Problematischer Vergleich

Esteban Engel: Vier braune Eminenzen; Kultur: 5. April

Diese Rezension von Herrn Engel lässt Fragen aufkommen. Warum werden die vier Staatsräte als „braune Eminenzen“ bezeichnet, obwohl nur Carl Schmitt NSDAP-Mitglied war? Warum werden sie „Aufsteiger des neuen Regimes“ genannt, wo sie doch schon in der Weimarer Republik Rang und Namen hatten? Was bedeutet die Aussage, dass die „ruhmreichen Vier“ sich dem Hitler-Regime angepasst hätten? Welche Kriterien muss man erfüllen, um als nicht angepasst zu gelten? War es dagegen nicht so, dass Männer nur im Deutschen Reich in herausragender Stellung arbeiten konnten, ausgenommen Wilhelm Furtwängler, der an die Metropolitan Opera (Met) berufen werden sollte? Welche Alternative hatten sie also? Der Kunstgriff, diese glorreichen Vier (genannt: Figuren) nie stattgefundene Gespräche führen zu lassen, ist höchst problematisch, weil diese Fiktionen dem Leser doch eine Realität vorgaukeln, die nie gegeben war. Und sie dann der „Mittwochsgesellschaft“ – u.a mit Beck, Popitz, Jessen – gegenüberzustellen, ist einfach nicht akzeptabel. Nicht wenige der Mittwochsgesellschaft sind nach dem 20. Juli hingerichtet worden. Auch die Behauptung, dass Carl Schmitt die Weimarer Reichsverfassung ausgehöhlt habe, ist sehr verwegen. Soweit man weiß, haben dass die Abgeordneten des Reichstages getan, als sie am 23. März 1933 dem Ermächtigungsgesetz zustimmten; die Abgeordneten der SPD ausgenommen, die geschlossen dagegen stimmten. Der Schlusssatz in der Rezension, dass kein Künstler und Wissenschaftler glauben könne, in das Rad der Geschichte greifen zu können, bekommt vor dem Hintergrund dieses Ereignisses eine besondere Bedeutung: die politisch Verantwortlichen, Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle hätten es in der Hand gehabt, dieses Rad der Geschichte vor und am 23. März noch in die richtige Richtung zu drehen, bevor es rollt! 

Reinfried Brunsch Freising

Auch interessant

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.