Allianz der Verhinderer

Simone Dattenberger: „Marstall-Konzertsaal"; Kultur 30. Januar

„Seit Jahrzehnten ist die Konzertsaalmisere in München allen Beteiligten bekannt. Interessiert hat sie – außer den leidenden Konzertbesuchern – niemanden. Erst Mariss Jansons hat die Diskussion um einen guten Konzertsaal für München angestoßen. Kaum liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der Münchens Anspruch eine Musikstadt zu sein, untermauert, formiert sich die Allianz der Verhinderer. München hat seit 1945 keinen Konzertsaal mehr, der die alles entscheidende Voraussetzung erfüllt: eine gute Akustik. Generationen von Konzertgängern in München haben noch nie eine Aufführung erlebt, in der alle Stimmen zu hören waren, die in der Partitur stehen. Wer noch nie Gelegenheit hatte, ein Konzert in einem guten Saal wie dem Wiener Musikverein oder in Luzern zu hören, weiß nicht, was dem Münchner Konzertbesucher entgeht. Da liegt auch das Problem der Marstallbefürworter: Offenbar predigen sie für Taube. Die Philharmonie zu einem guten Saal zu machen kostet mehr, als der Anbau an den Marstall. Das hat auch Herr Ude verstanden, wenn er sich inzwischen einen ,dreistelligen Millionenbetrag‘ für einen Gasteig-Umbau vorstellen kann. Mir scheint ein erstklassiger Konzertsaal am Marstallplatz, mit dem ohnehin städtebaulich etwas geschehen muss, sinnvoller, als zig Millionen in den architektonisch drittklassigen Gasteig zu investieren. Jetzt einen mehr als überlegenswerten Vorschlag ohne Argumente schlecht zu reden ist eine geistige Bankrotterklärung. Mit dieser Haltung existierte heute in keiner Stadt der Welt erstklassige Architektur. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Visionen eines Mariss Jansons gegen die lokale Kleingeistigkeit durchsetzen."

Heike Czalaun

Eurasburg

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