Tradition wird geopfert

Volksfest-Gaudi ohne Hirschfänger; Bayern 11. August

Mit fünf bekam ich mein erstes Messer und war mächtig stolz. Mit meinem Opa ging ich in den Wald und wir schnitzten Voglpfeiferl. Später spielte ich mit meinen Freunden spicken auf alte Baumstümpfe. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Messer niemals gegen Menschen eingesetzt werden darf. Und das habe ich bis heute auch nie gemacht. Lange Zeit hatte ich immer ein Taschenmesser bei mir, das man in vielen Situationen gut gebrauchen kann, auch zum Äpfel essen. Ein Hirschfänger in der Tracht dient als Brotzeitmesser, nicht als Waffe. Zur Brotzeit im Bierzelt brauche ich kein Plastikbesteck. Übrigens, was steckt in einer Haxe, die ich mir im Bierzelt bestelle? – ein Messer mit Wellenschliff und langer Klinge. Ergo muss ich mir mein Messer nicht mitbringen, der Wirt liefert es mir gratis. Oder werden die Haxen künftig klein geschnitten wie Sushi und mit Stäbchen serviert? Aber bitte nur Stäbchen mit Sollbruchstelle, damit sie nicht als Waffe genutzt werden können.

Hier wird wieder eine jahrhundertealte Gepflogenheit und Tradition der vermeintlichen Sicherheit geopfert. Wie viele Messerstechereien hat es in den letzten 10 Jahren auf dem Dachauer Volksfest gegeben? Ich hoffe, keine. Wie viele Besucher hatte das Volksfest in den letzten 10 Jahren? Muss man immer gleich das Kind mit dem Bad ausschütten? Hiermit werden alle unbescholtenen und friedliebenden Bürger unter Generalverdacht gesetzt, das passt zur Rasterfandung.

Hans-Joachim Diedering
Eching

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