Neid

Dirk Walter: MVV: Kommen Senioren zu billig weg?; Bayern 31. Juli

Nach der Pfandflaschenklage nun eine weitere wohldurchdachte juristische Aktion. Besonders für an der Armutsschwelle lebende und von Armut betroffene SeniorInnen würde eine Erhöhung des MVV Tarifs eine Einschränkung der Mobilität bedeuten. In der Folge wirkt sich dies auf die oftmals schon reduzierten gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten aus, unter anderem können vorhandene soziale Kontakte noch schwieriger aufrechterhalten werden. Die Forderung von Herrn Fratton „die Bedürftigkeit muss auf einem anderen Wege festgestellt werden“ sehe ich als problematisch. Für an der Armutsschwelle lebende SeniorInnen besteht, wenn eine Bedürftigkeit beispielsweise anhand der materiellen Armutsmesskonzepte festgestellt werden würde, unter Umständen keine Berechtigung zu einer Vergünstigung. Weiter sollte auch darüber nachgedacht werden was eine zusätzliche Bedürftigkeitsprüfung für das Selbstwertgefühl der SeniorInnen bedeutet. Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit ist es wichtig, auch sozial schwächere Familien an Vergünstigungen zu beteiligen, das steht außer Frage. Aber wenn Herr Fratton mit seiner Klage Erfolg hätte wäre dies in jedem Fall eine Beschränkung der Lebensqualität und Selbstständigkeit für die von Armut bedroht und betroffenen SeniorInnen. Gerade weil ältere Menschen sehr viel schwerer eine Armutssituation aus eigener Kraft verhindern oder aufheben können sollten die bestehenden Vergünstigungen mit der aktuellen Altersgrenze von 60 Jahren frei zugänglich belassen werden.

 Anna Ruml Moosham

Da hat ein sehr junger Rechtsanwalt (37 Jahre) allzuwenig überlegt mit seiner Klage, obwohl das doch die Arbeit seines erlernten Berufes ist. Diese Klage erwächst wieder einmal einem tiefen Gefühl von Neid, wofür das strapazierte Wort Diskriminierung herhalten muß. Er möchte die meisten der in Deutschland lebenden Senioren zu Bittstellern degradieren, nur weil er auf ein paar „Führungskräfte“ neidisch ist, die auch die Altersvergünstigung erhalten können, obwohl diese sicher bevorzugt mit ihrem Auto fahren und die Ermäßigungen gar nicht nutzen. Der Herr RA hingegen kann die Pendlerpauschale absetzen, was die Senioren nicht mehr können. Das aber hat er in seiner tollen Rechnung vergessen! Die Senioren müßten „ihre Bedürftigkeit“ dann durch Anträge und endlose Schwierigkeiten bei Ämtern bezeugen - wie beschämend und beleidigend für diese vielen Menschen. Gerade hat Christian Deutschländer in seinem sehr guten Kommentar geschildert, daß die Diesel-Verbote insbesondere die „Familienkutschen und Kleinwagen“ betreffen - und damit gerade auch die Senioren, die sich auch trotz aller eventuell möglichen Bezuschussungen kein neues Auto leisten können. Des weiteren will man den Senioren kostspielige Prüfungen im Alter auferlegen obwohl die Jungen meist viel gravierendere Unfälle machen. Wer wird hier diskriminiert? Die Senioren sollen also mit dem MVV fahren, obwohl das auf dem Lande nicht immer machbar ist. Dem Herrn Rechtsanwalt scheint entgangen zu sein, wie sehr das Vermögen gerade der Alten durch die Zinspolitik der EU geschwunden ist, weshalb ja überall von Altersarmut zu lesen ist. Er sollte einmal eIn soziales Jahr machen und sehen, wie schwer das Leben für so viele alte Menschen geworden ist. Und das Wort Diskriminierung gehört als Fake-Word auf die Verbotsliste, es ist nur ein anderes Wort für Neid. 

Andrea von Beaulieu Marconnay Petershausen

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