Eindrücke von der Elbphilharmonie

Markus Thiel: „Wir kommen wieder“; Kultur 4./5. Februar

Am 20. Mai ist das BR Symphonie-Orchester mit Mariss Jansons ja in der Elbphilharmonie. Natürlich wäre es interessant, seine Eindrücke auch über diesen Saal zu erfahren. Ich hatte das Glück, am 13. Januar das Konzert mit Kent Nagano zu hören. Mein Platz: Block I, Reihe 4, Sitz 21. Der Saal ist natürlich beeindruckend, aber das Problem ist, dass man mit Sicherheit nicht von allen Plätzen gleich gut hört. Sitzt man, wie ich, neben dem Orchester, hört man die näheren Instrumentengruppen überdeutlich, Sänger, die vor dem Orchester stehen und in den Saal hinein singen, sind nur eingeschränkt zu hören (eine Ausnahme war erstaunlicherweise der Knabensopran!). Das Gleiche dürfte natürlich auch für Instrumentalsolisten gelten, deren Instrumente den Klang vorwiegend nach vorn in den Saal abgeben. Sitzt man räumlich hinter einer Schallquelle, die eine in der Hauptsache nach vorn gerichtete Schallausbreitung aufweist, hat man in jedem Saal Probleme. Insofern bin ich davon überzeugt, dass ein Konzertsaal in Schuhschachtelform die sicherlich bessere Lösung ist. In einer Schuhschachtel mit Podium vorn sind von den beschriebenen Unzulänglichkeiten, wenn überhaupt, dann wesentlich weniger Hörer betroffen als bei einem Saal mit Podium in oder annähern in der Saalmitte. Der Klang der Elbphilharmonie wurde von mir als sehr hell und direkt, aber auch als angenehm empfunden. Eigentlich hört man fast zu gut, denn auch alle Nebengeräusche im Orchester (nur keine Fehler machen!) und im Saal sind überdeutlich zu hören. Ein idealer Mischklang will sich, jedenfalls auf meinem Seitenplatz, nicht einstellen. Es erhebt sich nun die Frage, welche Art Saal auf dem vorgesehenen Areal in München möglich sein wird. Von den drei in der Hauptsache im Gespräch gewesenen Standorten (daneben noch Marstall und am Finanzgarten) ist die Kartoffelphilharmonie sicher die (auch wegen des hohen Erbpachtzinses finanziell) ungünstigste Variante. Vielleicht wäre es sinnvoll, doch noch einmal zumindest über den Standort Marstall nachzudenken. Er wurde ja dank falscher Interpretation der Aussagen Toyotas durch einen gewissen Laienkabarettisten und genialen Akustikers aus dem Rennen gekickt. Zum Standort am (nicht im) Finanzgarten äußere ich mich besser nicht. Ich möchte nicht, dass der Herr Spaenle tagelang panische Angstzustände wegen seiner eventuell gefährdeten Wiederwahl erleiden und nur noch weinen muss. 

Wilfried Schneider München

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