Geld für die S-Bahn, aber abgelegene Regionen bluten aus

Matthias Kristlbauer: „Der Tunnel-Kampf“; Im Blickpunkt 9. Februar

 „Der zweite S-Bahn-Tunnel stärkt nur die S-Bahn-Linien, die bereits heute ausgebaut sind. Otto Wiesheu ist es zu verdanken, dass weder Richtung Geltendorf, noch nach Markt Schwaben, viel befahrene S-Bahn-Äste jemals ausgebaut werden. Wiesheu und seine Mannen bemerkten erst 2003, dass die Schröder-Regierung den weiteren Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing bereits 1998 zum Ruhen brachte. Die ewigen Rufe nach dem Bund und Berlin sind heuchlerisch: CSU-Verkehrsminister Ram-sauer muss kleinste Schritte als Großtaten darstellen, ihm fehlt das Geld für die großen Versäumnisse der Ära Wiesheu und Stoiber. Deren Leuchtturmprojekte waren und sind der Todesstoß für viele kleine, nützliche und für die bahnfahrende Bevölkerung spürbare Projekte. So wird in München ein Tunnel vergöttert, der dem Osten, Westen und Norden Münchens keine einzige S- Bahn mehr bringt. Wer vom Regionalzug zur U-Bahn am Marienplatz muss, soll künftig 40 Meter unter die Erde, fünf Minuten auf der Rolltreppe verbringen. Die Staatsregierung schiebt die Pläne des Schienenknotenpunktes München, in Höhe von 6,2 Milliarden Euro, größtenteils dem Bund zu, der jährlich nur 1,2 Milliarden für Neubauten zur Verfügung hat. Der S- Bahn-Tunnel frisst Gelder, die dann, wie beim S-Bahn- Ringschluss zwischen dem Flughafen und Erding oder aber der Walpertskirchener Spange, eingespart werden. Diese Spange soll irgendwann Südostbayern an den Flughafen binden. Mit der Neubaustrecke Nürnberg–Erfurt wurde Oberfranken, Bayreuth und Hof bewusst abgehängt. Heute wundert man sich, warum die abgelegenen Regionen ausbluten. Wer immer nur Zentren wie München und die Gebiete, die bereits erschlossen sind, forciert, hängt die anderen ab.“

 Michael Wengler Mühldorf am Inn

Auch interessant

Kommentare