Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder in mehreren Bundesländern festgenommen

Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder in mehreren Bundesländern festgenommen
Der Auerhahn ist in Deutschland fast ausgerottet worden. Deshalb darf er hier nicht mehr gejagt werden. Foto: NDR

Prozess: Jäger gegen Freistaat

Waldpflege durch Wildverbiss?

Jäger jagen gern – passioniert heißt es immer. Doch in diesem Fall klagt ein Jäger gegen den Freistaat, weil er nicht so viel jagen will, wie ihm die Jagdbehörde aufgedrückt hat. Gestern stritt Hubertus Rechberg, Waldbesitzer und Jäger aus Eschenlohe, vor dem Verwaltungsgericht München gegen die „Forstmafia“.

Von Christian Vordemann

München – Hubertus Rechberg, der auch im Bayerischen Jagdverband Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen ist, sollte in seinem Eigenjagdrevier 39 Stück Rotwild und neun Gamsen erlegen. So sieht es der staatlich verordnete Abschussplan für das Jagdjahr 2015/2016 vor. Er selbst hält 29 Stück Rotwild für ausreichend und hat deshalb Klage gegen diese Anordnung eingereicht. Zweiter Verhandlungstag war gestern am Verwaltungsgericht München. Das vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) angeführte Vegetationsgutachten zieht der Kläger in Zweifel. Der Verbiss sei gar nicht so hoch, außerdem bestreite er, dass allein das Wild schuld sei, Schafe aus Ohlstadt streunten im Revier ebenso umher, sogar auf der Eschenloher Seite.

Und überhaupt sei das Zunehmen der Laubbäume und die Verbuschung des Waldes von Übel. Die seltenen Raufußhühner wie Auerhahn, Birkhuhn usw. bräuchten lichte Wälder zum Überleben. Rechtsanwalt Leopold M. Thum äußerte „Zweifel an der Fachkundigkeit der Äußerungen der Forstbehörde“. Die Vorsitzende Richterin Gertraud Beck hatte zuvor elf der zwölf Beweisanträge des Klägers abgelehnt. Dagegen erhob Rechbergs Anwalt Rüge. Bei der Zeugenbefragung von Thomas Rechberg, Bruder des Klägers („Habe mehrmals Schafe bei uns im Revier gesehen.“), und Robert Herz vom Forstamt Murnau („Habe noch nie Schafe auf der Eschenloher Seite gesehen“) ging es hauptsächlich darum, wo und wie viele Schafe im Revier herumliefen.

„Nicht das bloße Betrachten einer Baumpflanze, welcher der Leittrieb fehlt“, führte Thum aus, sei ein Beweis für den Wildverbiss, der der Forstbehörde zu hoch sei. Der Verlust könne sowohl von Schalenwild (Reh, Hirsch, Gams) als auch von Schafen, anderen Tieren oder durch die Witterung herrühren. Deshalb stellte er einen neuen Beweisantrag auf eine zeitnahe DNA-Analyse durch einen Wissenschaftler. Nur mittels kriminaltechnischer Methoden könne der Verbissnachweis geführt werden.

Und ein zweiter Beweisantrag solle klären, dass Raufußhühner luftige und lichte Waldstrukturen zum Leben bräuchten. Denn der Pflanzenverbiss des Schalenwildes würde den Lebensraum der seltenen Vögel – quasi als Waldpflege – offenhalten und damit deren Erhalt fördern. Einerseits sei also der Verbiss gar nicht so hoch, wie von der Forstseite behauptet, andererseits habe er auch etwas Gutes, nämlich die „Verbuschung“ des Waldes mit noch mehr Laubbäumen zu verhindern. Waldbesitzer Rechberg will überhaupt nicht so viel Laubwald haben, wie er bekäme, wenn er das Schalenwild so reduzierte, wie vom Forst gefordert. Buche (tauge nur als Brennholz) bringe ihm weniger Ertrag als Fichte, die sich gut als Bauholz eigne.

Die mündliche Verhandlung wurde – was ungewöhnlich ist – auf einen dritten Termin am 29. März vertagt.

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