Sprachschlamperei

Helmut Berschin: „Wie Wörter verschwinden“; Im Blickpunkt 28. Dezember

In dem interessanten Bericht von Prof. Berschin habe ich neben der Aufzählung von Wörtern und Begriffen, die durch Änderung der Lebensumstände oder Wandel der Technik verschwunden sind, solche vermisst, die aus Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit oder Sprachschlamperei ersetzt oder gar ins Gegenteil verkehrt werden. Zum Beispiel: Wenn man etwas nicht genau weiß oder geprüft hat, es aber für richtig bzw. für falsch hält, ist das passende Wort dafür „anscheinend“. Es hat den Anschein, sieht so aus, ob es richtig oder falsch ist. Doch „anscheinend“ sagt heute kein Mensch mehr. Vom arbeitslosen Hilfsarbeiter bis zum mehrfachen Dr. oder Professor hört oder liest man heute nur noch das Wort „scheinbar“, wenn jemand ausdrücken will, dass etwas den Anschein hat, man aber nicht sicher ist. Dabei ist „scheinbar“ keineswegs gleichbedeutend mit „anscheinend“, sondern drückt das genaue Gegenteil aus. Zu „scheinbar“ gehört das Wörtchen „nur“. Es ist nur scheinbar richtig, in Wirklichkeit aber falsch. Es scheint nur so, ist aber nicht so. Eine weitere Sprachverarmung, wo viele mögliche und treffende Wörter verschwunden sind, ist im Bereich Fußball festzustellen. Dort gibt es nur noch ein einziges Verb: „machen“. Keiner sagt oder schreibt mehr: Er erzielt oder schießt sein erstes Tor, oder trifft ins Tor. Nein! Er macht sein erstes Tor. Und Robben dribbelt nach langer Verletzungspause nicht wie in sei- nen besten Zeiten, sondern er macht gleich wieder ein tolles Spiel. Und zum Saisonende wird Pep nicht zum letzten Mal das Spiel der Bayern leiten, oder am Spielfeldrand, bzw. mit den Bayern auflaufen. Nein: Er wird sein letztes Spiel machen. So, und nun mache ich Schluss!
Hans Höß
Maisach

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