Kein unbeschränktes Wachstum

Dirk Walter: Mahnruf eines Professors: Wachstums-Stopp für München; Bayern 10./11. März

Erfreulicherweise spricht der Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum aus, was sich schon viele denken, aber nicht den Mut haben auszusprechen: Auch für die Stadt München kann es kein unbeschränktes Wachstum geben, wenn sie weiterhin lebenswert und attraktiv bleiben will. Noch steht München im Städte-Ranking der Bundesrepublik an vorderster Stelle! Wohl deshalb, weil die Stadt über gute Standortbedingungen hinaus noch ihren historischen Charakter erhalten konnte. Das Wachstum einer Großstadt wird nicht von höherer Gewalt bestimmt, sondern es ist eine hausgemachte Spirale: Zunächst betreiben die Städte eine intensive Ansiedlung von Industrie und Gewerbe und bewirken ein Abwerbung von Arbeitskräften in den entlegenen Landesteilen, etwa im Bayerischen Wald. Dann wollen verständlicherweise die Pendler nicht ewig pendeln, sondern sich an ihrem Arbeitsort niederlassen. Fiskalische Interessen, nicht vernünftige planerische Überlegungen bestimmen diesen Trend. Haupteinnahmequelle der Kommunen ist die Gewerbesteuer. Wenn jedes Jahr mehr Gewerbesteuer sprudelt wie im Vorjahr, ist der Haushaltsausgleich ohne große Anstrengungen darstellbar und das Füllhorn der Wohltaten erscheint unerschöpflich. Dieser Denkansatz ist aber trügerisch, weil langfristig die Nachfolgelasten für die Infrastruktur ins Unermessliche wachsen. Leidtragende sind aber auch die kleineren Gemeinden, die als Folge des Wachstums der Ballungsräume unter Siedlungsschwund leiden und häufig ihre Schulen und Kindergärten nicht mehr auslasten können. So wird auch eine vernünftige Landesplanung für ausgewogene Lebensverhältnisse schwierig. Deshalb wäre dringend erforderlich, dass auch der Regionale Planungsverband der weiteren Aufblähung von Ballungsräumen eine Absage erteilt. 

Dr. Karl Hofmann München

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