Gegen Flächenfraß

Katrin Hildebrand: Die Wut über den Flächenfraß wächst; München 10. Januar 46 000 Unterschriften für Flächenfraß-Volksbegehren; Bayern 10. Januar

Die Entwicklung der letzten Jahre ist beängstigend. Die wenigen Freiflächen in der Stadt werden verbaut, in den grünen Vierteln entstehen an Stelle von Häusern mit Gärten großflächige Klötze mit teuren Eigentumswohnungen, an allen Ecken und Enden hapert es mit der Infrastruktur. Man kann heute schon sagen, dass am Ende der Amtszeit von OB Reiter ein anderes München da sein wird, eine zubetonierte Stadt mit stark verschlechterter Lebensqualität für ihre Bewohner und mit großen Umweltproblemen. Ohne ein Umdenken bei der Stadt und ohne ein umfassendes Konzept ist diese Entwicklung unaufhaltsam. Nur Bauen, Bauen ist kein Konzept. Das Wachstum der Stadt und auch der Region muss energisch entschleunigt werden. Nicht jede Firma, die nach München kommen will, ist willkommen, nicht für jeden Flüchtling und jeden Studenten, die sich in München niederlassen wollen, muss Wohnraum bereitstehen, nicht jede neue Bildungs- und Forschungseinrichtung muss nach München, Nordbayern bietet auch attraktive Standorte. Wenn schon der private Wohnungsbau nur schwer zu steuern ist, allenfalls über eine gesetzestreue Genehmigungspraxis, so kann doch der öffentliche Wohnungsbau auf die Personengruppen konzentriert werden, die die Stadt am dringendsten braucht, Dienstleistungsberufe im öffentlichen Sektor und junge Familien und nicht flächendeckend für alle Geringverdiener. Auch müsste die Werbung für den Standort München, wie sie OB Reiter noch im Herbst auf der Expo Real, der großen Immobilienmesse, gemacht hat, eingestellt werden. Alle diese Ideen sind aber nur zu realisieren, wenn sich die Verantwortlichen bei Stadt und Staat zusammensetzen und über ein neues Konzept nachdenken; in dieses Boot müsste auch der regionale Planungsverband geholt werden, dessen Rolle sich nicht im Aufsuchen bebaubarer Freiflächen und in der Statistik erschöpfen darf. 

Dr. Helmut Bröll München

Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten in unserem Land zeichnen sich neuerdings immer öfter dadurch aus, dass man meint, sich bei seinen Gästen für die vielen baulichen Gemeinheiten entschuldigen zu müssen, die sie auf dem Weg dorthin zu ertragen haben. Kommunal geplante, mitten ins Nichts entsorgte Gewerbebebauungen verändern das Erscheinungsbild Bayerns zusehends auf bedenkliche Weise und das mit enormer Geschwindigkeit. Von einer klug durchdachten Landschaftsplanung kann leider nicht die Rede sein. Die aber besäße herausragende Tragweite, auch als stabiler Anker für die Identifikation mit der eigenen Heimat. Es ist lobenswert, dass nun endlich gegen diesen einfältigen Beton-Schlamassel vorgegangen wird, selbst in Regierungskreisen regt sich Widerstand. Vor allem aber in dem von den Grünen und der ÖDP auf den Weg gebrachten Volksbegehren gegen den Flächenfraß, wenn auch deren geforderte Flächenverbrauchs-Obergrenze fragwürdig ist. Umso absurder aber ist es, wenn sich die Grünen in diesem Punkt als die Anwälte für eine ansprechende ländliche Umgebung gerieren und auf der anderen Seite selbst eine bedrohliche Betonierungswelle zu verantworten haben, die uns derzeit heimsucht: Die dezentrale Möblierung unseres Landes mit industriellen Windenergieanlagen, zu deren leidenschaftlichsten Fürsprechern sie gehören. Damit vernageln sie buchstäblich unsere Horizonte mit alles überragenden Betonsäulen und blinkendem Lichtmüll für lächerlich geringen Nutzen. Gemeinsam mit dem BUND machen sie sich damit am Niedergang unserer Kulturlandschaften mitschuldig. So viel Doppelmoral kann nur unbekümmert vertreten, wer entweder das Denken aufgegeben, oder den schlicht die Gier auf die hübschen Subventionen gepackt hat, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz großzügig bereithält. 

Matthias Gangkofner Königsdorf

Das Volksbegehren gegen Flächenfraß wurde von den Bündnis 90/Die Grünen (Bayern), der ÖDP und der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) für Bayern initiiert. Interessant dabei ist, dass dieses Volksbegehren aus den eigenen Reihen keinen Rückenwind erhält. Die Stadtratsfraktion „Die Grünen/Rosa Liste“ der LH München wird aller Voraussicht nach geschlossen für den Einleitungsbeschluss einer Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) im Münchner Norden (Feldmoching/Fasanerie/Ludwigsfeld) stimmen. Sollte diese SEM realisiert werden, droht die Versiegelung von mehreren Hundert Hektar Boden in diesem Bereich und somit die Zerstörung eines gesunden ökologischen Umfeldes vor unserer Haustüre, das auch noch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen sollte. Diese Flächen werden derzeit von Landwirten und Gärtner bewirtschaftet und dienen somit der regionalen Nahversorgung. Viele tausende Münchner nutzen sommers wie Winters diesen Bereich als Naherholungsgebiet, da dort u. a. drei Seen liegen. Und nicht zu vergessen, weil am wichtigsten, diese Flächen sind noch Rückzugsgebiete für eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Aber die Münchner Grünen wollen all das mit zerstören. Ich habe in der Fraktion schon nachgefragt, aber keiner kann diesen Widerspruch erklären. Einerseits gegen Flächenfraß, andererseits für das Zubetonieren von hunderten Hektar. Vermutlich haben die Münchner Grünen die Dachbegrünung von Buswartehäuschen als vorbeugende Kompensation für diesen unsinnigen Flächenverbrauch im Münchner Norden angeregt! Wer weiß? Auf Stadtebene ist die Grünenpolitik nicht mehr glaubwürdig. Hier wird es den angekündigten Schulterschluss vermutlich nicht geben. Umso wichtiger ist es, dass sich der Bund Naturschutz mit aller Kraft diesem Volksbegehren anschließt und mit aller Vehemenz Entscheidungsträgern sowohl auf Stadt- als auch Landesebene die Augen öffnet, wie wichtig jeglicher Erhalt von Natur ist, insbesondere in Ballungsräumen.. München hat im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten eh schon den niedrigsten Grünflächenanteil. Ich hoffe, die Münchner Grünen besinnen sich noch auf ihre Kernkompetenz und auf den Grundgedanken, mit dem vor über 35 Jahren ihre Partei gegründet wurde: Der Schutz von Natur und Umwelt!“ Vielen Dank vorab für die Veröffentlichung. 

Josef Hintermair München

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