Auf einem Psychotrip

Plädoyer für den „Tatort“ als Kunst; Medien 2. November

Irgendwann muss doch mal jemand die inhaltlichen Spielregeln für die Ausgestaltung eines Tatort-Krimis festgelegt haben. Es war Gunther Witte, der Erfinder dieser beispiellos erfolgreichen Krimi-Serie. Danach soll ein „Tatort“ ein eindeutiger und dem Realismus verpflichteter Ermittlerkrimi mit einem realistischen Fall sein. So waren die Folgen in der Vergangenheit auch überwiegend. Und so wurde der „Tatort“ zum Kult. Seit Jahren bringt es mich zunehmend auf die Palme, wenn ich miterleben muss, wie experimentierwütige Autoren und Filmemacher den „Tatort“ auf einen Psychotrip schicken. Warum? Der Vater des Tatorts hat die Parameter für dieses Format doch klar definiert. Und die überwiegende Mehrzahl der Millionen Tatort-Freunde, so denke ich, will die Filme doch in der traditionellen Machart und nicht zunehmend als experimentelle Krimis. Der Name allein schon treibt mir die Nackenhaare in die Höhe. Es gibt meines Erachtens ausreichend große Spielwiesen, auf denen sich, wie von Festivaldirektor Kötz gefordert, Kunst im TV, vielleicht auch in Kriminalfilmen, ausleben kann. Das muss (und darf) aber nicht mehrfach im Jahr in Tatort-Folgen der Fall sein. ARD-Koordinator Jörg Schönenborn, dem von Kötz vorgeworfen wird, mit einem Kontrollkomitee die Anzahl experimenteller Krimis deckeln zu wollen, sei gedankt. Schönenborn ist nicht Protegé des experimentellen Kriminalfilms, sondern zunächst einmal dem Zuschauer verpflichtet. Und diese Aufgabe nimmt er ernst.

Bernd Schäfer 

Weilheim

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