2 Leserbriefe

Orientierungsloser Post-Christ

Michael Schleicher: „Wir müssen miteinander reden“; Kultur 17. Juni

Wie verächtlich und herablassend der Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele Herr Stückl über die christlich-katholische Tradition urteilt, macht mich als Protestanten sprachlos. Ob sich im überkommenen Text aus dem 19. Jahrhundert unnötige Formulierungen findet, die man heute als antisemitisch ansehen kann (insbesondere als staatlicher Beauftragter zur Auffindung solcher Sachen) will ich nicht beurteilen. Man mag diese Stellen tilgen. Herrn Stückls „Jesus war nie katholisch“ und sein Urteil: die Passion war ein „Propagandawerkzeug der katholischen Kirche“ zielt aber auf etwas anderes. Man muss ihn wohl so verstehen, dass er sich berufen fühlt, den historischen Jesus von Nazareth als jüdischen Wanderprediger – historisch getreu - in Szene zu setzen. Keine Angst, es folgt jetzt keine Religionsstunde über den Unterschied zwischen dem historischen Jesus (den die Evangelien und die Passionsgeschichte bekanntlich nicht hergeben) und dem Christus des Glaubens (wie ihn die Passionsgeschichte bezeugt). Aber klar dürfte sein, dass die Oberammergauer Gründungsväter mit dem Passionspiel ein Bekenntnis zu ihrem Retter Jesus Christus ablegen wollten. Dass Rabbiner die Geschichte von Jesus anders – nämlich als „innerjüdische Debatte“ – sehen, ist nachvollziehbar. Aber so sehen das Christen eben nicht, weil für sie kein jüdischer Prediger ans Kreuz geht, sondern der Sohn Gottes. Für Herrn Stückl ist das aber der alte Schmäh der katholischen Kirche, die „in ein paar Jahren völlig bedeutungslos sein wird“. Er weiß: in den „christlichen Köpfen sind wahnsinnig viele falsche Bilder. Die muss man rauskriegen.“ Ich frage mich: Wie kommt ein offensichtlich orientierungslos gewordener Post-Christ dazu, die Passionsspiele zu leiten? Warum lassen sich die Oberammergauer und überhaupt die katholischen Christen gefallen, wie hier mit ihrer Tradition umgesprungen wird?

Max W. Richardt

Planegg

Herr Christian Stückl müsste ja schon beruflich bibelfest sein. Warum sieht er sooo schwarz , was unsere kath. Kirche betrifft? Kennt er nicht den Satz: „Die Pforte der Hölle werden sie nicht überwältigen“. Die Kirche hat keineswegs an Attraktivität verloren, obwohl viele Christen wegen der Missbrauchsskandale die Kirchen verlassen haben, zwar unbegreiflich, denn jeder Mensch muss einmal Rechenschaft über sein eigenes Leben ablegen und nicht über anderer Vergehen. Um wieder die Bibel zu zitieren: „Wer ohne Fehler ist, der werfe einen Stein auf die Sünder!“ Ich glaube, da würden keine Steine fallen. Vergleicht man die Nachkriegszeit mit heute, so weiß man, warum man Gott und die Kirche nicht mehr braucht. Dies ist der Wohlstamd, das Überangebot an Vergnügen, an Aktivitäten. Kinder und Jugendliche bekommen meist alle Wünsche erfüllt, bräuchten aber mehr Zeit und Liebe. Wer lehrt ihnen noch die 10 Gebote und die Bibel, wenn sogar die Erwachsenen da Analphabeten sind. Der Zeitgeist regiert die Welt und diktiert was Sache ist. Kein Wunder, wenn wir entsetzt sind, über die vielen Grausamkeiten und der Respektlosigkeit auch der Polizei gegenüber. Ein Trost, es werden auch wieder andere Zeiten kommen, wo unser Schöpfer wieder das Sagen hat und wir alle wieder dankbarer werden für all das Gute auf der Welt. Wir sind stolz auf unser christliches Land, das wir dem Ungeist nicht überlassen. Ich sehe in unserem Pfarrverband, daß die meisten Leute in der Kirche viel Freude erfahren und dies steckt an.

Renate Dürr

Ottobrunn

Auch interessant

Kommentare