Böhmermanns Elaborat veröffentlichen?

Merkel will entscheiden; Titelseite, Primitiv und verletzend; Leserbriefe, Wie kommt die Kirche zurück ins Dorf?; Medien 14. April, Carina Zimniok, Susanne Weiß und Rudolf Ogiermann: Jetzt braucht Böhmermann Polizeischutz; Im Blickpunkt 13. April

Ich halte es für vollkommen richtig, dass der Merkur Jan Böhmermanns Schmähgedicht nicht in voller Länge abgedruckt hat. Mir persönlich schien es auch nicht nötig mehr darüber zu erfahren als das, was in seriösen Zeitungen oder Fernsehsendungen veröffentlicht wurde und meiner Ansicht nach schon genügte, um es als abstoßend und ehrverletzend zu empfinden. Ich würde es auch nicht begrüßen, wenn unsere Enkel in einer - von ihren Großeltern abonnierten - Zeitung derart primitives Zeug zu lesen bekämen. Und mal ehrlich, inwieweit würden wir uns dann von Herrn Böhmermann unterscheiden? Einerseits empören wir uns über seine Geschmacklosigkeit, andererseits wollen wir diese jedoch abgedruckt sehen, um zu beweisen, dass sie nicht zur Kategorie Satire zählt.

Annemarie Fischer Wielenbach

Wir sollten den Satireangriff von Jan Böhmermann auf den türkischen Präsidenten Erdogan nicht so künstlich hochspielen. Erdogan geht in seinem Land mit politischen Gegnern und mit religiösen Minderheiten, zu denen auch unsere christlichen Glaubensbrüder gehören, alles andere als zimperlich um. Wer mit einer derartigen Intoleranz und Menschenverachtung Andersdenkende verfolgt und bekämpft, dem kann man nicht mit einem Florett entgegentreten. Da muss man schon stärkere Geschütze auffahren. Auf einen groben Klotz gehört nun mal ein grober

Keil! Kurt R. Hiller München

Erdogan hin, Erdogan her. Über ihn besteht Einigkeit. Diskutieren sollte man aber auch über Herrn Böhmermann und sein Machwerk. Ich kann nur empfehlen, dieses zu lesen und dann selbst darüber zu urteilen. Leider benützt die Presse in diesem Fall ihre Freiheit dazu, Herrn Böhmermanns Elaborat der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Ich selbst habe es im Internet gelesen und bin entsetzt. Dies auch über das ZDF, das solche Leute mit unseren Gebühren bezahlt. Pfui Teufel!

Dr. Josef Denz München

Darf Satire Alles? Als in der islamischen Welt die Aufregung wegen der Mohammed-Satire in Charlie Hebdo groß war konnte man in den Medien lesen, dass wegen dieser Satire im tiefsten Afrika ein paar Kirchen gebrannt haben und nebenbei auch ein paar Christen umgebracht wurden. Derartige Nebensächlichkeiten muss eine gute Satire aber, insbesondere der Künstler, ertragen und ignorieren können. Oder irre ich mich? Jetzt hat man vor dem Haus des Herrn Böhmermann die Polizei postiert und der Steuerzahler trägt die Kosten! Befürchtet Herr Böhmermann, dass Erdogan persönlich einen Besuch in Köln macht? Vor wem hat Herr Böhmermann dann aber Angst und sollte man als deutscher Bürger einen Türkeiurlaub jetzt besser nicht mehr planen? Ich würde es gerne wissen!

Erich Meier Haag

Goethe bis Heine drehen sich im Grabe herum, wenn diese geschmacklosen Zeilen als Dichtkunst von diversen Kabarettisten und solche , die sich dafür halten, bezeichnet wird. Wo bleibt das Korrektiv des Senders, sprich des ZDF? Egal, wie man zu Herrn Erdogan steht, Beleidigungen gegenüber einem Staatsoberhaupt sollten indiskutabel sein. Auch gegenüber Frau Dr. Merkel ist es nahezu respektlos, da sie ja mit der Türkei den „sogenannten Flüchtlingsdeal“ aushandelte. Was Satire anlangt, sollte die „Kirche im Dorf bleiben“, aber die Gerichte werden ja jetzt darüber entscheiden.

Margot Fürst München

Würde man einen Nachbarn oder jemanden auf der Straße mit solchen Ausdrücken bedenken, würde doch jeder zurecht Anzeige erstatten. Ob dieser unsägliche Herr es auch lustig fände, würde man ihn dieser Art beschimpfen? Das Niveau des politischen Kabaretts ist in erschreckende Tiefen gesunken. Wenn Wagner und Co. so was schon gutheißen. In welcher Form sich Politiker heutzutage verunglimpfen lassen müssen, tut immer mehr weh, nicht nur den Betroffenen, auch dem Zuhörer, der sich nach und nach von seinen früher einmal geistreichen Lieblingskabarettisten verabschiedet. Meinungsfreiheit ja – Beleidigungsfreiheit nein!

Dorothea Zweipfennig Pliening

Mit dem Vorgang Böhmermann wird – wie vielleicht bisher noch nie – das zunehmende Abgleiten auch breitester Schichten unserer Gesellschaft in das Triviale und gar Ordinäre mehr als deutlich. Unvergesslich bleibt mir ein bereits vor Jahren verstorbener, jedoch doch bekannter BR-Journalisten. Auf die Frage, wovor Angst er habe, antwortete er, vorm Trivialen. So geht es mir auch. Mich stört ungemein das Ordinäre an dem Gedicht und jeder, der es rechtfertigt oder gar als schützenswerte Kunst hält, trägt zu dem Rückschritt jeglichen zivilisatorischen Standards bei. Umso mehr haben mich die hervorragenden Leserbriefe vom 13.April 2016 gefreut. Kann eine Fernsehanstalt nicht unterscheiden was geht oder nicht? Hoffentlich kommt eine gerichtliche Entscheidung als Orientierung zur Hilfe. Die Hürden einer Pressefreiheit werden genügend hoch aber nicht grenzenlos sein. Im übrigen: Ein Kurt Tucholsky würde sich nicht freuen, mit seiner Aussage über eine Satire mit der Schmähschrift von Böhmermann in Zusammenhang gebracht zu werden.

 Reinhold Schmid München

Erdogan macht einen gewaltigen Wirbel wegen eines ordinären „Gedichts“, das er durch seine unsouveräne und wütende Kritik an dem Erdogan-Rap in der Satire-Sendung ‘Extra 3’ letztlich selber provoziert hat. Er versteigt sich sogar zu der aberwitzigen Aussage, das Gedicht sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und die deutsche Regierung? Sie lässt sich vorführen. Statt sofort scharf und entschieden auf das Ansinnen Erdogans zu reagieren und ihm den deutschen Standpunkt mit wenigen Worten klarzumachen, braucht sie, welche Blamage, mehrere Tage, um zu „entscheiden“. Besonders peinlich wird die ganze Angelegenheit, wenn man sich das Folgende überlegt: In der Türkei werden und wurden wirkliche und sehr schlimme Verbrechen gegen Menschlichkeit und Menschenrechte begangen, u.a. gegen die Christen, die man zu Bürgern zweiter Klasse herabstuft und auf alle nur denkbare Weise drangsaliert. Und wie reagiert die deutsche Regierung auf die unsägliche Behandlung der Christen in der Türkei? Wird der türkische Botschafter einbestellt? Gibt es ernste Mahnungen und scharfe Protestnoten? Nein, sie schweigt, prüft aber brav und folgsam mehrere Tage lang Erdogans Strafverlangen wegen eines - Gedichts.

Wolfgang Illauer Neusäß-Westheim

Als Bürger dieses Landes bin ich tief enttäuscht über die vielen schweigenden Bundespolitiker. Scheinbar ist die Angst bei uns so groß, dass Erdogan das Tor mit den Flüchtlingen wieder aufmacht, für dessen Schließung er ja viel Geld bekommen hat. Er schaltet und waltet in der Türkei wie er will, Meinungsfreiheit ein Fremdwort, die Kurden werden weiterhin verfolgt. Menschenrechte sind für Erdogan ein Fremdwort und so einer will in die EU. Dieser Despot und Halb-Atatürk verstaatlicht christliche Kirchen im Süden des Landes. Auch hier höre ich nichts aus der Ecke der „Verteidiger des christlichen Abendlandes“. Sind sie alle gelähmt oder in der „Schockstarre“. Die Geschichte wiederholt sich, vor 100 Jahren wurden die Armenier, ebenfalls Christen, zu Tausenden ermordet. Das Deutsche Reich war im ersten Weltkrieg mit dem osmanischen Reich verbündet. In Berlin hatte man Informationen was dort mit den Armeniern passiert und man schwieg. Man schwieg weil man die Türken am Bosporus aus strategischen Gründen brauchte. Jetzt braucht man sie wieder und man schweigt.

Rudi Hochenauer Hohenpeißenberg

Ob Herr Böhmermann ein Genie oder etwas anders ist, will ich nicht bewerten. Aber die Reaktionen auf die Reaktionen auf das Gedicht „Schmähkritik“ enthalten, auf gut wienerisch, arg viel Schmäh. Insbesondere wird etwas uninformiert und durcheinander über Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst etc. debattiert. Ein Blick ins Grundgesetz Artikel 5 würde manches klären. Im Absatz 1 werden die Rechte, im Absatz 2 werden die Einschränkungen definiert. Satire darf alles, aber Beleidigungen fallen halt nicht unter Satire. So mancher Vertreter der unbeschränkten Freiheit der Meinung, so scheint mir, ist ein Bruder im Geiste zum geschmähten Osmanen wenn es um das Verständnis von Recht und Gesetz geht. Es ist das gute Recht eines beleidigten Menschen, vor deutschen Gerichten zu klagen. Dass ein Kläger die Justiz manipuliert, wenn er das Gericht anruft, das ist Unsinn. Ebenso scheint mir die Eigenschaft „Despot“ kein zwingendes Argument für ehrabschneidende Beleidigungen zu sein. Despoten bekämpft man, Beleidigungen sind bei diesem Kampf aber eher schädlich.

Peter Schröder Höhenkirchen Siegertsbrunn

Herr Böhmermann hat mit seiner Satire alle Regeln des guten Geschmacks, des Anstandes und der Höflichkeit verlassen. Ich mag Herrn Erdogan ganz und gar nicht. Dieser größenwahnsinnige Despot muss in seine Schranken gewiesen werden. Das hätte ich von unserer Bundeskanzlerin erwartet. Erdogan hält ein Stöckchen hin und Frau Merkel hüpft schön brav. Den deutschen Botschafter wegen Lappalien mehrmals einzubestellen ist der Gipfel seiner Unverschämtheiten. Erdogan will die westlichen Länder demütigen, und es gelingt ihm auch, besonders erfolgreich mit unserem Land. Aber darum geht es mir nicht. Ich finde, dass auch ein Satiriker gewisse Grenzen nicht überschreiten sollte. Das „Gedicht“ von Herrn Böhmermann ist eine Aneinanderreihung von Gemeinheiten, Beleidigungen und Unterstellungen. Das alles weit unter der Gürtellinie und unterstes Niveau. Bezeichnend ist, dass Anne Will dieses Pamphlet in ihrer Talkshow nicht zeigen wollte. Dieses als Kunst zu bezeichnen, nur weil es um „nackte Körper geht und sich reimt...“ Auf der nach unten offenen Skala der Peinlichkeiten und des schlechten Geschmacks sind wir ohnehin schon weit unten angelangt, aber es gibt offensichtlich immer noch negative Steigerungen. Als Belohnung gibt es dann den Grimme-Preis. Gratulation. Und ich muss das mit meinen Rundfunkbeiträgen mit finanzieren, ob ich will oder nicht! Es wird auch nicht besser, wenn ein Didi Hallervorden auf den Zug aufspringt und eine Ministerpräsidentin das alles gut findet. Ich frage mich, was darf Satire? Wenn in einer Faschingsveranstaltung eine Papstfigur sabbernd und lallend im Rollstuhl auf die Bühne geschoben wird, während der aktuelle Papst in Rom mit dem Tode ringt - ist das noch Satire? Wenn ein Komödiant Siebers es schade findet, dass man Bayern nicht bombardieren darf - ist das noch Satire? Wenn die Bayern als von Inzucht geistig degeneriertes Volk dargestellt werden - ist das noch Satire? Wölkes permanentes Bayern-Bashing in der Heute-Show des ZDF (immer wieder ZDF) reiht sich da nahtlos ein. Dass wir uns recht verstehen: Ich bin für freie Meinungsäußerung, für freie Presse, für Satire, aber müssen wirklich immer Grenzen überschritten werden? Gilt für Satiriker der Artikel 1 des GG nicht? Wie wäre es mit einer freiwilligen Selbstkontrolle, wie beim Film?

Klaus Wojatschek Sauerlach

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