Lehrstunde in Sachen Demokratieverständnis

Rudolf Ogiermann: „Es ging alles mit rechten Dingen zu“, Gespräch mit Bruno Jonas; Kultur 26. September

Vielen Dank an Bruno Jonas für seine beherzte Lehrstunde in Sachen Demokratieverständnis. Ich würde mir wünschen, dass nach dieser Wahl möglichst viele Zeitgenossen nach spontaner Empörung oder hysterischen Anfall diesen Beitrag gelesen haben. Vielleicht wurde der eine oder andere daran erinnert, dass der Respekt vor der Meinungsvielfalt die wesentlichen Voraussetzung für ein demokratisches Nebeneinander ist.

 Peter Schirmer Schongau

Mein Großvater hatte den Grundsatz: Leben und leben lassen. Wie wohltuend war in diesem Sinne das Gespräch mit Bruno Jonas, der ohne Polemik, dafür mit Gelassenheit und nicht ohne eine Prise Humor das Wahlergebnis als demokratischen Vorgang akzeptiert und sich gegen eine Einteilung in gute und weniger gute Demokraten wehrt. Danke, Herr Jonas! 

Johannes Appelshoffer Moosinning 

Die immer wieder aufgetretene Wankelmütigkeit von Seehofer hat es für eine Entscheidung, wo man diesmal bei der Wahl am vernünftigsten seine Kreuzchen machen konnte, nicht gerade leicht gemacht. Dazu hat Bruno Jonas den treffenden Ausdruck „Cha-Cha-Cha-Politik“ (vorwärts, rückwärts etc.) gefunden. Mit dieser Politik hat Seehofer, wie man am Wahlergebnis ablesen kann, die CSU an den Abgrund gebracht. Wenn er so weitermachen will, ist er bald einen Schritt weiter. Und was dann?

 Peter Funck München 

All jenen Leserbriefschreibern, die fassungslos in ihren Kommentaren auf die AfD und ihre Wähler schimpfen, sei dringend empfohlen, sich einmal das Interview mit Bruno Jonas in dieser Zeitung genau durchzulesen, insbesondere den Passus, in dem er (Jonas) auf die Wählerwanderung hinweist und fragt „Wenn das angeblich alles Rechtsextreme sind, dann frage ich mich: Waren die schon rechtsextrem als sie noch die SPD gewählt haben?“ 500 000 SPD-Wähler, über eine Million CDU-Wähler, 400 000 Wähler der Linkspartei und fast 2 Millionen Nichtwähler und Sonstige sind zur AfD gewechselt! Könnte es nicht etwa sein, dass diese Menschen schier am Verzweifeln waren die letzten Jahre der Großen Koalition und sich endlich einmal so etwas wie eine richtige und unbequeme Opposition gewünscht haben? Vielleicht geht es anderen genauso wie mir, aber bis auf wenige Debattenbeiträge einer Sahra Wagenknecht und eines Gregor Gysis habe ich kaum Gegenwehr zum Beispiel der Grünen gegen einige, teilweise gegen die Mehrheit des Volkes gerichtete Gesetzesvorlagen gesehen bzw. gehört. Oder hat man diese Redebeiträge einfach in den „Tagesthemen“ bzw. den „Heute-Nachrichten“ still und heimlich unter den Tisch fallen lassen? So richtig gekämpft um die Wählergunst haben die Parteien in meiner Heimatgemeinde jedenfalls nicht. So sicher war sich der CSU-Kandidat, dass er lediglich mit seinem Namen und mit seinem Konterfei warb. Keine programmatische Aussage, sonst nichts. Ein wenig dünn, um potenzielle Wähler anzusprechen und für sich zu gewinnen. Ich wette, beim nächsten Mal wird man sich mehr Mühe geben müssen.

 Bernhard Mühlberg Eching 

Man muss Bruno Jonas nur dankbar sein für seine ironisch feinen Kommentare zum Ausgang der Bundestagswahl. Da werden über Nacht eine Million Ex-Unionswähler zu Rechtsradikalen und Rechtsextremen (SPD-Jargon: Nazis), nur weil sie unter demokratisch legitimierten Parteien die Fronten wechseln. Da klebt ein Ministerpräsident weiter an seinem Stuhl, obwohl der mit seinem Merkel-Schmusekurs der allein Verantwortliche für die herben CSU-Verluste in Bayern ist. Schuld daran ist jetzt nach seiner Ansicht die Partei, die hat die Fehler gemacht, nicht er persönlich. Da ist eine Bundeskanzlerin nach einer krachenden Niederlage ihrer CDU mit dem Ergebnis höchst zufrieden (Kommentar: „Wir hätten uns ‘vielleicht’ etwas mehr gewünscht“). Inzwischen lobt Frau Merkel den Finanzminister weg auf den Posten des Bundestagschefs, um so schon mal den Sessel für Herrn Lindner von der FDP frei zu kriegen. Ansonsten wagt sie sich mit Jamaika an die Quadratur des Kreises. Eine ehemalige Volkspartei namens SPD wurde gleich so vehement abgestraft, dass sie sich jetzt in die Ecke stellt und verkündet, überhaupt nicht mehr mitspielen zu wollen. Zu ihrem Wahlmotto „mehr soziale Gerechtigkeit“ hätte es früher im Schulunterricht nur geheißen: Thema verfehlt! Fazit: die AfD muss eigentlich gar nichts tun (auch im Hinblick auf die Niedersachsenwahl in drei Wochen), um erneut zu gewinnen. Und dann werden wieder bzw. noch mehr konservative Wähler plötzlich zu Rechtsradikalen. 

Hubert Müller München

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