Audi muss in Dieselaffäre 800 Millionen Euro Bußgeld zahlen

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Elitäres Kastenwesen

Walter: Eine Frage der Gerechtigkeit; Kommentar Bayern 13./14. Januar

Lockangebot des Ministeriums: 300 Euro mehr für verhinderte Gymnasiallehrer. Der Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz meinte einmal, dass Humor der Knopf sei, der verhindere, dass einem der Kragen platze. So, gepaart mit etwas Sarkasmus, kann man es ertragen, dass Gymnasiallehrer, die sich die Ehre geben auch an Grund- und Mittelschulen zu arbeiten, 300 Euro netto mehr verdienen sollen als die dort tätigen Lehrer. Trotz dieser offensichtlichen Ungleichbehandlung mahnt Herr Schwägerl, Chef des Bayerischen Philologen verbands, dass es sich jeder stellenlose Gymnasiallehrer gut überlegen müsse, ob er diese einschneidende Veränderung seiner Laufbahn auf sich nehmen wolle. Klar, aus Sicht eines standesbewussten Philologen mögen 300 Euro Aufschlag nur „Peanuts“ sein: Das entspricht dann etwa dem Gehalt, welches ein Realschullehrer mehr als seine Kollegen an Grund- und Mittelschulen erhält (Besoldungsgruppe A13 gegenüber A12). Bei circa 40 Dienstjahren sind dies aber bereits 144 000Euro, rechnet man noch ca. 15 Jahre eine erhöhte Pension hinzu, so ist man bereits bei ca. 180 000 Euro. Davon können Grund- und Mittelschullehrer, die genauso lang studiert haben wie ihre Realschulkollegen, nur träumen. Ein angehender Gymnasiallehrer muss sich aber in der Tat gut überlegen, ob er sich - bezogen auf das Gehalt - in diese „Niederungen“ begibt. Schließlich würde er bei einer Beförderung zum sog. „Oberstudienrat“ (A14) und später zum sog. „Studiendirektor“ (A15) nochmals ca. 300 Euro bzw. 600 Euro mehr pro Monat verdienen als ein Realschullehrer (und 600 Euro bzw. 900 Euro mehr als ein Grund- und Mittelschullehrer) - und das bei deutlich weniger Unterrichtsstunden pro Woche, verbunden mit einem höheren gesellschaftlichen Ansehen. Allein dieser Mehrverdienst - auf die Lebenszeit bezogen - beträgt somit dann mehrere hunderttausend Euros. Nun gut, der Gymnasiallehrer hat ja auch ein Jahr länger studiert; das muss sich doch auch finanziell rentieren, oder? Im Mittelalter war in Deutschland die Gesellschaft in Ständen aufgeteilt - Adel, Klerus und das gemeine Volk. In Deutschland gibt es diese Hierarchie innerhalb der Gesellschaft nicht mehr - bei den Lehrern jedoch schon. Bezieht man bei dieser Betrachtung noch Fach- und Förderlehrer - z.B. für Hauswirtschaft, Technik und EDV - mit ein, deren Besoldungsstufen sogar noch unter denen der Grund- und Mittelschullehrer liegen, so könnte man auch von einem elitären Kastenwesen im Schulsystem sprechen. 

Hans Maier München

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