Das eigene Leben verändern

Christian Vordemann: Grundlagen des Lebens; Kommentar 8. März, Maximilian Heim: Die Insekten sterben – jede dritte Art gefährdet, Interview mit Till-David Schade; Im Blickpunkt 8. März

Ein klares Bekenntnis dafür, dass Gott die Naturgesetze festlegte. Denkt man ernsthaft, diese – ohne entsprechende Konsequenzen befürchten zu müssen – ignorieren zu können? Nach uns die Sintflut? Ja, wir alle müssten längst umdenken, um die Vernichtung kleinster Lebewesen und Mikroorganismen, oftmals grundlos, zu stoppen. Im Laufe der Erdgeschichte ist die Krone der Schöpfung, als die man sich betrachtet, von einigen wild wachsenden Pflanzen, die man unbedingt glaubt, vertilgen zu müssen, nicht ernsthaft bedroht. Eher rotten wir uns schon selbst aus. Um Ihren aufrüttelnden Artikel zu ergänzen, auch einen Bibeltext (Psalm 94:23): „Und er wird auf sie zurückkehren lassen ihr Schadenstiften.“. „Denn das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus und ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch selbst bis zur Scheidung von Seele und Geist und von Gelenken und Mark und ist imstande, Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen.“ Kann man als Warnung auffassen. 

Annemarie Reif Markt Indersdorf

In der Tat, die Menschen müssen massiv umdenken, ansonsten wird sich das früher oder später rächen, wie der Kommentator treffend anmerkt. In Ergänzung zum mosaischen Zitat, das mehr als 2000 Jahre alt ist, darf ich an dieser Stelle ein weiteres anführen, das vor knapp 150 Jahren Gottfried Mayerhofer von unserem Schöpfer geoffenbart und in die Feder diktiert wurde: „Solange Schwalben unter des Menschen Dache misten, so lange ist es ein Zeichen, dass eine gesunde Luft es umgibt, wo auch die fliegenden Insekten, die ihnen zur Nahrung bestimmt sind, sich aufhalten können. Mangeln aber einmal die einen oder die anderen, dann mag der Mensch überzeugt sein, dass bald Krankheit und Tod in sein Haus und in sein Land einziehen werden; ebenso wenn Blumen und die von ihren Säften lebenden Schmetterlinge mangeln. Wo beides fehlt, da ist mein Segen ferne, und leider wird dort über ein unverbesserliches Volk die Zuchtrute geschwungen werden, nachdem meine Liebes- und Gnadenworte nur taube Ohren fanden“ (zitiert aus G. Mayerhofer, Schöpfungsgeheimnisse S. 39 f, Lorber Verlag). 

Frank Skasa-Weiß Ohlstadt

Die letzte Frage des Interviewers Maximilian Heim beschäftigt mich seit gestern sehr: „Dieses korrekte, naturfreundliche Leben können sich viele Menschen aber schlichtweg nicht leisten.“ Und Herr Schade antwortet mit: „Das stimmt. Aber auch für Menschen mit weniger Geld im Portemonnaie gibt es Möglichkeiten einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen.“ Das Interview endet an diesem Punkt. An dem Punkt, wo es interessant würde. Es ist eine sehr einfache Unterstellung, ein ökologischer Lebensstil sei teuer und für viele Menschen nicht erschwinglich. Und sie entbindet unmittelbar vom Nachdenken und von Eigenverantwortung. Man geht in einen Bioladen, schaut sich die Produktpalette an, sieht, dass ein gewohnter Einkauf das drei- bis vierfache kosten würde und schließt mit dem Thema ab. Am Lebensstil darf sich nichts ändern. An unserer Einstellung, wie teuer gewisse Produkte zu sein haben darf sich nichts ändern. Es ist mir nicht zuzumuten, mir selbst Gedanken zu machen, wie sich Leben und Natur unter einen Hut bringen lassen. Das soll bitte schön der heilige Markt, oder die Politik, oder wer auch immer für mich lösen. Als mündigen Menschen begreife ich mich in diesem Kontext nicht: Man möge ändern. Verzeihen Sie die Rage in die mich dieses Thema versetzt. Aber diese Unmündigkeit, in die sich Menschen offenbar ergeben regt mich auf. Ich bin freischaffender klassischer Sänger am Anfang meiner Berufslaufbahn und Sie können sich vorstellen, was ich als selbstständiger Künstler verdiene. Ich habe ein gegebenes niedriges Einkommen. Preise in Bioläden, nachhaltigen Kleidergeschäften, oder für nachhaltigen Verkehr sind ebenfalls gegeben. Dann muss aber doch die Frage sein, was habe ich für Möglichkeiten, trotzdem einen Lebensstil zu pflegen, der es mir ermöglicht, an einer als richtig erkannten Lebensweise teilzuhaben. Denn die Alternative heißt doch einfach weiter wie bisher und mit dem Kopf gegen die Wand. Entweder bin ich also bereit mich zu engagieren. Politisch, oder in Lobbyorganisationen (damit zur Abwechslung auch mal nachhaltiger Lebensstil in den Lobbys der Parlamente vertreten ist). Zusätzlich gibt es aber den schönen Satz, dass ich der Einzige bin, dessen Leben ich ändern kann. Und das bedeutet Suchen, Lernen, Zeit investieren. Und es bedeutet ein Verzichten mit Freude. Denn die Erkenntnis, konsequent zu Ende gedacht ist doch: Es können nicht alle Menschen auf diesem Planeten so leben, wie wir hier leben. Und wenn ein niedriges Einkommen bedeutet, dass ich nicht richtig leben kann und daran auch noch nichts ändern kann, dann ist die Frage nach dem Einkommen offenbar die falsche. Egal ob arm oder reich: ändern muss sich der Lebensstil. Und darauf habe ich Einfluss. Wo bekomme ich günstiges Biogemüse her? Entweder selbst anbauen und eigenes (dann kostenfreies) Saatgut herstellen. Das ist durchaus nicht als Witz gemeint und durchaus nicht unmöglich auch für Menschen in Stadtwohnungen. Es gibt Schrebergärten. Es gibt Möglichkeiten auf dem Balkon anzubauen, es gibt genossenschaftlichen Gartenbau. Und wenn es das in meiner Gegend nicht gibt, wäre es vielleicht Zeit, dass jemand damit beginnt? Oder gibt es unter Umgehung gewisser verteuernder Akteure in der Handelskette nicht eine Möglichkeit direkt beim Erzeuger einzukaufen? Sehen, wo meine Nahrung herkommt und sie dort besorgen. Und dabei ins Gespräch zu kommen. Vielleicht den Bauern meines Vertrauens statt den Händler meines Frusts zu finden? Man kann Gemüse haltbar machen; Einmachen, Einfrieren, Lagern, Trocknen, Fermentieren. Und das gibt mir die Möglichkeit Produkte saisonal und günstig zu kaufen. Man muss nicht jeden zweiten Tag aufs Land fahren. Diese Einkäufe kann man mit Ausflügen verbinden. Es ist nur nötig, die kleine geistige Anstrengung zu unternehmen zu überlegen, was man in den nächsten Tagen essen will und sich kundig zu machen, wie man Gemüse lagert. Im letzten Jahr habe ich Gurken angepflanzt und eingelegt. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Teuerste an der Haltbarmachung der Apfelessig ist. Jetzt habe ich natürlich die Möglichkeit zu sagen, es lohnt sich nicht Gurken einzumachen und das Thema abzuschließen. Ich habe aber eine Anzeige in die Zeitung gesetzt, dass ich Äpfel gegen einen Ernteanteil pflücke. Zwei Anrufe später habe ich einen Samstag Nachmittag Äpfel geerntet. Aus meinem Anteil habe ich Apfelsaft gepresst und etwa 20 Liter Essig gemacht, ohne dass es mich etwas gekostet hätte. Mit zwanzig Litern Essig kann man sehr viel Salat machen und Gurken einlegen. Sind diese Fragen Unsinn? Kann man sich keine Arbeit zumuten, die Freude macht und mir ermöglicht selbstbestimmt zu handeln? Arbeiten, für die ich nur eine Anleitung im Internet herunterladen muss? Genauso funktioniert es mit Brot backen. Jeder kann sich zwei Kilo Biomehl für 3,50 Euro leisten. Eine Sauerteigführung ist keine Arbeit. Dafür muss ich nicht mal Hefe kaufen. Lediglich das Mehl, etwas Wasser und Salz. Aus zwei Kilo Mehl Backe ich mindestens 4 Kilo Brot. Das reicht für zwei Personen mindestens zwei Wochen lang. Und der Vorteil: selbstgemachtes Sauerteigbrot hält auch so lange oder man kann es wunderbar einfrieren. Vier Kilo Brot beim Biobäcker kosten mindestens 20 Euro. Sind solche Gedanken in unserer heutigen Welt nicht relevant? Und Fleisch? Ja, natürlich. Aber ist es nicht meine eigene Entscheidung, ob ich mir einmal in der Woche das biologische Fleisch vom Bauern leiste, oder täglich das Fleisch aus dem Supermarkt? Ist der eigentliche Wert von Fleisch nicht ein anderer, als der, den wir durch Massentierhaltung gewohnt sind? Nämlich ein Wert, der Fleischgenuss nicht jeden Tag zulässt? Die gleiche Frage stellt sich mit Kleidung und Verkehr. Wie viel Kleidung brauche ich? Muss Sie neu sein, oder ist es nicht vielleicht sogar kreativ zumindest Teile gebraucht zu erwerben und einen eigenen Stil zu finden? Brauche ich alle Möbel sofort und neu, oder geht es auch gebraucht? Oder kann ich auf ein hochwertiges Möbelstück sparen? Brauche ich ein Auto? Gibt es Sharing Vereine in der Nähe? Kann ich einen gründen? Muss ich überhaupt gewisse Strecken zurücklegen? Muss ich in Urlaub fliegen, oder gibt es auch hier schöne Orte, die mich interessieren? Und auch das Thema Insekten ist so ein Fall. Die böse Landwirtschaft tötet Insekten und die böse Politik tut nichts. So einfach so billig. Schon bin ich wütend und ohnmächtig und muss AfD wählen, um zu protestieren. Wäre es nicht die sinnvollere Frage: Was kann ich tun? Hat das Insektensterben nicht auch mit Steingärten und englischem Rasen zu tun? Mit Hobbygärtnern, die Pestizide einsetzten oder Kunstdünger? Mit gigantischem Verkehrsaufkommen, von dem ich ein Teil bin? Mit dem Versiegeln von riesigen Flächen, dass ich als mündiger Bürger zulasse durch meine Wahl, durch meine Nichteinmischung? Kann ich auf dem Balkon Pflanzen ziehen, die wichtig sind für Insekten? Und wenn ich schon einen Bauern meines Vertrauens suchen muss, gibt es dann nicht Möglichkeiten mit ihm zu reden? Zu fragen, was er für Insekten tun kann? Oder tut er es sowieso schon und ich habe damit die Möglichkeit jemanden in seiner Arbeit zu unterstützen, der tut, was ich für richtig halte? Und kann damit noch denen, die das nicht tun meine finanzielle Unterstützung entziehen? Und muss ich mich dabei nicht auch fragen, was überhaupt mit meinem Geld passiert? Wen unterstütze ich, wenn ich Geld ausgebe, wenn ich Geld anlege, wenn ich eine Lebensversicherung abschließe und wenn ich es einfach nur auf der Bank liegen lasse? Seit Jahrhunderten wird uns von den Marktgläubigen eingetrichtert, dass die „unsichtbare Hand des Marktes“ schon alles regeln wird. Und dass der Verbraucher jeden Tag die Wahl mit seiner Kaufentscheidung trifft und sich deswegen nichts ändern kann, weil die Entscheidungen eben so getroffen werden, wie sie getroffen werden. Sollte man diese Behauptung nicht mal ernst nehmen?

Was mir am wichtigsten ist: Das Nachdenken über diese Fragen macht Spaß. Es erweitert meinen Horizont und meine Fähigkeiten. Ich bin Mensch und treffe eine bewusste Entscheidung und entziehe mich damit der Ohnmacht, die dieses und so viele Themen ansonsten beherrscht. Ich werde Akteur. Aber was alle diese Punkte verbindet, ist die Notwendigkeit zu denken und unbekannte Wege zu suchen. Und ja: Das ist unbequem und braucht Zeit. Zeit, die ich ansonsten vor dem Fernseher, im Internet, auf dem Sofa verbringe. Sogenannte Freizeit. Zeit die mich aber tätig sein lässt; sinnvoll und produktiv tätig. Das ist etwas anderes als Arbeit, etwas Ganzheitlicheres als Arbeit. Etwas das mich vom Konsumenten zum Menschen macht. Und die Ideen liegen auf dem Tisch. Übers Internet kann man tausende Homepages, Ratgeber, Bücher, Vereine finden, die genau diese Ideen verbreiten wollen. Es braucht Menschen, die die Ideen auch in die Tat umsetzten. Und das bringt Veränderung. Die wichtigste Veränderung, die es überhaupt geben kann: Die Veränderung meines eigenen Lebens. Das mag sehr wenig erscheinen für die Welt. Aber für mich kann es doch gar nichts wichtigeres geben, als mein Leben zu verändern. Veränderung kann nur vom Einzelnen ausgehen. Man muss sich aber aus dieser lähmenden Trägheit befreien, die ich an mir selbst auch so oft feststelle. Das hat mit dem Einkommen einfach nichts zu tun. 

Philipp Scherer Gmund am Tegernsee

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