Das Problem unserer Zukunft

Die Situation der Flüchtlinge und die politischen Reaktionen darauf sind geeignet, mir die Haare zu Berge zu treiben.

Da sehen Menschen sich von Gruppierungen zur Flucht genötigt, die ihr pervertiertes Verständnis des Islam durch Unterdrückung, Folter und Mord durchzusetzen versuchen. Häufig geht diese Flucht in Schlauchbooten über das Mittelmeer. Die dafür notwendigen Boote werden anscheinend von Schleppern bereitgestellt, die sich an der Not dieser Menschen massiv bereichern. Aber diese Leute sind bereit, buchstäblich alles zu geben, um in das vermeintlich sichere Europa zu gelangen, in dem sie ungefährdet leben wollen. Doch wie reagiert Europa? Griechenland wird aufgefordert, die Grenzen zum Mittelmeer besser zu sichern, also die Schlauchboote der Flüchtlinge gar nicht erst an Land zu lassen. Das ist nichts anderes, als Tötung der Flüchtlinge, denn zurückrudern werden sie kaum können. Ungarn ist eingezäunt, Polen, übrigens angeblich ein katholisches Land, ist bereit 100 (in Worten: einhundert) dieser Menschen aufzunehmen. Großbritannien 3500. Überall werden Obergrenzen gefordert. Abwehr, Abwehr, Abwehr. Dieses Vorgehen ist schlicht unmenschlich und dem angeblich christlichen Abendland unwürdig. Bei uns in Deutschland wird die Antistimmung vor allem von der CSU geschürt. Man schämt sich den Namen dieser Partei voll auszusprechen, weil man dann den Begriff „christlich“ in den Mund nehmen müsste.

Alfred Löffelholz Weilheim

Ja, die CSU hat einen Brief geschrieben. An Angela Merkel. Wegen der Flüchtlinge. Das ist super. Letztens habe ich einen Brief an das Finanzamt Berlin geschrieben. Meine Tochter wird dort veranlagt. Und es ist etwas Unglaubliches geschehen. Sie haben mir per E-Mail geantwortet. Es war wie ein Schock (die Emailadresse war auf meinem Briefpapier). In Bayern muss man zwar seit acht Jahren alles elektronisch übermitteln, es ist jedoch nach wie vor nicht möglich eine Email ans Finanzamt zu schreiben. Die haben nicht mal Email. Jetzt wird mir auch klar, warum die CSU Briefe an Angelika Merkel schreibt. Die wissen noch gar nicht dass es Email gibt. Andererseits ist das irgendwie sympathisch. Wer schreibt schon noch Briefe. Oder sie haben Angst, dass die Email gehackt wird von den Amerikanern. Und dann steht da drin: Angela, du musst die Grenze bewachen. Dann denken die Amerikaner: Ja, genau, dass klappt ja bei uns ganz dolle mit Mexiko. Und dann bleiben die ganzen Flüchtlinge in Österreich. Oder besser noch in Lichtenstein. Also vielleicht ist es aber auch so, dass die CSU irgendwie noch gar nicht mitgekriegt hat, was eigentlich los ist. Emails, Syrienkrieg, das Ende der Habsburger Monarchie. Christus geboren. Und so weiter. Aber auch irgendwie sympathisch. Das mein ich ehrlich. So irgendwie süß.

Karl Giggenbach-Cahusac de Caux Fischbachau

Beim Aussortieren entbehrlicher Bücher fällt mir der dtv-Perthes Weltatlas Band 1, Naher Osten, 1973, in die Hände. Ich vergleiche die Einwohnerzahlen von zehn Staaten mit denen von heute. A l l e betragen heute mindestens das Doppelte, oft das Dreifache. Syrien ist von 6,3 Millionen auf 21, Saudi-Arabien von 8 auf 25,4, der Iran von 29,8 auf 73, die Türkei von 35,7 auf 75 Millionen angewachsen. Und das binnen 40 Jahren. Es ist die zu erwartende Zuwanderungslawine, die auch zukünftig aus diesen Staaten (notfalls aus Bangladesch) gespeist wird. In Deutschland wuchs die Einwohnerzahl von 79 (1973) an auf magere 81,2 Millionen einschließlich bereits aufgenommener Zuwanderer. Zunahme knappe 3 %. Das ist das Problem unserer Zukunft.

Fritz Werner Weilheim

Es vergeht kein Tag, dass dieses Thema nicht in allen Medien oberste Priorität hat. Politiker aller Parteien übertreffen sich durch einen unheilvollen Aktionismus - Plan A, Plan A2, Plan B, Obergrenzen, Kontingente etc., ohne wirklich den eigentlichen Ursachen für die weltweite Flüchtlingsproblematik auf den Grund zu gehen. Fragwürdige Interessengruppen auf allen Seiten versuchen diese aufgeheizte Stimmung für ihre Interessen zu nutzen, um die Bevölkerung immer mehr zu verunsichern. Über die Ursachen sind sich alle ziemlich einig. Kriege in allen Teilen der Welt vernichten die Lebensräume von Millionen von Menschen. Was auch die Anlässe für Kriege immer zu sein scheinen – Glaubenskonflikte, Machtinteressen, Sicherung der Einflusssphären etc. –, sie bleiben nur Anlass, sind aber weder Grund noch eigentliche Ursache. Die Aussagen von Politikern weltweit, man müsse diese Regionen auf diplomatischem Weg befrieden, klingen nicht nur hilflos, sondern verschleiern die Fakten. Wer Krieg führt braucht Waffen und Rüstungsgüter. Die Rüstungsindustrie, zumeist börsennotierte Unternehmen machen weltweit einen jährlichen Umsatz von 500 000 000 000 Euro und das mit steigender Tendenz. Damit erreicht die Rüstungsindustrie zirka zwei Drittel des Umsatzes der Nahrungsmittelindustrie für die gesamte Weltbevölkerung. Welch krasses Missverhältnis! Fast 80 % der Rüstungsexporte erfolgen aus den USA, Russland, China und leider auch aus Deutschland. Da die Rüstungsindustrie derzeit ungebremst auf Expansionskurs ist, sind neue zusätzliche Konfliktbereiche eher wahrscheinlich, als dass bestehende auf diplomatischem Weg gelöst werden können. Selbst die angebliche staatliche Kontrolle von Rüstungsexporten ist und bleibt eine Farce. Es wird immer möglich sein, Waffen über Strohleute in Krisengebiete zu verkaufen. Damit werden in der Zukunft wohl noch mehr Menschen – wenn sie denn den Krieg überhaupt überleben – ihre Heimat verlieren und als Folge die Flüchtlingsströme weiter und weiter zunehmen. Versuche, die Grenzen dicht zu machen, bleiben hilflose Instrumente gegen den Flüchtlingsstrom, solange die weltweite Expansion der Rüstungsindustrie nicht gestoppt wird. Alle Beteuerungen der Politiker, sich für weltweiten Frieden einzusetzen entpuppen sich als große Lüge. Der Hinweis auf den Verlust von Arbeitsplätzen, den Politiker gerne gebrauchen, wenn man ihnen vorhält, dass sie nicht gegen diesen untragbaren Zustand unternehmen, muss als unverschämt und inhuman empfunden werden. Sind die Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie, die nur dadurch gesichert werden können, wenn hierdurch Millionen andere Menschen in Tod und Elend gestürzt werden, wirklich zu rechtfertigen? Gerade die CSU (Christlich Soziale Union!) in Bayern mit ihrer Politik der strikten Abschottung gegen Flüchtlinge (Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen für Deutschland) muss sich fragen lassen, ob ihre Forderungen mit den christlichen Grundsätzen zu vereinbaren ist. Ein Drittel aller Rüstungsgüter Deutschlands, die in die Krisengebiete verkauft werden, sind „Made in Bavaria“. Will man Näheres zum Thema Rüstungsindustrie in Bayern erfahren, erhält man weder von Seiten der Regierung noch von Seiten der mächtigen bayerischen Wirtschaftsvereinigung nähere Informationen. Auch das Landesamt für Statistik, das sogar die gelegten Eier pro Huhn zählt und archiviert, gibt keine Daten heraus. Die Daten unterlägen strengster Geheimhaltung, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand. Wer das veranlasst hat, ist noch geheimer. Kann man an dieser Situation etwas ändern? Ich meine grundsätzlich ja. Wenn man sich den zugegeben langwierigen Prozess der Eindämmung von klimaschädlichen Abgasen zur Reduzierung der Klimaerwärmung als Vorbild nimmt, könnten verantwortungsvolle und von moralischen Grundsätzen geprägte Politiker in aller Welt sich zusammensetzen und massiven Druck ausüben, um die grenzenlose Expansion der Rüstungsindustrie möglichst zeitnah einzudämmen und in die Schranken zu weisen. Nur dann besteht die Chance, dass sich etwas zum Besseren verändert und nicht weiter unschuldige Menschen aller Altersgruppen zu Opfern eines ungezügelten Finanzmarktkapitalismus werden und als ungeliebte Flüchtlinge durch die Welt irren müssen.

Georg Boehm Putzbrunn

„Zu Seehofers Flüchtlingspolitik“ und „Seehofers Drohbrief“; Leserbriefe 29. und 28. Januar 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Liebe Leser,
unsere Leserin Edda Pitzius, die gestern auf dieser Seite Missstände in der Tierhaltung angeprangert hat, bat nach dem Anruf einer Bäuerin („Wir haben einen …
Liebe Leser,
Liebe Leser,
wenn ich „Laudato si’“ lese, muss ich nicht an die zweite Enzyklika von Papst Franziskus, sondern an den Sonnengesang von Franz von Assisi denken.
Liebe Leser,
Liebe Leser,
der Fuchs ist im Wald und auf Feldern ein sehr nützliches Raubtier.
Liebe Leser,
Liebe Leser,
Albrecht Müller aus München hatte auf dieser Seite vorgeschlagen, eine Rolltreppe mit wechselnder Fahrtrichtung zu testen.
Liebe Leser,

Kommentare