Nicht soweit daneben

Maximilian Maier: Mit der Akustik das Erscheinungsbild wettmachen; Kultur 2. November

Unser Ministerpräsident Horst Seehofer versprach, das schöne Gasteig-Konzertgebäude tonlich so zu ertüchtigen, dass die unhörbaren Pianissimi, die angeblich den Celibidache in Rage versetzten, wirklich hörbar werden, und sich Dirigenten und Orchester von Weltrang um konzertante Auftritte in München bemühen – neben unseren eigenen Klasse-Orchestern. Den besonderen Punkt als sein Vermächtnis soll ein prägnanter Neubau sein. Nach langer Grundstückssuche wurde man im Osten der Stadt fündig und das erregt im Moment die Gemüter – es wird abgemeiert wie immer bei solchen Großvorhaben, aber im Stadtzentrum hat’s nicht gepasst. Jedoch, wenn ein Dirigent von Weltruf wie Mariss Jansons bereit ist, sein eigenes Geld zu investieren, dann kann’s soweit daneben nicht liegen, oder? 

Hans Steidl Vaterstetten

„Knödeln“ heißt im Tenorfach, Begrenzungen in der gesanglichen Höhe durch hörbare Anstrengungen zu überwinden. „Geknödelt“ heißt, dass eine Passage nicht mühelos, sondern eingeengt nur mit hörbarer Mühe überwunden wird. Was heißt dies für die „Knödel-Philharmonie“? Die in der „Whitebox“ ausgestellten Entwürfe lenken davon ab, dass der Standort der neuen Philharmonie im wahrsten Sinne des Wortes „geknödelt“ ist, eingeengt durch vielerlei Bauten und zugänglich nur durch lange Tunnels vom Ostbahnhof her: eben eine „Knödelphilharmonie“ ohne freien und offenen Zugang und Ausblick. Der öffnende Zugang des Herzog&Meuron-Entwurfs kam nicht einmal in die Endrunde. Über die vorgeschlagenen Entwürfe der ausgestellten Preisträger lässt sich trefflich streiten, nicht jedoch über den falschen Standort, der niemals wieder gut zu machen ist. Warum wird ein solcher München prägender Millionenbau nicht im Zentrum der Architekturschönheiten Ludwigs I. und Max II. Münchens errichtet? Im Bayerischen Athen? Warum werden alle Klassikbesucher in die öden Gänge des Münchner Ostbahnhofs verbannt? Das Gebäude im Finanzgarten ist ein Nazi-Bau, warum ist dieser sakrosankt? Ludwig I. und Max II. hätten anderes verdient. Der BR sagt, dass nur das Innere der Philharmonie wichtig ist. Und, dass entscheidend ist, dass die Musiker eine optimale Spielstätte hätten. Dies ist aus ihrem Blickwinkel richtig. Aber was ist mit den Besuchern? Was ist mit einem Vergleich mit der Dachterrasse des Luzerner Festspielhauses, von der man entspannt über den Vierwaldstätter See mit all seinen Schönheiten schauen kann? Wie wäre es schön, wenn die Besucher der Münchner Philharmonie entspannt über die Schönheiten des Hofgartens mit der Bayerischen Residenz als Kulisse schauen könnten? Was vergibt München sich mit diesem falschen Standort der „Knödelphilharmonie“? Bar jeder Diskussion über die vorliegenden Entwürfe setzte ich mich dafür ein, dass die Standortdebatte nicht abgeschlossen ist, sondern diese im Sinn der Konzertbesucher nicht final beendet wird, und der Finanzgarten eine erneute Chance erhält.

 Dr. Christoph Kessler Icking

Auch interessant

Kommentare