Gleichmacherei

Sebastian Horsch: Die Bürgerversicherung – eine für alle?; Im Blickpunkt 29. November

Der Gedanke einer Bürgerversicherung ist nicht neu, aber in der Praxis weder innovativ noch bringt er das Gesundheitssystem in Deutschland nach vorne. Immer wieder wird versucht, die Privatversicherten als privilegiert und bevorzugt darzustellen. Hier wird eine Neiddebatte geschürt, die lächerlich ist. Richtig ist das ohne Privatversicherte der Gesundheitsstandard in der BRD auf dem Niveau von England und Frankreich wäre also deutlich unter unserem derzeitigen Standard. Das noch mehr Geld in dem Moloch Gesundheitsfond versickern würde und eine Zusammenführung von gesetzlich und privat nicht nur fast unmöglich ist, sondern auch niemand will außer die 5% Nichtzahler in der Privatversicherung und anscheinend die SPD. 

Bernhard Heidl Miesbach

Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich auf einer ganzen Seite mit dem Thema „Bürgerversicherung“ auseinandersetzen und Ihre Leser umfangreich informieren. Um alle Aspekte zu erläutern reichte aber doch der vorgegebene Platz nicht aus.

Wer sich intensiver und umfangreicher informieren will - und dies empfehle ich nachdrücklich - dem stehen im Internet unter dem Suchbegriff „Bürgerversicherung“ zahlreiche gute Artikel zur Verfügung. Ich sehe in diesem Thema vor allem den Versuch der SPD, weitere Neidkomplexe zu befördern. Dabei scheut man natürlich auch die Vergewaltigung von Fakten nicht. Man vergleicht, wie auch bei anderen Themen (z. B. dem Vergleich von angestellten und verbeamteten Arbeitnehmern ) , einfach Äpfel mit Birnen. Eines ist jedoch sicher: Die Behauptung, es gebe eine Zweiklassenmedizin, ist absolut falsch. Mit dem Eid des Hyppokrates verpflichtet sich jeder Arzt zur objektiv gleichen, seinem Wissen entsprechenden Behandlung aller Kranken („Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.“) . So kann man als Kranker grundsätzlich davon ausgehen, dass man unabhängig von seiner sozialen Stellung und seiner Finanzkraft von jedem Arzt optimal versorgt wird. Es gibt lediglich hin und wieder einen Zweiklassenbehandlungsservice. Man kann dies mit einer Reise mit dem Zug oder dem Flugzeug vergleichen: Der Komfort im Erste-Klasse-Abteil ist größer als in der zweiten Klasse. Der Erste-Klasse-Reisende kommt aber keine Sekunde früher am Ziel an. Die bequemeren Sitze usw. müssen ihm halt den höheren Ticketpreis wert sein. Die Sprechstunde für „Private“ zu einer Zeit, in der die Praxis ansonsten geschlossen ist, oder „nach Vereinbarung“ auch am Abend oder am Wochenende kann so ein „Komfort“ sein, ebenso das Einbettzimmer statt dem Mehrbettzimmer. Ärzte und Krankenhäuser leben auch nur vom Geld und müssen sich dies erarbeiten. Und eine Bürgerversicherung, die den Ärzten das gleiche Entgelt bietet, dass er vom privat (Zusatz-)Versicherten erhält? Sozusagen der Erste-Klasse-Flug für Alle? Machbar aber wohl kaum bezahlbar und sicher nicht sozial. Gleichmacherei bedeutet im Übrigen nicht schon mehr Gerechtigkeit, ist nicht per se sozialer. Die Situation der neuen Bundesländer vor der Wende könnte ein gutes Beispiel dafür sein. CDU und CSU, wehret den Anfängen! 

Rudolf Misera Maisach

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