Beruhigungspillen

Josef Ametsbichler: Was der Traum vom Eigentum wo kostet; Im Blickpunkt 2. Januar

Völlig zu Recht widmen Sie Ihre erste Seite 3 dem im Großraum München vorherrschenden Immobilienwahn. Bemerkenswerterweise weist keiner der interviewten Experten auf die Finanzierungskosten beim Immobilienkauf hin. Im Gegensatz zu den Vorjahren sind diese 2017 nämlich nicht weiter gesunken, so dass die hohen Kaufpreise und Neumieten durch entsprechende Einkommenszuwächse bezahlt werden (können). Und dem ist offenkundig so: Die vielen Neuansiedlungen von Unternehmensberatungen, Pharma- und IT-Firmen holen ja nicht den Durchschnittsverdiener nach München, sondern hoch bezahlte Experten. Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn man diese grundsätzlich zukunftsträchtige Art von Gewerbeansiedlung betreibt, darf man sich über die Folgen für die alteingesessene Mittelschicht nicht wundern. Das gilt für München aber auch Umlandgemeinden wie Holzkirchen oder Penzberg. Alles andere ist verlogen oder zeugt von Inkompetenz. Die verabreichten Beruhigungspillen wie zusätzliche Sozialwohnungen verschärfen die Grippe für die nicht berechtigte Mittelschicht weiter, weil für sie nun noch weniger Wohnungen zur Verfügung stehen. Also keine Entwarnung: Sinken werden die Mieten frühestens im Verlauf der nächsten Wirtschaftskrise und die Kaufpreise spätestens bei einem Anstieg der Kreditzinsen. 

Armin Seemann Freising

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