Steuern auf Minimum zu reduzieren

Aglaja Adam und Hanna von Prittwitz: Die Klassische Familie – ein Auslaufmodell?; Im Blickpunkt 2. Januar

Allein vor dem Hintergrund der kulturgeschichtlichen Entwicklung der Ehe, die gerade kein weltlich Ding war und ist, erschließt es sich mir nicht, warum Mann und Frau diesen Rückschritt machen möchten und auf die Ehe verzichten. Die Ehe, die Mann und Frau dieselben Rechte und Pflichten einräumt, die auf der freiwilligen und bedingungslosen Annahme des anderen basiert, ohne Zwang - warum möchte man auf diesen ultimativen Liebesbeweis verzichten und das auch noch als Fortschritt verkaufen? Wenn wir meinen, auf das „Du allein und Du für immer“ verzichten zu können, dann ist dies gerade kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Die beste Voraussetzung, um Scheidungen und all die damit einhergehenden Beziehungsunfähigkeiten zu vermeiden, sind stabile Familien und die gibt es eben nur dann dauerhaft, wenn auch Vater und Mutter zunächst einmal Ja zueinander sagen. Vor dem Ja zum Kind kann nur das bedingungslose Ja zum anderen stehen - oder anders gefragt, warum sollte man Handlungen vornehmen, die zu Kindern führen, ohne bereit zu sein, bedingungslos Ja zum anderen zu sagen. Letztlich impliziert doch das fehlende Ja zum anderen, selbst wenn Kinder da sind, dass eben kein bedingungsloses Ja gesprochen werden soll, dass man jederzeit wieder gehen kann. Was vermittle ich damit dem anderen? Zum Ehegatten-Splitting: Zunächst einmal ist es lächerlich zu behaupten, das Steuerrecht manifestiere bestimmte Familienmodelle; es spiegelt letztlich nur die Realität: Wenn die Frau mehr verdient, als der Mann, wird sie arbeiten gehen und er zu Hause bleiben - nur entspricht dies nicht den mehrheitlich vorherrschenden Verhältnissen, sodass es in der Regel andersherum gelebt wird, wobei auch noch niemand nachweisen konnte, warum dies schlecht sein sollte. Im Übrigen ist die einfachste Methode, das Ehegatten-Splitting zu beenden, die steuerliche Progression abzuschaffen. Nur aus der Maßgabe der steuerlichen Progression resultiert nämlich das Splitting. Es wäre eh wesentlich sinnvoller, die steuerlichen Abgaben auf ein Minimum zu reduzieren, für alle, so dass ein jeder mit dem von ihm selbstverdienten Geld das machen kann, was er möchte. Dann muss sich der Staat auch nicht mehr in unsere Lebensform einmischen - denn die Ehe ist die Unabhängigkeitserklärung an den Staat: historisch, kulturell und mindestens aus katholischer Sicht! 

Silja Fichtner München

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