2 Leserbriefe

Demo gegen Altersarmut

Ruhig verlaufen;Leserforum 28. Januar

Als Passantin erlebte ich folgendes: Circa 1 Stunde nach Beginn standen die Demonstranten gegen die Altersarmut, meist ältere Herrschaften, ruhig am Marienplatz beieinander. Ganz in der Nähe war eine Gruppe meist jüngerer Leute, die sich „Antifa“ nannte, mit Plakaten gegen Rassismus, Patriotismus usw. Selbst ein „München ist bunt“-Plakat war zu sehen. Diese Gruppe formierte sich dann und rückte unter lautem Skandieren gegen die Mitglieder der Demo gegen Altersarmut vor. Die Polizei stellte sich dann zwischen die beiden Gruppen. Die Leiter der Demo gegen Altersarmut beschlossen dann, wie ich hörte, abzubrechen, um eine Eskalation zu verhindern. Da sich mir ein Zusammenhang zwischen den beiden Demos nicht erschloss, bat ich Mitglieder der Antifa um Aufklärung – jedoch ohne Ergebnis. Freie Meinungsäußerung wurde hier einfach mit Geschrei und mit Drohgebärden unterbunden. Mir stellt sich die Frage, wie sich das mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung vereinbart. Mit einem sehr beklemmenden Gefühl verließ ich anschließend den Marienplatz - und fühlte mich an die Weimarer Republik erinnert.

Ingrid Oxfort

München

Ich als Berufstätiger war um 16 Uhr vor Ort und da war nix. Außer den Restteilnehmern einer linken Demonstration und einem großen Aufgebot an Polizei. Ich traf ein Ehepaar, das auch an der Mahnwache teilnehmen wollte, wir fragten einen Polizisten danach, der meinte trocken: „Da war schon was, aber die haben die Linken vertrieben.“ Nun gab es ja im Vorfeld schon die Diskussion, ob es sich bei den Mahnwachen in deutschen Städten um eine AfD-Veranstaltung handle. Ich habe mit der AfD und den Rechtsextremen Zeit meines Lebens nichts am Hut. Ich denke aber, dass Altersarmut ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und es noch werden wird. Und dies wird es für die Demonstranten werden, die heute denken, dass jeder Mahnwachenteilnehmer als Neonazi mundtot gemacht werden muss. Ich war seinerzeit in Mutlangen und habe gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstriert. Es war beeindruckend und es war leise. Das lauteste Geräusch waren die Wachgänse der US Armee, die sich über die Marschierenden erregten. Ich finde, dass sich die Kultur des Umgangs miteinander in unserer Bundesrepublik grundlegend verändert hat. Es gibt offensichtlich nur noch Schubladen und Gegner, die gleich Feinde sind. Heute werden Lokalpolitiker bedroht und Gehör findet, welcher am lautesten und brutalsten schreit. Ich bin dann nach einer halben Minute am Jakobsplatz von der Veranstaltung von „München ist bunt“ weggegangen und habe mir kopfschüttelnd gedacht, dass in ein paar Jahren München grauhaarig sein wird. Das wird die natürliche Entwicklung sein. Auf irgendeine vernunftgesteuerte Solidarität oder ein Miteinander hoffe ich nicht mehr. Es sind ehrenwerte Anliegen, der Kampf gegen Altersarmut und für eine humanere Welt im Miteinander, aber repräsentiert fühle ich mich von keiner Gruppierung mehr.

Valentin Niedermeier

Wörth

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