Bisher gut damit gefahren

Martin Prem: Der bayerische Vater des Wirtschaftswunders; Im Blickpunkt 5. Mai

Auch wenn sich eine CDU-Mitgliedschaft Ludwig Erhards aktenmäßig nicht nachvollziehen lässt, ist es doch historisch unzweifelhaft, dass er die Geschichte der CDU maßgeblich geprägt hat. Erhard rückte nach dem Zweiten Weltkrieg – vor allem unter dem Eindruck der Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes – die Würde des Menschen ins Zentrum seiner politischen Überlegungen und wollte die CDU für sich und seine Gedanken gewinnen. Dies ist ihm gelungen. Im Ahlener Programm (1947) bzw. in den Düsseldorfer Leitsätzen (1949) kam die CDU zum Schluss, dass die Wirtschaftspolitik drei Ziele haben müsse: Gewährleistung von Würde und Freiheit des Menschen, Sozialpartnerschaft im Wirtschaftsleben und Verhinderung jeglicher freiheitsmindernden Machtzusammenballung. Diese Ziele seien weder mit der Planwirtschaft noch mit der freien Wirtschaft liberalistischer Prägung zu erreichen. Nötig sei vielmehr eine „soziale Marktwirtschaft“ - also eine „sozial gebundene Verfassung der gewerblichen Wirtschaft, in der die Leistung freier und tüchtiger Menschen in eine Ordnung gebracht wird, die ein Höchstmaß von wirtschaftlichem Nutzen und sozialer Gerechtigkeit für alle erbringt“. Mit diesem dritten Weg ist die Bundesrepublik bisher gut gefahren. Allen Politikern, die vom reinen Kapitalismus oder von der Planwirtschaft schwärmen, sei daher Erhards Buch „Wohlstand für alle“ wärmstens empfohlen. Vielleicht lernen sie dadurch, auf welchem sozialen Fundament die erfolgreiche Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik beruht. 

Michael Pfeiffer Neuhausen auf den Fildern

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