Herbe Enttäuschung

Alexander Altmann: Im Keller der deutschen Lüste; Kultur 2. Mai

Thomas Bernhard kann sich ja nicht mehr wehren, aber ich glaube, dass ihm bei dieser Thematik, die ihm wirklich am Herzen lag, das kasperlhafte Gehampel der Vera und diese übermäßige Betonung des Sexuellen, ohne die es anscheinend heutzutage im Theater nicht mehr geht, nicht seinen Gefallen gefunden hätte. Da lob’ ich mir die Inszenierung am Theater in der Josefstadt 2013 in Wien, wo die besondere Wortgewalt Bernhards im Vordergrund stand. Hier in München bleibt nicht viel davon übrig. Viele beliebige Sätze und Worte, die man überall hören kann. Die einzige authentische Figur ist Clara, der man aber auch nichts von der Bernhard’schen Diktion nehmen konnte. Politische Theater ja, aber auf wessen Kosten? Als Bewunderer von Thomas Bernhard und seiner Sprache ist das hier schon eine herbe Enttäuschung.

Dr. Helmut Steiger Eggenfelden

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