Leserbriefe

Reparation für Polen – dann gehören auch die Ostgebiete auf den Tisch

80 Jahre nach Kriegsbeginn: Neuer Streit ums Geld; Im Blickpunkt 30. August

Bundespräsident von Deutschland zu sein, ist bestimmt ein schöner Beruf, aber um die bevorstehende Reise nach Polen beneiden den Herrn Steinmeier wohl die allerwenigsten. Herr Steinmeier hat nun (wieder einmal) die undankbare Aufgabe dem polnischen Präsidenten klarzumachen, dass Polen keine Zahlungen mehr aus Deutschland zu erwarten hat. Polen ist seit dem Beginn des 2. Weltkrieges nicht nur durch Deutschland, sondern auch durch die Sowjetunion viel Unrecht zugefügt worden. Nach 1945 war Polen ein Sattelitenstaat der Sowjets, ähnlich wie damals die DDR wurde Polen ausgebeutet. Soll der Herr Präsident Duda doch mal beim Herrn Putin anklopfen und nach Reparationen fragen. Da wird er sich wohl schwertun, zumal es die Sowjetunion in ihrer damaligen Form nicht mehr gibt. Die haben jetzt ein neues Firmenschild, weil die alte Firma Insolvenz angemeldet hat. Was uns Sorgen machen sollte, ist die Tatsache, dass es in unserem Land Politiker gibt, die den Reparationszahlungen nicht unbedingt ablehnend gegenüberstehen. Wenn man diese Politiker gewähren lässt, dann haben die rechtsnationalen Kräfte neben der Flüchtlingskrise ein zweites großes Thema, das sie sich auf die Fahnen schreiben können. Griechenland und Polen sind mit Deutschland in einer Werte- und Währungsunion, da sollte man doch meinen, es herrscht in großen Teilen Einigkeit. Durch solche unmöglichen Forderungen sät man aber wohl eher Zwietracht.

Josef Reischl

Schwabhausen

Da wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen. 80 Jahre nach Kriegsbeginn wieder Forderungen an die Nachkriegsgenerationen zu stellen, halte ich für weit überzogen und unangemessen. Um 1/3 des polnischen Staatsgebietes war mal Deutschland. Der Wert des Grundvermögens der privaten und öffentlichen Grundstücke nach heutigen Maßstäben sowie der ausgebeuteten Bodenschätze wie die schlesische Kohle würde schon eine Überkompensierung der Schäden ausmachen. Hinzu kommen Industrieanlagen und Wohnbauten in beträchtlichem Umfang, welche von Polen entschädigungslos okkupiert wurden. Deutschland ist da der falsche Ansprechpartner. Polen sollte sich hier an Weißrussland und die Ukraine wenden, welche sich als Nachfolgestaaten der Sowjetunion weite Gebiete Polens einverleibt und in der Nachkriegszeit schlesische Kohle genommen haben. Für Russland/Weißrussland/Ukraine existiert der Hitler-Stalin-Pakt weiter, soweit es um die eigenen Gebietsansprüche geht. Insoweit ist es angebracht, vonseiten der Bundesregierung ein für alle Mal eine entsprechende Ansage zu machen.

Ich als Angehöriger der Nachkriegsgenerationen sehe es nicht ein, für die Untaten meiner Vorfahren mit den von uns erarbeiteten Steuergeldern zu haften. Wenn Polen das nicht akzeptiert, dann sollen uns die Polen und Russland unser Staatsgebiet zurückgeben. Dann kann man über Entschädigung weiterreden. So aber nicht. Übrigens hat Polen weit mehr als die Gebiete jenseits von Oder und Neiße okkupiert. So die Gebiete westlich der Oder um die Städte Stettin und Pölitz und den östlichen Teil der Insel Usedom mit der Stadt Swinemünde. Wenn Polen das Paket aufschnüren will, muss aber auch alles auf den Tisch und einbezogen werden. Dann würde die Bilanz für Polen vermutlich sehr schlecht ausfallen. Besser für Polen wäre: behalten und schweigen.

Griechenland hat in der Vergangenheit reichlich an Reparationszahlungen erhalten. Wenn das Geld in einem maroden Haushaltssystem versickert ist, dann ist das deren eigene Schuld.

Frank Rogalski

Staußdorf

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