Elf Programme sind irrwitzig

Rudolf Ogiermann: Aus bayerischer Sicht; Medien 18. März

Fast täglich wird momentan in ihrem Blatt eine neue Sau durchs Dorf getrieben zum Thema BR-Reform. Letzte Woche konnte man lesen, dass die BR-Ikone Carolin Reiber mit ihrer „Bayerntour“ sang- und klang- und stillos aus dem Programm geschmissen wird – trotz guter Quoten. Dann der nächste Hammer: „Dahoam is dahoam“ wird auf 19:30 vorgezogen wegen der neu installierten Tagesschau. Damit ist der bisherige harmonische Fernsehabend im Eimer. Da gab's um 18:50 die Schmunzelkrimis im Ersten. Und dann hatte man noch ein paar Minuten Zeit, um auf die beliebte bayrische Soap umzuschalten. Extremes Beispiel: Mittwoch schießt sich der BR quasi ins eigene Knie, wenn die BR-Produktion „Hubert und Staller“ im Ersten läuft. Da muss sich unsereiner fortan entscheiden, ob er auf die finale Überführung des Mörders verzichtet oder in Lansing mit einer Viertelstunde Verspätung einsteigt. Und dieses wegen einer Tagesschau, die ich mir bisher schon wahlweise in sage und schreibe elf Programmen ansehen konnte. Irrwitzig! Heute der nächste Hammer: Die Bayernlos-Ziehung hab ich immer gern angesehen. Die kommt jetzt 2 Stunden früher, wenn meine einer noch arbeitet – und die beiden beliebten Moderatoren werden einfach weggespart. Nun zum Radio: Über den Umgang mit der beliebten Volksmusik wird ja schon länger diskutiert, aber im Zuge der Brüsseler Ereignisse haben die Jungs den Vogel abgeschossen. Da wurde nach eingehender Beratung aus Pietätsgründen das laufende Musik-Quiz um eine Las-Vegas-Reise wegen seiner angeblich humorigen Ausrichtung eingestellt - die täglich zweimal ausgestrahlte „Lach matt“-Reihe aber, in der diverse Grubers, Schleichs, Springers und Kollegen ausschließlich auf die Lachmuskeln des Hörers abzielen, wurde während dieser dramatischen Tage ungeniert ausgestrahlt. Das alles ist eine Ansammlung von geistigen Ausrastern, die mich zu der Frage veranlasst: Wann wird der Dealer dingfest gemacht, der in der Führungsetage des BR derart mies gepanschte Drogen verkauft. Weil mit klarem Verstand sind diese Entscheidungen nicht zu erklären.

 Günther Herrmann Weilheim

Auch interessant

Kommentare