Wiedergutmachung für den Ärger und die verlorene Zeit

Dirk Walter: S-Bahn „auf sehr positivem Weg“; Bayern 2. Februar

Ihr Artikel bezüglich der steigenden Pünktlichkeitsrate der S-Bahn auf 96 % wirkt auf mich und sicherlich auch für die meisten anderen S-Bahnkunden wie eine Verhöhnung. Mein Hauptverkehrsmittel ist die S-Bahn und da muß ich leider sagen, dass das Chaos bei diesem Verkehrsmittel von Jahr zu Jahr schlimmer wird. 96 % – gefühlt würde ich sagen liegt die Pünktlichkeit etwa bei 50 %. Wenn man morgens zur Arbeit muss, dann bekommt man oft genug Ärger mit seinem Arbeitgeber. Wenn man sich dann abends auf den lange ersehnten Feierabend freut, dann ist man sehr oft frustriert, weil man erst ein bis zwei Stunden später zuhause eintrifft. Mein Streckenagent, den ich täglich an meine E-Mail-Adresse gesendet bekomme, zeigt mir manchmal pro Tag drei Streckensperrungen an. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Verspätungen und Zugausfälle auf der S2 und Stammstrecke zusammenzuzählen. Ich bin auf 147 Verspätungen nur bei der S2 und Stammstrecke gekommen, wobei ich die Zugausfälle des 10-Minutentakts teilweise außer acht gelassen habe. Es ist eine absolute Unverschämtheit, wie uns die S-Bahn eine Pünktlichkeitsrate von 96,4 % verkaufen will. Das ist dreist! Die Gründe für die Verspätungen werden immer kreativer: Personen im Gleis, Notarzteinsatz, Polizeieinsatz wegen einer Tasche die verwaist am Bahnhof steht, Luftballon in der Oberleitung, Weichenprobleme, Signalstörung, Gleisbruch, Feuerwehreinsatz usw. Die Favoriten bzw. die häufigsten Einsätze waren in 2016 „Personen im Gleis“, „Polizeieinsatz“, „Notarzteinsatz“. Dies alles bringt die S-Bahn dann für Stunden aus dem Konzept. Ich frage mich, ob man diese Ausfallzeiten bei einem gut organisiertem und strukturierten Management nicht deutlich verringern könnte. Die S-Bahn sollte sich in Zukunft nicht noch selbst beweihräuchern, sondern sich endlich mal für ihr Missmanagement entschuldigen – vielleicht in der Weise, dass sie mal in einem Jahr darauf verzichtet die Preise zu erhöhen. Das wäre doch eine kleine Wiedergutmachung für den Ärger und die verlorene Zeit die man den Kunden zugemutet hat. 

Helmut Schäfer Kirchheim

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