Das System krankt

Katrin Woitsch: Die Gewinner und Verlierer der Pflegereform; Im Blickpunkt 14. Juli

Statt bei Pflegegipfeln permanent die fehlenden Pflegefachkräfte anzuprangern, sollte man doch auch mal die Frage stellen, warum wir so viele Pflegefälle haben. Seit Jahren wachsen Pflegeeinrichtungen wie Pilze aus dem Boden und man bekommt den Eindruck, dass es da um gute Geschäfte gehen muss. Wenn seit Beginn der Pflegeversicherung vor etwa 30 Jahren die Ausgaben um etwa um 400 % angestiegen sind, muss doch mehr im System krank oder krankmachend sein. Obwohl wir noch nie so viele Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte und entsprechende Einrichtungen hatten, gehen Klagen und Unzufriedenheit nicht entsprechend zurück. Offensichtlich unterstützt eine vorherrschende sozialistisch geprägte Rundum-Versorgung auch Verantwortungslosigkeit und Bequemlichkeit. Wenn inzwischen fast jeder Zweite übergewichtig ist, woraus sich zunehmend Krankheits- und auch Pflegefälle ergeben, ist es höchst Zeit auch hier anzusetzen. Offensichtlich glaubt man bei Ärzten und Kliniken, Krankheiten bequem abgeben zu können und so zu Gesundheit zu kommen. Solange nur schmerzhafte Symptome mit üblichen Methoden ausgeschaltet werden, reifen unterschwellig neue Krankheiten heran. Krankheitsverursachende Probleme werden in einer abgesicherten Versorgungsmentalität nur selten in die Hand genommen. In diesem System bekommen Patienten kaum Anreize, Krankheiten möglichst selbst auf den Grund zu gehen, was in der Regel Voraussetzung für ein Heil- und Gesundwerden ist. Nicht wenige Patienten bleiben so arme Tröpfe und arme Schlucker und geraten so vorzeitig in Pflegeeinrichtungen. Die Rechnung geht offensichtlich für eine zunehmend industriemäßig geführte Pflege auf, die uns immer mehr kostet, aber keineswegs Wohlergehen fördert. Von einer echten Reform, die nicht versorgend, sondern im Sinn eines bewährten Sozialprinzips subsidiär (unterstützend) wirkt und somit Eigenverantwortung herausfordert, ist noch nichts zu spüren. Wir haben auf 1000 Einwohner gerechnet etwa doppelt soviele Krankenhausbetten wie Dänemark. Wenn wir hier Weltmeister wie bei Arztbesuchen und Operationen sind, liegt es nahe, dass krank und pflegebedürftigsein zunehmend zum Normalfall wird. Höchste Zeit für tief greifende Reformen. 

Simon Kirschner Gaimersheim

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Allerweltsdampfplauderer
Sebastian Dorn: Zurück aus der Hölle; Im Blickpunkt 5. September
Allerweltsdampfplauderer
Auf die Natur Rücksicht nehmen!
Wem gehört die Natur?; ImBlickpunkt 14. September
Auf die Natur Rücksicht nehmen!

Kommentare