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Schülerinnen zum Amoklauf

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Das Massaker an der Schule in Winnenden: Bestürzung, Trauer, Fassungslosigkeit © dpa

„Es ist zwar schon eine Woche her, aber der Amoklauf in Baden-Württemberg hat auch viele andere Schüler in ganz Deutschland getroffen. Deswegen schreibe ich diesen Leserbrief, um zu berichten, wie nun andere deutsche Schulen mit diesem Vorfall umgehen.

Ich selbst bin Schülerin der 10. Klasse und es hat mich sehr berührt, als ich von dem Unglück erfahren habe. Mir war klar, dass unser nächster Schultag nicht normal ablaufen wird, sondern dass der Unterricht vielleicht für kleine Diskussionen auf die nächste Stunde verschoben wird. Am nächsten Tag war es dann so, dass sogar unser Mathelehrer uns seine Meinung dazu mitgeteilt hat. Er meinte, dass es genau das Falsche ist, was die Medien gerade machen. Denn wenn man das Foto des Amokläufers überall sieht, ist es doch klar, dass dieser dann ein Vorbild für andere Jugendliche mit Problemen ist, da er ja nun berühmt ist. In einem anderen Fach hat uns eine Lehrerin sofort Zeitungsausschnitte kopiert, da sie es wichtig fand, dass wir so etwas nicht einfach schweigend hinnehmen, sondern darüber reden. Es gab viele verschiedene Meinungen und Erklärungen für diesen Vorfall und es meinten einige Mitschülerinnen, dass sie sich auf unserer Mädchenschule sehr beschützt fühlen, da Studien zeigen, dass selten Frauen einen Amoklauf begehen. Doch man kann sich nie sicher sein, denn jede Sekunde kann auch jemand, der z. B. Mädchen hasst, in unsere Schule kommen und dasselbe tun. Ich hoffe, dass so etwas in Zukunft verhindert werden kann und vielleicht sollte jeder etwas daraus lernen, denn so ein Amoklauf kann aus vielen kleinen Gründen geplant werden. Ist es das Ärgern eines Mitschülers oder ein unbeaufsichtigtes Kind, das Computerspiele spielt, für die es noch viel zu jung ist. Man sieht also, dass uns das alles sehr mitgenommen hat, da wir Schüler uns wahrscheinlich am besten in die Schüler, die diesen Amoklauf erlebt haben, hineinversetzen können. Schließlich möchte ich das Mitleid im Namen unserer ganzen Klasse aussprechen und zwar an alle, die an diesem schrecklichen Vorfall beteiligt sind, besonders an die Eltern der Opfer. Denkt alle daran, dass das Leben weitergeht und dass es auch bald wieder Tage geben wird, an denen Ihr lachen könnt, obwohl Euch diejenigen Personen fehlen, die Opfer dieses Amoklaufs geworden sind.“

Veronika Bauer München

 „Gerade das Ereignis des Amoklaufs vom 11. März sollte jeden zum Nachdenken anregen. Denn wie kommt es, dass es vor 20 Jahren noch keine Amokläufer in diesem Ausmaß gab und es heute fast alltäglich ist? Heutzutage gibt es Probleme wie z. B. dass Schüler von ihren Mitschülern ausgelacht, gehänselt und gemobbt werden und diese sich somit von ihrer Umwelt ausgeschlossen fühlen. Oft gibt es auch im Elternhaus Probleme, die nicht unbedingt finanzieller Art sein müssen, sondern auch in der Nichtanwesenheit der Eltern liegen können, sodass sich ein junger Erwachsener in jeglicher Hinsicht mit seinen eigenen Problemen allein gelassen fühlt und dadurch das Leben als sinnlos erscheint. Da ist es wohl nur verständlich, dass manche einfach durchdrehen und Rache an ihrer Umwelt nehmen wollen. So ist es (wohl) nicht verkehrt, zu fragen, wo bitte die Verantwortung der Eltern bleibt, auf ihre Kinder einzugehen, ihnen ein geborgenes Zuhause zu geben und ihnen Werte und Sicherheit zu vermitteln. Denn wenn man die Probleme nicht an ihren Wurzeln packt, helfen selbst die besten Sicherheitssysteme nicht.“

Soraya Chebib München

„,Warum?‘ ,Wieso?‘ ,Weshalb?‘ ,Was ist bloß in den Jungen gefahren?‘ ,Was hat er sich dabei gedacht?‘ ,Wie konnte es so weit kommen?‘ Das sind Fragen, die sich die meisten Menschen stellen, wenn sie über den Amoklauf in Winnenden nachdenken. Doch wer macht sich Gedanken um uns Schüler? Wie geht es uns dabei, wenn wir in den Nachrichten immer öfter hören, was sich unmittelbar vor unserer Haustür abspielt? Das, was sich in Winnenden und in Erfurt abgespielt hat, könnte uns jederzeit auch zustoßen. Mit dieser Angst und mit diesem Gedanken im Hinterkopf gehen viele Schüler in ganz Deutschland jeden Tag in die Schule. Anstatt den Täter anonym in den Medien zu zeigen, wird er so für andere mögliche Täter zum ,Vorbild‘. Da niemand weiß, was sich in den Köpfen dieser Menschen abspielt, halte ich es für möglich, dass sich mögliche Nachahmungstäter in den Kopf setzen, ,berühmt‘ zu werden, wenn sie das Gleiche tun wie der Schüler aus Winnenden. Anstatt darüber nachzudenken, wie solche Fälle verhindert werden können oder wie Schüler besser über solche Extremsituationen informiert werden können, werden nur Spekulationen und Behauptungen aufgestellt, wieso, weshalb und warum der Schüler in Winnenden Amok gelaufen ist. Viel wichtiger wäre es, uns Schülern zu zeigen, wie wir uns in einer solchen Situation verhalten sollen, wie wir eine solche Situation verhindern können und wie wir jetzt mit der Angst und dem Schrecken umgehen sollen.“

Tanja Ojvan München

„Die Zahl der Amokläufe in Deutschland in den letzten Jahren ist dramatisch angestiegen. Man hat viel erfahren über Täter, Opfer und den Tathergang. Es wird viel diskutiert, aber ein paar Tage später ist es schon fast wieder vergessen. Alle reden davon, wie schrecklich es war, aber niemand redet darüber, wie man so etwas verhindern kann. Ich bin Schülerin der 10. Klasse in einem Münchner Gymnasium und ich frage mich, wie man uns, und damit meine ich alle Schulkinder, dieser Gefahr aussetzen kann, ohne zu versuchen, uns zu schützen. Man muss bedenken, jede einzelne Sekunde könnte so etwas überall in Deutschland und auf der Welt wieder passieren. Wir müssen mit der Angst leben und praktisch jeden Tag damit rechnen. Mir ist klar, dass man sich auf so eine Situation wirklich nicht vorbereiten kann, aber man könnte mehr darüber reden und versuchen, uns aufzuklären. Ich glaube nämlich, niemand aus z. B. meiner Klasse wüsste, wie man sich verhalten sollte, wenn jemand unser Leben bedroht. Niemand weiß das, aber ich bin der Meinung, dass man unsere Angst ernst nehmen sollte. Man kann so etwas nicht verhindern, aber allein der Opfer wegen sollte man versuchen, etwas zu tun und nicht nur daneben stehen und zusehen. An dieser Stelle möchte ich den Familien der Opfer mein Beileid aussprechen und alles Glück der Welt wünschen. Das ist das Einzige, was ich tun kann, doch ich wünschte, es wäre mehr. Vielleicht habe ich einige Leute zum Nachdenken gebracht und darüber wäre ich froh. Denn der Zustand, der im Moment an deutschen Schulen herrscht, sollte wirklich kein Dauerzustand werden.“

Mona Lisa Sajko München

„,Wieso?‘ Das ist die Frage, die zurzeit ganz Deutschland bewegt. Auch bei uns in den Schulen wurde schon über den Amoklauf von Winnenden gesprochen. Doch unserer Meinung nach wird dieses Thema vor allem in unserer Schule viel zu sehr runtergespielt! Während in anderen Ländern wie z. B. in Amerika ein Amoklauf nachgespielt wurde, damit Lehrer und Schüler wissen, wie sie richtig reagieren sollen, wird an unserer Schule nur kurz über den Amoklauf spekuliert. Andererseits wird der Amokläufer in den Medien ständig gezeigt und es wird dort viel zu viel über ihn geredet. Was die Leute eigentlich abschrecken soll, zeigt für viele Nachahmer dieser Amokläufe jedoch, dass er als ,Vorbild‘ gesehen werden kann. Ich finde, wenn jemand so etwas Schreckliches tut, sollte man ihm nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, sondern eher versuchen, dieses Vergehen in den Medien diskreter zu behandeln.“

 Laura Schäfer-Philipp München

„An allererster Stelle möchte ich mein Beileid an alle Angehörigen und Freunde der Opfer des Attentats in Winnenden aussprechen. Es ist erschreckend, dass so ein Massaker überhaupt möglich ist, und es muss etwas dagegen unternommen werden. Ein Amoklauf entsteht nicht willkürlich. Amokläufer sind so unzufrieden mit ihrem Leben, dass sie sich entscheiden, sich das Leben zu nehmen und sogar bereit sind, andere Menschen mit in den Tod zu reißen. Diese Unzufriedenheit drücken diese Menschen aus, sie senden Zeichen, die jedoch nicht gesehen werden. Die heutige Gesellschaft basiert auf dem Ausstechen von Rivalen, Emporsteigen, ohne dabei vor irgendwelchen Taten zurückzuschrecken, und dem Schikanieren von Menschen. Es muss was getan werden, und ich rede nicht von Verboten irgendwelcher Ego-Shooter-Spiele. Man muss den Schülern zeigen, wie man sich in solchen Augenblicken zu verhalten hat. Man soll hilflosen Schülern Möglichkeiten geben, sich in die Gesellschaft integrieren zu können, und ihnen eine Anlaufstelle bieten. Man sollte ihnen andere Wege vorzeigen, als Amok zu laufen. Zudem muss gesagt werden, dass die Schuld nicht konkret an den Lehrern oder dem Elternhaus liegt, sondern in der Gesellschaft.“

Aylin von Platen München

„Ein Ereignis, das noch lange im Gedächtnis der Menschen bleiben wird. Eltern, Schüler, Politiker: Alle überlegen, wie so eine schreckliche Tat verhindert werden kann. Von Verboten von Computerspielen mit potenzieller Suchtgefahr über verschärfte Waffengesetze bis zu Kontrollen an Schuleingängen. Doch all dies würde nur den Schein einer Verbesserung erzeugen, da ein Täter mit dem Ziel zu töten alles dafür tun würde. Doch was dann unternehmen? Es hilft nur eine Änderung der Gesellschaft. Respekt vor anderen Menschen, Beobachtung der Umwelt und des sozialen Umfelds. Weg von dem egoistischen Scheuklappen-Verhalten und der bloßen Hervorhebung persönlicher Interessen. Verantwortungsvolles Handeln. Denn nur dann besteht Hoffnung, solche blutigen Ereignisse zu minimieren.“

Lisa Wolfrum München

Monika Reuter: „Ein stiller Schüler mit Machtphantasien“; Im Blickpunkt 13. März

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