskräfte in der Presse lesen können, schlägt die bayerische Staatsregierung den halbfertigen Bewerbern bereits die Türe vor der Nase zu, was einem weiteren Numerus clausus gleichkommt und einer Verweigerung  sozialer Für- und Vorsorge. Man hätte auch gleich die Überschrift wählen können: „Warteverfügung fürs Referendariat – Förderung des Singledaseins!“ Wie sollen die 23- bis 27-Jährigen jemals, auf eigenen Beinen stehend, für ihre soziale Absicherung sorgen oder gar an eine Familiengründung denken? Sei es nun der Sparkommissar beim obersten Dienstherrn oder nur der Apparat: Im Ergebnis ist dies eine unsoziale, im Sinne einer Personalförderung im Kultusressort hirnrissige Aktion. Es ist zu befürchten, dass auch eine inzwischen gestartete Online-Petition die Vordenker nicht zum Nachdenken veranlasst, denn es geht ja nur um künftige Lehrkräfte, denen man eine ungesicherte Arbeitslosigkeit zumuten will.

Willi Eisele Wolfratshausen

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