Ausreichende Wertschätzung

Katrin Woitsch: „Als Ehrenamtlicher ist man nichts wert“; Bayern 19. Januar

Als Leiterin der Einrichtung für wohnungslose Frauen „Haus Agnes“ bedauere ich, dass Ulrich Muzyk das Gefühl hat, bei uns als Ehrenamtlicher keine ausreichende Wertschätzung erfahren zu haben. Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich mit ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zusammen, denn ohne sie könnten wir in unserem Haus für 48 wohnungslose Frauen nicht so umfassende Hilfe leisten, wie wir das tun. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten haben bei uns klare Strukturen. Dazu gehört, dass der Kontakt von Ehrenamtlichen und Bewohnerinnen über eine „Arbeitsbeziehung“ nicht hinausgeht. Eine Ausweitung der geleisteten Unterstützung des Ehrenamtlichen in den Privatbereich ist nicht sinnvoll. Dies gilt auch für alle festangestellten Mitarbeiter*innen. Die Bewohnerinnen des Hauses schätzen das und fühlen sich dadurch geschützt. Sie erhalten Unterstützung in einem klar definierten Bereich und müssen nicht befürchten, sich in persönliche Abhängigkeit zu begeben. Viele Bewohnerinnen – oft auch aus anderen Kulturkreisen – haben Probleme sich abzugrenzen und befürchten Nachteile oder einen Kontaktabbruch, wenn sie nein sagen. Auch die zahlreichen Ehrenamtlichen in unserer Einrichtung haben diese Regel bisher als Entlastung und Schutz erlebt. Eine weitere Rahmenbedingung ist, dass alle Ausgaben, die für eine Klientin getätigt werden, mit Mitarbeiterinnen der Einrichtung vorab abgesprochen werden müssen. Ulrich Muzyk „empfand das als Beleidigung“, wie es im Artikel heißt, „er war im Berufsleben für 50 Millionen Dollar zuständig, hier ging es um ein paar Euro“. Wir haben für alle unsere Ehrenamtlichen ein kleines Budget, mit dem Fahrtkosten ersetzt werden können oder auch andere Auslagen. Da unsere Mittel begrenzt sind, ist es nicht möglich, dass jeder Ehrenamtliche nach seinem Empfinden materielle Hilfe leistet. Als Leiterin einer sozialen Einrichtung bin ich verpflichtet, verantwortungsvoll mit dem zur Verfügung stehenden Budget, das zum Teil auch aus Spendenmitteln besteht, umzugehen. Sämtliche Auslagen von Ulrich Muzyk hat der SkF übernommen, auch wenn er sie - entgegen der Vorgaben - nicht im Voraus bewilligen lies. Der SkF arbeitet seit Bestehen im Jahr 1906 mit ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen gut und erfolgreich zusammen. Derzeit sind es rund 360 Frauen und Männer die sich in den rund 35 Einrichtungen in München engagieren, die meisten von ihnen seit vielen Jahren. Ich denke, dass die Überschrift „Als Ehrenamtlicher ist man nichts wert“ eine subjektive Meinung widerspiegelt und dem Umgang mit Ehrenamtlichen im SkF nicht gerecht wird.

 Cornelia Zangl Leiterin Haus Agnes, Sozialdienst katholischer Frauen, München

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