Wie in einem Albtraum

Dirk Walter: „S-Bahn bleibt in Hand der DB“; Bayern 4. Februar

Beim Lesen des Artikels fühlt man sich wie in einen Albtraum versetzt. Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Verantwortlichen, allen voran Verkehrsminister Herrmann und Bayerische Eisenbahngesellschaft-Chef Niggl, den 840 000 Fahrgästen das täglich durch die S-Bahn München verursachte Chaos bis 2032 aufbürden. Allein die Überlegung, die 45 Jahre alten Triebzüge der ersten Generation wieder zu beschaffen und in Verkehr zu bringen, ist ein Armutszeugnis der Verantwortlichen und macht deutlich, dass fachliche Kompetenz, Ideenreichtum und der Wille zur Erarbeitung umsetzbarer Lösungen in den zuständigen Behörden und Gremien nicht sehr ausgeprägt sind. Lachender Gewinner der seit Jahrzehnten verfehlten Verkehrspolitik ist der Chef der S-Bahn-München. Herzlichen Glückwunsch!

Norbert Wassermann Lohhof

Es ist schon eine Frechheit der besonderen Art, wenn der Bayerische Sheriff in einer Pressekonferenz in seinem Nebenfach „Verkehrspolitik“ sich immer wieder zum Retter der S-Bahn in München hochstilisiert! Wenn der bayerische Innenminister Joachim Herrmann schon feststellt, dass mit 840 000 täglichen Nutzern der S-Bahn München 61 Prozent des bayernweiten Fahrgastaufkommens im Regionalverkehr hier in der Region München anfallen, ist die Perspektive, die er als verantwortlicher Minister den Nutzern und zahlenden Fahrgästen bietet, schlichtweg armselig. Bei der S-Bahn München liegt so vieles im Argen, dass eine Aufzählung schwer fällt. Bevor man sich über eine Europaweite Ausschreibung, vielleicht gar noch einzelner Linien - übrigens sind es sieben, nicht acht Linien - nachdenkt, sollte man in der Politik darüber nachdenken, ob diese Ausschreibungen, die den Wettbewerb fördern sollen, wirklich kundenorientiert sind. Kein anderer Betreiber könnte unter den Netzvorgaben eine bessere Leistung als die DB erbringen. Dass die S-Bahn in dem Zustand ist, in dem sie sich befindet, dafür trägt die Landespolitik seit 1997 die alleinige Verantwortung. Dass der Betreiber DB erwirtschaftete Gewinne der S-Bahn München nach Berlin in die Konzernzentrale abfließen lassen kann und nicht vorrangig in die S-Bahn München reinvestiert, ist Verhandlungssache zwischen der Deutschen Bahn und dem Freistaat Bayern. Herrn Herrmann würde schon ein Blick zum manchmal belächelten Bundesland Baden-Württemberg genügen, um zu verstehen und zu lernen, wie Verkehrspolitik nicht zu „Verkehrtpolitik“ wird. Dort, Baden-Württemberg, fährt man im S-Bahnnetz Stuttgart schon überwiegend mit dem neuen Triebzug 430. Wir in Bayern hingegen kaufen die alten Fahrzeuge der Baureihe 420/21 (70er-Jahre) zurück, um die neue ehemalige Linie A als Nebenast der S2 zu betreiben. Dort in Stuttgart fährt man in den Hauptverbindungen bereits den 15 Minutentakt. Die Kunden des ÖPNV in München zum wiederholten Mal auf 2025 zu vertrösten und nur in der 2. Stammstrecke das Allheilmittel zu sehen, ist gleichermaßen ein an der Bauwirtschaft, nicht aber an den Nutzern der S-Bahn München ausgerichtetes Beispiel verfehlter Verkehrspolitik. Die Pendler spüren es täglich: Die Münchner S-Bahn funktioniert nicht in den Außenästen. Dort werden die Verspätungen eingefahren, die das System auf der Stammstrecke ins Trudeln bringen. Beispiel S 8, vormals als „Munich Airport-Line“ zwischen Pasing und Flughafen verkehrend, war einstmals eine der pünktlichsten Linien. Das wurde ohne Not und vor allem ohne wirkliche Alternative - die S1 kann als eine der unpünktlichsten Linien keine sein - aufgegeben. Heute fährt die S8 von Herrsching/Wessling zum Airport. Dabei führen tägliche Schranken-, Weichenstörungen, Personen im Gleis usw. dazu, dass fast alle S-Bahnen Richtung Airport verspätet verkehren. Herr Herrmann kümmern Sie sich um die Verkehrspolitik - gehen Sie mal als Eisenbahner nach Veitshöchheim statt als Sheriff.

Erwin Rumpel Ismaning

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