Fast schon staatsmännisch

Dirk Walter und Georg Anastasiadis: „Die Aufgeregtheit wird sich legen“, Interview mit Ulrich Maly; Bayern 4. Februar

Da hat der Herr Maly, seines Zeichens Oberbürgermeister von Nürnberg und derzeit Chef des Städtetages, ja ein fast schon staatsmännisches Interview gegeben. Leider trieft es geradezu von Realitätsverlust. Wenn er meint, die Stimmung in der Gesellschaft wäre nicht gekippt, dann sieht er im Fernsehen wohl nie die Trendmeldungen an, die bereits jetzt der AfD durchwegs zweistellige Werte bescheinigen - Tendenz deutlich steigend. Gepaart mit einer nahezu 80%igen Unzufriedenheit der Bevölkerung angesichts der aktuellen Flüchtlingspolitik, sollte man da sehr wohl ein Kippen der Stimmungslage ausmachen können. Und sein Vergleich mit dem Jugoslawienkonflikt, verbunden mit der Hoffnung, viele Flüchtlinge werden schnell nach Syrien oder Irak zurückkehren, wenn die entsprechenden Kriege erst beendet sind, ist doch geradezu naiv. Der Kriegsherd in Jugoslawien war überschaubar und die Auseinandersetzungen dank des Eingreifens der Nato schnell beendet. Im Gegenzug werden die Kriege in Syrien, und Irak angesichts der vielen militärischen Mitspieler noch Jahre dauern. Auch haben die Flüchtlingszahlen eine ganz andere Dimension wie damals im Kosovo. Und so träumt der Sozialdemokrat Maly weiter, während nach wie vor täglich tausende Flüchtlinge die deutschen Grenzen überqueren.

Gerhard Braß Poing

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