Leserforum

Impfen gegen Corona

Andreas Beez: Kliniken: Dreimal mehr Corona-Patienten als vor einem Jahr; Im Blickpunkt, Verschiedene Haltungen gegenüber Ungeimpften; Leserforum 1. September, FFP2-Pflicht fällt heute; Titelseite 2. September

Die Philosophie von Markus Söder führt noch nicht weit genug, auch wenn die Fixierung auf die sogenannte 3G-Regel richtig erscheint, da die erfolgreiche Bekämpfung einer Pandemie nicht nur eine medizinische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist. Schließlich gibt es ebenfalls noch sehr wichtige Stellschrauben wie Abwasserproben, mobile Impfangebote in gerade ärmeren Stadtteilen sowie eine professionelle digitale Datenstrategie in den Gesundheitsämtern wie etwa nach dänischem Vorbild, wo der Staat in ganz Deutschland deutlich mehr tun könnte. Deshalb benötigt das Corona-Krisenmanagement spätestens nach der nächsten Bundestagswahl ein Update, um diesmal besser durch den Winter zu kommen als bei Angela Merkel, die die Verantwortung lieber auf den Schultern der Bürger abgeladen hat, anstatt sich mit besseren Behördenabläufen zu beschäftigen!

Rasmus Ph. Helt

Hamburg

Der Merkur berichtet über die neuen Corona-Regeln in Bayern. Dort steht, dass in Innenräumen großflächig die 3G-Regel gilt. Gestern las ich im Merkur, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht fragen dürfen, ob sie gegen Corona geimpft sind. Das bedeutet, dass ein Mitarbeiter, der die Zugangsberechtigung von Besuchern für die Innenräume überprüfen muss, selbst nicht geimpft sein muss/ kann. Heisst das jetzt, dass Unternehmen ihre Arbeitsplätze ins Freie verlegen müssen, weil in Innenräumen die 3G-Regel gilt?

Peter Schmale

München

Gesundheit und Autofahren gleichzusetzen in unserer bürgerlichen Pflichtenliste, das geht nicht, lieber Dieter Klug. Man hat nur ein Leben! Autos gibt‘s immer wieder neu. Gehen wir mit Corona an den Anfang zurück: Es wurde an unsere bürgerliche Eigenverantwortung appelliert. Diese zelebriere ich nun bereits zwei Jahre, die ich als ein Minus in meiner nur noch kurzen Lebensbilanz abschreiben muss. In meiner Stadt bin ich seit Jahrzehnten auf vielen Gebieten aktiv.

Alle meine Tätigkeiten, Ehrenämter etc. ruhen. Ich habe dennoch Lebensfreude, weil ich mich zu beschäftigen weiß. Haus und Garten und meine schöne Umgebung genügen mir (das diesjährige Sommerwetter spielt allerdings auch nicht mit). Also meine Frage an Sie: Muss ich mich wegen der Nächstenliebe – wo sind da Nächste? – dennoch impfen lassen? Nein, meine vier Wände benötigen diesen politischen Service nicht. Zur Untermauerung: Bei uns kamen wir Alten anfangs nicht aus unseren Häusern, selbst das Einkaufen wurde von einer zusammengestellten Truppe übernommen, mit der man auch nicht in Kontakt kam, sie stellte alles an den Haustüren ab, um nur ein Detail zu unserem Eingesperrtsein anzuführen.

Betty Römer-Götzelmann

Baldham


Corona und Arbeitsrecht: Die Sache ist deswegen sehr kompliziert, weil es sich wieder um typisch deutsche Gesetzesformulierungen handelt und letztlich wieder im untauglichen Datenschutz landet. Wenn Arbeitgebern diese Abfrage noch dem Impfstatus nicht erlaubt ist, wie soll er dann in einer Pandemiezeit, seine Beschäftigten schützen? Die Arbeitsschutz-Fürsorgepflicht muss zur Bekämpfung einer Infektionswelle, wie bei Corona, unbedingten Vorrang haben‚ sonst ist alles nur eine Halbesache.

Die Datenschutz-Speicherung ist dazu ein abwegiges und fadenscheiniges Argument, entweder will ich die Corona-Infektionen verhindern oder nicht. Deshalb ist es auch ein totaler Widerspruch zur Sache, wenn Gaststättenbetreiber, ihre Gäste nach dem Impfausweis oder der Testbescheinigung fragen müssen. Auch der DGB soll einmal darüber nachdenken, ob der Schutz der Beschäftigten wichtiger ist, als der Datenschutz.

Peter Speckmaier senior

Hohenlinden

Sehr geehrter Herr Klug, Führerschein- und angebliche Impfpflicht sind nicht vergleichbar, denn gut und sicher durch die Corona-Pandemie zu kommen ist wegen der Impfschäden nicht möglich. Warum denn wohl übernehmen die Impfstoffhersteller keine Haftung, wenn ihre Produkte angeblich so sicher und gut verträglich sind? Warum ist eine 3. Auffrischimpfung nötig mit der Aussicht auf viele weitere? In Israel, das Impfvorreiter war, sind die meisten stationären Coronakranken bereits Geimpfte mit Nebenwirkungen und schweren Impfschäden. Auch in England und bereits bei uns sind viele Schädigungen und Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung schon erfasst. Bitte lesen Sie doch die Statistik des Paul-Ehrlich-Instituts (mit einer hohen Dunkelziffer).

Sie führen auch die angebliche Christenpflicht an. Doch Gott will, dass wir das Leben und die Fülle haben. Von Schädigungen, Not und Tod durch Kadavergehorsam hat er nicht gesprochen. Es gibt schließlich noch andere Möglichkeiten, sicher durch diese Krise zu kommen.

Hedi Fliegner

Steingaden

Wie Herr Klug eine Führerscheinkontrolle mit dem Impfen in Verbindung bringt, ist mir ein Rätsel! Da er vom Lappen, von Klimbim spricht und die Steuerpflicht bezweifelt, kann man sich vorstellen, woher der Wind weht. Auch ein negatives Testergebnis ist kein Ablenkungsmanöver, sondern hat seinen Sinn. Sich impfen zu lassen ist keine Pflicht und daher auch keine Selbstverständlichkeit.

Und das alles aus der Sicht eines Christenmenschen zu sehen und Menschenliebe, Nächstenliebe und Solidarität zu zeigen, ist sehr weit hergeholt. Grölende Fußballfans sehe ich nicht mit Menschenliebe, auch Wirtshausbesucher auf Teufel komm raus, verdienen nicht meine Nächstenliebe und solidarisch bin ich schon gar nicht mit Menschen, denen Vorsicht und Rücksichtnahme am Arm verbeigeht. Halte ich mich nach wie vor von Menschen fern und gestalte mein Leben danach, dann treffen all diese Dinge zu. Und das hat nicht mit einem fehlenden Führerschein zu tun.

Günther Kirscht

Grünwald

Hier wird Klinikum-Chef Marks Lerch mit einer Aussage zitiert, sie mir ziemlich unglaubwürdig erscheint. Die Schutzwirkung der Impfung vor einer Ansteckung ist nur ungenau bekannt, aber laut CDC (Centers for Disease Control and Prevention) kann die Impfung die Infektionsgefahr um den Faktor 3 reduzieren (bei Delta; früher war Faktor 10 im Gespräch) und die Gefahr einer schweren Erkrankung um Faktor 10 (früher war Faktor 20 im Gespräch, bei der urspr. Corona-Variante, und auch so nachgewiesen). Wenn Dr. Lerch nun von einem zehnfachen Schutz vor Infektion und hundertfachem Schutz vor schwerer Erkrankung spricht, dann scheint mir das nicht fundiert! Ferner bestehen Einwände, veröffentlicht in Spektrum/Nature, dass der Infektionsschutz der Impfung (vor einer Weitergabe des Virus) wettgemacht werden kann, weil Geimpfte weniger auf sich aufpassen müssen, daher ihr Verhalten ändern und mehr Menschen treffen. Zudem wurde vor wenigen Tagen bekannt (Oxford-Studie), dass infiziere Geimpfte genauso ansteckend sind wie ungeimpfte, zumindest bei der Delta-Variante (wir haben 99% Delta). Weil Geimpfte aber kaum Anlass haben sich zu testen (selten Pflicht, selten Symptome), vermute ich, dass sie kaum in den „Fallzahlen“ erscheinen und daher eine hohe Dunkelziffer erzeugen. Das kann für Ungeimpfte ein Anlass sein, ihre Entscheidung zu überdenken, dieser Winter kann kritisch werden! Aber es verbietet, die Inzidenzen Geimpfter mit denen Ungeimpfter zu vergleichen, wie es unser Gesundheitsminister Holetschek tat und daraufhin die „Pandemie der Ungeimpften“ ausrief. Dazu würde es erst dann kommen, wenn Ungeimpfte diesen Winter nicht wirklich gut achtsam sind, und die Krankenhäuser füllen.

Stefan Reich

Murnau

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