Datenschutz: gut oder schlecht?

Gehrke und Kathrin Brack: Im Datenschutz-Dschungel; Im Blickpunkt 25. Mai

Seit gestern gilt die neue EU-Verordnung zum Datenschutz, welche noch einmal verschärft wurde, was auch für den Verbraucher gut und richtig ist. Wie kann es jedoch sein, dass der Beitragsservice ARD, ZDF und Deutschlandfunk (alt GEZ) sich die Daten der Bürger aus den Einwohnermeldeämtern ziehen darf und die Behörden geben unsere Daten weiter? 

Jörn Trettow Garmisch-Partenkirchen

Es ist erfreulich, dass nun alle niemals bestellten Newsletter anfragen müssen und die Maileingänge sich vielleicht reduzieren. Aber als ehrenamtlicher Vorstand eines Sportvereins, das heißt viel Zeitaufwand, Verantwortung und keine Vergütung, möchte man die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Papierform ausdrucken, zusammenfalten und jedem Bundestagsabgeordneten, der in seiner Realitätsfremdheit wieder mal mitgeholfen hat, eine EU-Richtlinie in Deutschland überzuerfüllen, solange um die Ohren hauen, bis wenigstens ein paar graue Zellen des vermeintlich abgestorbenen Gehirns wieder funktionieren. Ich bin sicher, dass auch über die Hälfte des Mittelstandes da mitmachen würde. Ihr politischen Theoretiker und Bürokraten macht das Land kaputt! 

Michael Forster Gmund am Tegernsee

Seit Mitte 2017 gibt es die DS-GVO, rechtskräftig nun seit 25. Mai 2018. Gemacht für Großkonzerne wie Facebook und Co., anzuwenden auch auf Mittelstand und Einzelunternehmer. Eine Kanone auch für Spatzen. Nicht zu Ende gedacht und in vielen Bereichen alter Wein in neuen Schläuchen. Dennoch: Man hat viel Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Noch wichtiger: sich mit Daten, Datenfluss, Transparenz, Persönlichkeitsrechten, auch dem Internet und seiner Wirkweise ganz generell und mal ernsthaft auseinanderzusetzen. Mit Themen, die unseren Alltag beeinflussen. Und was wurde von Mensch und Unternehmen gemacht: abgewartet und dann panisch reagiert. Man kann gar nicht von Halbwissen (Stichworte wie Logfiles, Cookies, Kontaktformulare, AV-Verträge, Rechte und Pflichten, Strafen) sprechen. Nein, es wird gejammert, sich beschwert, prozessiert und es werden Unwahrheiten in die Welt gesetzt. Einerseits, weil man sich ärgert, andererseits, weil man es eben nicht besser weiß oder wissen will, der Stammtisch halt auch nicht mehr hergibt oder der Leser den Schlagzeilen der Medien folgt. Also alles wie immer. Derweil ist, wenn man gewillt ist, sich mit der Materie zu beschäftigen – auch ein paar Euro investiert, im Internet recherchiert – das Thema nicht das Monster, für das man es hält. Information, Eigeninitiative und punktuell professionelle Unterstützung helfen mehr denn Gejammer und Beschwerden. 

Stefan Bruckner Hohenbrunn

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