Auch diese Menschen darf man nicht vergessen

Markus Thiel: „Pegida hat uns sehr geschadet“, Interview mit Wolfgang Rothe; Kultur 21. März

Nun, ich habe zu Pegida eine andere Einstellung gegenüber unseren Politikern und einen Teil unserer Bürger. Ich kann mich noch gut erinnern. als vor einigen Jahren die Pegida-Bewegung ins Leben gerufen wurde und unsere Regierung wochenlang nicht reagierte, auch die Parteien nicht. Unsere Regierung konnte und wollte nicht glauben, das es in unserem Land Menschen gibt, die mit der Politik in einigen Bereichen nicht einverstanden sind und das die Menschen Sorge und Nöte haben und sich trauen auf die Straße zu gehen, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Sie konnten das nicht gleich einordnen und meinten dann später, das kann nichts Gutes sein und wurde von der Regierung und Parteien, als Rechts eingestuft, was viele Bürger auch glaubten und heute noch glauben. In der Anfangszeit der Pegida-Bewegung wäre es gut gewesen, wenn sich zum Beispiel die SPD dieser Sache angenommen hätte, wenn man diese Menschen ernst genommen hätte, statt der CDU hinterher zu laufen. Auch wenn Deutschland das reichste Land in Europa ist, müssen wir nun mal auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die keine Arbeit haben und finden, die viele persönliche Probleme haben und damit nicht zurecht kommen, wo das Geld nicht vorn und hinten reicht, und die nach Jahren aus ihren Wohnungen ausziehen müssen, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können – und dann kommen die vielen Ausländer, was sollen die Menschen da denken? Dass da Angst, Zukunftsangst eine Rolle spielt, kann man ja verstehen. Ich bin auch persönlich davon überzeugt, das es nicht nur die 20 000 Pegida-Anhänger in Dresden und Leipzig gibt, dass es schon in die Millionen geht, die ähnlich wie die Pegida-Anhänger denken, nur sich nicht trauen, es öffentlich zu sagen. Das Problem ist nur zu lösen, wenn die Politik diese Menschen nicht vergisst, wenn man alle in die Gesellschaft mit einbindet, auf die Menschen zugeht und nicht nur beschimpft, so gewinnt man wieder Vertrauen, das dringend notwendig ist. Bei unseren Politikern hat man oft den Eindruck, sie haben den realen Kontakt nach unten verloren und nach ganz unten erst recht, obwohl wir alle zu Deutschland gehören und darauf stolz sind.

Siegfried Marienfeld Peiting

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