Riesen Flächenbedarf

Dominik Göttler: Gegenwind von Waldbesitzern; Bayern 23. November

Herr Carl von Butler vom bayerischen Waldbesitzerverband meint: „Lieber produzieren wir unseren Strom in Südbayern mit einigen Windrädern selbst, als riesige Stromtrassen zu Offshore-Parks im Norden durch unsere Wälder zu ziehen.“ Wenn das besser sei als ein paar Windräder hier und da, „dann verstehe ich die Welt nicht mehr“. Mir scheint, Herr von Butler versteht nicht nur die Welt nicht mehr, er versteht noch nicht einmal, wie der Energiebedarf in Bayern gedeckt werden kann. Wie kann ein Mensch, der lesen, schreiben und rechnen gelernt hat, eine derart törichte Bemerkung machen. Er braucht doch nur die Energieabgabe eines Windrades mit seinem Flächenbedarf zu multiplizieren und schon weiß er, wie viel Energie ein paar Windräder produzieren, nämlich nichts. Wollte man den gesamten bayerischen Strombedarf mit Windrädern decken, so wären dazu nicht nur 1094 Windräder notwendig, wie heute, sondern 25 415. Sie würden 7% der Landesfläche bedecken. Wollte man den gesamten Energiebedarf decken, so braucht man 101 660 Windräder auf 26% der Landesfläche. Wir zerstören die bayerische Heimat für weniger als nichts. 

Jürgen Griessing Baldham



Ein ganz großer Verdienst von Horst Seehofer, der ihm nicht hoch genug angerechnet werden kann, ist, dass er bayernweit die 10H-Regelung, bei Windkraftanlagen durchgesetzt hat. Er hat damit dem Bestreben der mächtigen Windkraftlobby (die bereits wieder in den Startlöchern hockt) wenigstens einen kleinen Riegel vorgeschoben hat, indem in Bayern der 10-fache Abstand zur Wohnbebauung, bezogen auf die Höhe, eingehalten werden muss. Man möge sich nur vorstellen, was es bedeutet, die mittlerweile über 200 m hohen Anlagen (2x so hoch wie die Frauenkirche in München) vor seiner Terrasse oder Balkon zu haben. Die sich Gott sei Dank zu Wort gemeldeten Waldbesitzer, etwa auch Enoch Freiherr zu Guttenberg, sagen deutlich, dass hier Großgrundbesitzer und Investoren nur die Euro-Zeichen in den Augen haben, weit entfernt von diesen Ungetümen wohnen und hier auf dem Buckel der kleinen Leute mit solchen Anlagen ihr Geld verdienen“ und das Ganze ein Auswuchs des Spätkapitalismus sei. Dem kann ich nur zustimmen. Die Reaktion des bayerischen Waldbesitzerverbandes und der Landtags-Opposition ist mir völlig unverständlich, die meinen, dass es jedem Waldbesitzer selbst überlassen sein muss, wie er seine Fläche nutzen will, denn eine Unterschreitung der Abstandsflächen beeinträchtigt in ganz erheblichen Maße die Lebensqualität von Bürgern, die das Pech haben, dort zu wohnen und dann mit diesen Anlagen, mit allen Nachteilen, wie Pfeifgeräuschen und Blinkern in der Sonne mit Schattenwurf, in den nächsten Jahrzehnten leben müssen. Es gilt immer noch der Grundsatz: Eigentum verpflichtet! Die Rechte des Einzelnen enden dort, wo die Rechte des Anderen beginnen. 

Hannelore Hartmann Starnberg

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