Wohnungsnot: Andere Gegenden fördern!

Marcus Mäckler: München auf dem Weg nach oben;Blickpunkt 18./19. November

Jeder Architekt träumt davon, Objekte für die Unsterblichkeit zu planen und sich ein Denkmal zu setzen. Klappt das nicht, muss man in kleineren Dimensionen denken. Neues kann man dann nur schaffen, indem man Altes abreißt, um Freiraum zu gewinnen. Architekten sollten von ihren Vorfahren lernen und eine neue Stadt gründen. Lenkung der Völkerwanderung kann man auch dazu sagen. Es steht nicht geschrieben, dass alles an einem Ort verdichtet werden muss, um nach innen zu wachsen. Gestank, Lärm, Dreck und Abgase sind der Gewinn für alle. Ist das erstrebenswert? Nein.

Wie sagte ein Architekt bei einer Verdichtungspräsentation auf die Frage „Wie würden Sie sich fühlen, wenn vier Meter vor Ihrem Fenster ein 15-stöckiges Gebäude hochgezogen wird?“ – „Ich muss ja hier nicht leben.“

Ferner verhindert das Urheberrecht in der Branche das Ausbreiten von kreativen Ideen.

Werner Gugetzer
München


Bei der Diskussion um immer mehr Wohnraum in attraktiven Gebieten und speziell in München scheint mir dieses Problem von der Politik bewusst oder unbewusst nicht zu Ende gedacht; schließlich profitieren ja im Augenblick zumindest Investoren und Vermieter gut davon…

Aber: Selbst wenn es für einen Moment eine ausreichende Menge an bezahlbaren Wohnungen gäbe – was wäre die Folge? Noch mehr Zuzug, weil man sich München nun leisten kann. Solange die Attraktivität der Stadt z.B. durch Ausweisung von weiteren Büro- und Gewerbeflächen gefördert, bzw. von Börsenunternehmen zu Spekulationszwecken gepuscht wird, folgt automatisch: Wohnungsbedarf. Und damit ist es nicht getan; weitere Wohnungen benötigen weitere Infrastruktur und tragen zu weiterem Flächenfraß und Landschaftsverbrauch bei. Daher ist auch die im Artikel erwähnte Nachverdichtung problematisch, weil ja auch sie öffentliche Nachfolgeinvestitionen erfordert.

Auch das Höherbauen für Wohnhäuser ist bei unserem Baurecht nur begrenzt effektiv, da höhere Häuser mehr Abstandsflächen benötigen, falls wir nicht in Hochhausschluchten wie in Tokyo wohnen wollen, wo man auch im 17. Stock noch auf Einfamilienhausabstand wohnt. Da man aber Attraktivität schlecht verbieten kann (und will), müssen endlich die weniger attraktiven Gebiete durch Strukturpolitik aufgewertet werden! Das ist nicht neu, sondern Verfassungsziel: Art. 3 Abs. 2 der Verfassung des Freistaates Bayern! („Fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land.“) Sonst ist München weiter beim Fehlbestand an bezahlbarem Wohnraum Spitze und erstickt am eigenen Erfolg!

Helmut Vollmann
Schongau


Wie die Überschrift aussagt, soll es um die Lösung des Wohnraumproblems mittels Hochhäusern gehen. Im Bericht selbst werden dann ein elfgeschossiger Büroturm in Feldmoching, die zwei geplanten Geschäfts- und Bürotürme in Haar und der O2-Tower – also auch ein Bürogebäude – erwähnt. Sie schreiben, dass Hochhäuser wegen des erhöhten Bauaufwands unverschämt teuer sind, also kann sich die breite Masse doch gar keine Wohnung in einem Hochhaus leisten, weshalb auch keine gebaut werden müssen. Also müssen noch weitere Flächen zugebaut werden, um das Problem mittels Nachverdichtung lösen zu können. Die unterirdische Lösung bleibt den Tiefgaragen vorbehalten.

Herbert Hüßner
Taufkirchen

Auch interessant

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.