Schelln und Oxenaugen

Die (fast) vergessenen Wörter unserer Leser; Im Blickpunkt 7./8. Januar

Nun hat ja mancher in Vergessenheit geratene Begriff mehrere Bedeutungen: Glubberl: Wäscheklammer und Finger (Mehrzahl) Strapps: kleines Mieder mit Gummizüge für die Strümpfe, oder nur die gelochten flachen Gummibänder (übrigens nach der Miederfabrik Straps & Co, Linz (Österreich) benannt. Zahn: Wurde von uns nur für die Weiblichkeit verwandt. Da gab es den „steilen Zahn“ attraktive Frau, den Unzahn eine weibliche Zwiederwurzn den Stammzahn = feste Freundin usw. Unredliche Aneignung von Sachen: fringsen (nach dem Kölner Kardinal Frings) fuggern: zusammenfuggern, abgefuggert, organisieren. Doberniggl: Steinpilz Schwuzn: Schaukel, schaukeln Springingkerl: eigenwilliger Jüngling (oder sich auf jugendlich machender Mann) von den Frauen (noch) nicht für voll genommenes Mannsbild. In München konnte man feststellen, aus welchem Stadtteil einer ist: Ohrfeige: Schelln stand für Schwabing, Watschen für Stadtmitte bis Neuhausen und Votzen (besonders ordinär) für Giesing und München-Orientale. Der Pimpf war ursprünglich ein HJ’ler von zehn bis vierzehn Jahren. Das Oxenauge ist ein besonderes Spiegelei! Es wird kurz vor dem Servieren mit einem Deckel zugedeckt, damit der Dotter (das Ei-Auge) schlierig wird, das heißt, dass das Eiweiß, das den Dotter zusammenhält, leicht gerinnt. Vom Aussehen als Oxenauge daher nicht jedermanns(frau) Sache. Kaiserschmarrn: ist ein „zerrissener“ Pfannkuchen oder nur ein „Zerrissener“. Ursprünglich hieß er Käser- oder Holzerschmarrn und bestand aus Roggenmehl, Wasser, Salz und wurde überm Hirtenfeuer in heißem „Schmalz“ im Kochkessel kleingestoßen gebraten. (Sauerkraut und Schnaps sorgten für die Verdauung des sehr nährhaften und schwer verdaulichen Schmarrns). Im Bereich des Essens sind viele Gerichte und ihre Namen verschwunden. Manche halten sich noch zäh auf dem Lande, wie Buabaspitzle, Brunzele, Drahdiwixpfeifferl = Fingernudeln. Fensterkücherl = Auszogne = rundes Schmalzgebäck mit einem „Fenster“ das ist ein sehr dünner Teig in der Mitte. Zwulsuppe: jetzt Riebele Suppe (Zwul deshalb, weil die Köchin ursprünglich die in der Suppe genässten Hände in das Roggenmehl tauchte und kurz „zwulte“ (rieb) und der Zwul fiel von den Händen in die Suppe und wurde dann in der Suppe gekocht. Zwul ist also der die das „Riebele“ oder Geriebelte. Leider verschwinden durch das Medien-Deutsch und die Fastfood Angebote der Händler und der Kaufhäuser viele ehemals gebräuchliche Begriffe und Speisen. Knöcherlsulz!

 Ludwig Stemmer München

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