Dringendes Gebot der Stunde

Hauptübel Bevölkerungsexplosion; Leserforum 28. Februar

Am 1. Januar 1956 habe ich meine erste Stelle als Exportkaufmann in Kenia an-getreten, damals noch eine britische Kronkolonie. Es war der Anfang meiner Auslandstätigkeit, die sich über beinahe 40 Jahre im Wechsel zwischen afrikanischen und südost-asiatischen Ländern erstrecken würde. So habe ich ab 1961 das Ende der britischen Kolonialherrschaft in Ostafrika und etwa gleichzeitig in Singapur und Malaysia erlebt wie auch 1994 das Ende der weißen Apartheid-Regierung in Südafrika mit Nelson Mandela als ersten afrikanischen Präsidenten. Alle ehemaligen Kolonien, wie auch die schwarze Regierung in Südafrika, begannen ihre neue gefunden Freiheit mit großen Hoffnungen, die sich in den asiatischen Ländern, allen voran Singapore, auch erfüllten. Im Gegensatz dazu rutschten die meisten der afrikanischen Länder in immer größere Armut, trotz der circa 600 Milliarden Euro an Hilfsgeldern aus Europa und den USA, die in mehr als einem halben Jahrhundert nach Afrika gepumpt wurden. Wie Frau Sterner richtig schreibt, ist die überall in Afrika stattfindende Bevölkerungsexplosion eines der Hauptübel für diese Entwicklung. So hatte Kenya 1956 sieben, heute dagegen 46 Millionen Einwohner. Für Afrika insgesamt vervierfachte sich die Bevölkerung in den letzten fünfzig Jahren von 300 Millionen auf jetzt 1.2 Milliarden. Bei einem jährlichen Wachstum von über 3 Prozent wird sich diese Zahl in den nächsten 25 Jahren nochmals verdoppeln. Wie und wo diese unvorstellbare Menschenzahl leben, arbeiten und sich ernähren sollte, hat man wohl weder in Afrika noch in Europa oder Nordamerika jemals wirklich zu Ende gedacht. Sicher wäre es richtig, Fluchtanreize nach Europa durch Schaffung von Bildungsmöglichkeiten und Existenzgrundlagen vor Ort zu reduzieren. Doch schon volumenmäßig sind die jetzt in Angriff genommenen Maßnahmen mit Sicherheit unzureichend und werden es auch weiterhin bleiben. Als dringendes Gebot der Stunde ist daher ein Programm zur Durchsetzung einer wirksamen Geburtenkontrolle in praktisch allen Ländern des afrikanischen Kontinents. Dabei ist wohl die Überwindung der „vorsintflutlichen kirchlichen Einstellung zur Empfängnisverhütung“ noch das geringste Problem. Die jahrhundertalte Tradition von Männern und Frauen in Afrika, in vielen Kindern eine Grundlage für eigenes Wohlergehen in der Zukunft zu sehen, dürfte viel schwieriger zu überwinden sein. Anzusetzen wäre bei den jeweiligen Machthabern der afrikanischen Länder, deren Unterstützung vermutlich nur durch Kopplung einer wirksamen Geburtenkontrolle mit anderen finanziellen Zusagen von Entwicklungshilfe zu erlangen wäre. Wenn aber das sonst sicherlich eintretende Elend von in viele Millionen gehenden Menschen verhindert werden soll, ist eine Alternative zu einem derartigen Vorgehen nicht zu erkennen. 

Peter Hütz Krailling

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