Neue Tarife mit massiver Preiserhöhung?

Dirk Walter: Das ist der neue MVV-Plan; Im Blickpunkt 24. April

Es ist ja hoch erfreulich, wenn der MVV sein kompliziertes Tarifzonensystem reformiert und damit vereinfacht. Schön wäre es allerdings, wenn dabei auch die Gerechtigkeit eine Rolle spielen würde. Nach dem aktuellen Plan nämlich ist die reelle Entfernung der Orte vom Stadtzentrum kaum relevant. So liegen Markt Indersdorf, Altomünster und Petershausen deutlich weiter draußen als etwa Freising. Allerdings wurden Markt Indersdorf der Zone drei zugeordnet und Altomünster sowie Petershausen der Zone vier, in der nun auch Freising liegen soll. Auffällig ist zudem, dass es Strecken gibt, auf denen drei Haltestellen in einer Zone liegen, während auf anderen Strecken nur eine Haltestelle in einer Zone liegt. Besonders extrem ist der Abschnitt von Ismaning nach Hallbergmoos auf der Route der Flughafen S-Bahn 8, bei dem es sich um den jeweils nächsten Bahnhof handelt, jetzt aber zwei Zonen auseinanderliegen sollen. Gerade im Nordostbereich wirkt die neue Planung so, als ob die Strecken Richtung Flughafen absichtlich gestreckt werden sollen, um so den Gewinn zu maximieren. Ob das allerdings den Touristen, die am Flughafen ankommen und hier Urlaub machen möchten, gegenüber besonders gastfreundlich ist, steht auf einem anderen Blatt. 

Michaela Hoffmann Freising-Pulling

Diese Änderungen mögen eine Erleichterung für so manche sein - für andere hingegen - dazu zähle ich - ist es eine unerhörte und mit Sicherheit unerwünschte Zwangszahlung, da man sich ja nicht dagegen wehren kann. Eine Erhöhung von circa 20 bis 25 Euro für eine Fahrkarte, die wirklich nur die Ringe 1-2 erforderte und bisher 43 Euro kostete und dann plötzlich 60 bis 65 Euro kostet, empfinde ich als unglaublich unverschämt. Auch wenn ich damit weiter fahren könnte. Es ist nicht gewollt von mir. Wenn das eine ausgefeilte positive Änderung im Tarifsystem sein soll, dann kann ich mich nur fragen, was für Fachleute da am Werk waren? Was für die einen eine finanzielle Erleichterung darstellt, ist für die anderen eine finanzielle Belastung und Bevormundung. So kann man es natürlich auch machen. Ich jedenfalls werde alles noch mal durchrechnen und eventuell meine Monatskarte kündigen. Ich fühle mich verkackeiert auf der ganzen Linie! Ginge es um 5 Euro, würde ich nichts sagen, aber hier geht es um eine richtig massive Erhöhung! Kaum bekommt man ein bisschen mehr durch eine Tariferhöhung, wird einem davon schon wieder kräftig was aus der Tasche gezogen! 

Claudia Kötting München

Der MVV plant also eine neue Tarifstruktur, nennt diese im Merkur als Tarif-Revolution. Statt bisher 16 Ringe dann (nur) sechs Zonen plus Kernzone. Gemäß Abbildung im MM liegt eine Großzahl der Orte/der Haltestellen direkt auf der Grenze von zwei Zonen; bedeutet also Unsicherheit, was zu zahlen/wie viele Streifen zu entwerten sind. Der MVV kann sich also im Vorfeld bereits freuen auf satte Strafeinnahmen wegen falsch entwerteter Streifenkarten. Vermutlich ist das so erwünscht, denn es gibt deutlich andere und bessere Tarifstrukturen, welche für alle klar und verständlich und zudem auch noch gerechter sind. Im MM ist das als Möglichkeit angeführt, nämlich der Entfernungstarif. Aber, um dieses umzusetzen, muss man das auch wollen. Ganz offensichtlich will man das nicht und erfindet dann für die nahe Zukunft erstmals die aufmacherische Bezeichnung Tarif-Revolution. Das ist ja auch etwas! Revolutionen bringen meistens nur Negatives. 

Otto Böhm Starnberg

„Lang kreißte der Berg und gebar eine Maus.“ Dieses war mein erster Eindruck, als ich die sog. Tarif-Revolution im heutigen Münchner Merkur zum ersten Male zu Gesicht bekam. Wo bitte schön ist da die Verbesserung? München erstickt im Verkehr, dieses ist unbestritten, aber will man nur durch diese Reduktion der Ringe einen großen Teil der Verursacher des Verkehrs, nämlich die Pendler, so zum Umstieg auf den ÖPNV motivieren? Mit Galgenhumor habe ich sofort einen neuralgischen Punkt entdeckt: Wie kann es sein, dass der Gebrauch der S-Bahn für eine Station, nämlich zwischen Ismaning und Hallbergmoos, einen Tarifsprung von Ring 1 bis Ring 3 beinhaltet, bei Weiterfahrt nach Hallbergmoos sogar auf Ring 4. Heute kostet eine Fahrt von Ismaning in das Zentrum von Hallbergmoos pro Fahrt 5,80€ (Ring 6 - 10). Die Frage also lautet: Wird es durch die Reduktion der Ringe nach der Tarif-Reform besser? Wird man so die Pendler noch mehr motivieren? Wohl kaum, wohlwissend, dass sich in der Vergangenheit hinter dem Begriff Reform stets ein Nachteil für den Verbraucher verborgen hat. Ich hoffe, ich irre mich für dieses Mal. 

Bernhard Mühlberg Eching

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