Persönliche Zuwendung

Andrea Eppner: Reden kann Pillen sparen; Leben 5. Februar

Der Satz des Arztes: „Wie würde ich gern selbst behandelt werden“ hat mich sehr angesprochen. Ich habe mir als Krankenschwester im Krankenhaus auch oft gesagt: Ich könnte der Patient sein, der dort im Bett liegt. Wenn noch ein „Danke schön“ aus dem Mund des Patienten kam, bin ich zwar oft ausgelaugt aber zufrieden nach Hause gegangen. Inzwischen bin ich über 10 Jahre in Rente! Aber nichts hat sich geändert. Immer noch spielt das Zeit- und Geldproblem eine große Rolle - auch in der Altenpflege. Ist persönliche Zuwendung bald nur noch ein Fremdwort? Sie scheint an den genannten Problemen zu scheitern. 

Barbara Seeberger Ebersberg

Ich bin seit über 30 Jahren Heilpraktiker und kann die markante Überschrift Ihres Artikels „Reden kann Pillen sparen“ absolut bestätigen. Gemäß der authentischen Auskunft meiner Patienten haben diese beim üblichen Arztbesuch ein Zeitfenster von durchschnittlich nur zehn Minuten. Zieht man davon die ärztlichen Sprechphasen ab, verbleiben für den Ratsuchenden sogar noch weniger. Es liegt wohl daran, dass sich der Praxisinhaber an eine strenge Leitlinie von sechs Patienten pro Stunde hält, sozusagen als betriebswirtschaftliche Orientierung. Nach den erwähnten zehn Minuten ist es fast immer so, dass sich der Patient kommunikativ unbefriedigt fühlt, weil vielleicht nur ein Laborbericht oder ein EKG besprochen wurden. Doch nicht umsonst heißt es ja „Sprechstunde“: Der Patient will auch seine Probleme und Sorgen zur Sprache bringen - bekanntlich liegt oft in latenten seelischen Sphären die Krankheitsursache. Man denke nur an die weit verbreiteten Symptome in den Bereichen Herz/Rücken/Verdauungstrakt. Beim Erstkontakt mit einem Patienten ist für mich ein Zeitaufwand von mindestens einer Stunde die Norm. Ein Zeitaufwand, der sich im Endeffekt für beide Teile lohnt: Der Patient erspürt eine echte Zuwendung und fühlt sich ernst genommen. Der Behandler kann dabei die Anamnese bzw. Krankheitsvorgeschichte sowohl schriftlich als auch mental fixieren - die Grundlage für eine effiziente Diagnostik und Therapie. In einer zeitdruckdiktierten „Fließbandabfertigung“ steht diese Grundlage definitiv schon auf sehr wackeligen Beinen. Selbstverständlich kann jeglicher Behandler stets zwischen egozentrisch gefärbter Lukrativität und der vollen Patientenzufriedenheit wählen. Bei mir persönlich hat der letztere Aspekt einen höheren Stellenwert. 

Walter Krause Pöcking

Wird von den Ärzten zu vorschnell gehandelt? Am 23. Oktober 2017 wurde ich durch einen plötzlichen Schmerz im Knie bewegungsunfähig, die Blockade löste sich ein wenig in den nächsten Tagen, ich konnte eingeschränkt laufen. Die Ursache sollte bei einem Orthopäden und Radiologen gefunden werden. Der Orthopäde schaute kurz auf das Ergebnis des MRT. Seine Diagnose: Das Gelenk sei so kaputt, dass nichts mehr zu machen sei. Auf meinen Einwand hin, dass das Kniegelenk seit 10 Jahren so sei und ich dank konsequenter sportlicher Übungen absolut schmerzfrei bin, erwiderte er: Ich sei im optimalen Alter und bei sehr guter körperlicher Verfassung, um eine Gelenkprothese einsetzen zu lassen. Überweisung zur OP. Das Gespräch mit dem Professor ergab allerdings eine andere Diagnose: Das Gelenk sei zwar kaputt, aber ich hätte doch von einem Schmerz „rechtsaußen“ gesprochen. Ein weiterer Test zeigte, dass diese Blockade nichts mit dem lädierten Knie zu tun haben kann. Eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt, den ich bat, das MRT-Bild anzuschauen, nachdem ich ihm den bisherigen Verlauf geschildert hätte: Nach meiner Schilderung und genauester Untersuchung, wurde mir bestätigt, dass die bisherigen physiotherapeutischen und sporttherapeutischen Übungen erfolgreich waren. Die Blockade habe sich aufgelöst, eine OP sei nicht indiziert. Zuhören (als Zeitaufwand) erfolgreich. 

Renate Öfner München

Auch interessant

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.