Enttäuschend

„,Schluss mit den aberwitzigen Kraftproben‘“; Im Blickpunkt 29. Dezember

Eine ganze Seite über Altbürgermeister Ude und am Ende mehr Fragen als Antworten. Das enttäuscht. Zu Recht kritisiert Ude im letzten Absatz des Interviews den gegenwärtigen Zustand, dass man „nur einen Satz zu den Flüchtlingen sagen muss“, um entweder als „vertrottelter Gutmensch“ oder als „Neonazi“ zu gelten. Und erst recht ist ihm beizupflichten, egal wie man zu ihm steht, dass er es als eine Aufgabe der Volksparteien ansieht, „das wieder zusammenzuführen“. Nichts wäre wichtiger als das, anstatt den Graben, der unsere Gesellschaft beim Thema Flüchtlinge durchzieht, noch tiefer auszuheben. Die irrige Vorstellung unserer Spitzenpolitiker, die Meinungsverschiedenheiten zu diesem Thema durch Beleidigungen – „Dunkeldeutsche“ (Gauck), „Dumpfbacken“ (Schäuble), „Pack“ (Gabriel) usw. usw. – beenden zu können, ist der falsche Weg. Er bewirkt vielmehr nur das Gegenteil und passt besser in einen autoritären Staat als in eine freiheitlich demokratische Grundordnung. Gemeinsam und mit Anstand um bessere Lösungen in der Flüchtlingsproblematik zu streiten, ohne Moralkeule und ohne Einteilung in anständige und weniger anständige Deutsche, um einen Konsens in dieser für Deutschland und Europa existenziell wichtigen Frage zu ringen – das ist das dringendste Gebot der Stunde. Aber zurück zu Ude und dem Interview: Auch er als einer unserer Mainstreampolitiker schafft es nicht, über seinen Schatten zu springen. Im Absatz vor seinem vernünftigen Aufruf kann er es sich nicht versagen, die Politik der AfD als „unterirdisch“ abzuqualifizieren. Eine Beleidigung mehr. Schade.
Germut Bielitz
Grainau

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